Ludwig Forum für Internationale Kunst

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Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989

Sep 8, 2017 bis Feb 18, 2018

tn "Cuba libre" und Karibik, Kunst und Klischees – von den ewigen Revolutionshelden bis zu den farbenfrohen Straßenbildern: Von kaum einem Land auf der Welt existieren im kollektiven Bildgedächtnis so intensive Bilder, die von Lebensfreude, Freiheit aber auch von gesellschaftlichen Herausforderungen und Krisen geprägt sind. Die aktuelle Ausstellung im Ludwig Forum für Internationale Kunst untersucht die faszinierenden Bildwelten, die die zeitgenössischen Künstler in ihren Arbeiten präsentieren und hinterfragt dabei ihre Korrelation zu ihren realen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Kuba der letzten Dekaden.

Die Komplexität und Kontinuität der Auseinandersetzung mit der kubanischen Kunstproduktion innerhalb der Sammlung von Peter und Irene Ludwig ermöglicht dabei einen einmaligen tiefergehenden und vor allem auch zeitlich vergleichenden Blick über mehr als 30 Jahre hinweg: Denn die Sammlung Ludwig beinhaltet eines der größten und auch ersten Konvolute zeitgenössischer kubanischer Kunst in Europa. Dieser faszinierende Sammlungsteil bietet einen Einblick in die bildende Kunst des Karibikstaates, vorwiegend entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren, also einer Zeit der Krise und des Versuchs ihrer Überwindung.

Im Rahmen der Ausstellung "Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989" – die bis dato größte Präsentation mit zeitgenössischer kubanischer Kunst in Deutschland – kommt es zu einer Begegnung, die die Aachener Sammlungsbestände heutigen Werken aus Kuba gegenüberstellt. Dieser vielschichtige Dialog eröffnet eine Diskussion hinsichtlich der ästhetischen, inhaltlichen und formalen Entwicklung der kubanischen Kunst. Die Ausstellung mit einem Spektrum aus rund 150 Kunstwerken von 72 Künstlern wirft dabei Fragen nach dem Verhältnis von Kultur und Politik, Kunst und Markt, Globalisierung und Macht auf. Das Ausstellungsprojekt ist vielfältig und diskursiv aufgestellt: Die begleitende wissenschaftliche Publikation und eine Konferenz, die für Januar 2018 in Havanna geplant ist, werfen Fragen nach dem Verhältnis von Kultur und Politik, Kunst und Markt, Globalisierung und Macht auf. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Filmen, Vorträgen, Performances und einem zweitägigen Festival runden das Projekt ab.

Die Basis des kubanischen Teils der Sammlung von Peter und Irene Ludwig bilden Werke, die 1990 in der Kunsthalle Düsseldorf in der Ausstellung "Kuba o.k. – Aktuelle Kunst aus Kuba" zu sehen waren. Ein Großteil der dort präsentierten Arbeiten (u.a. von Maria Magdalena Campos Pons, José Bedia, Marta María Pérez Bravo und Lázaro Saavedra) wurden damals von dem Aachener Sammlerpaar angekauft und befinden sich nach wie vor im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen. Im Rahmen der Ausstellung "Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989" werden die sammlungseigenen Werke der "historischen" Schau "Kuba o.k." erstmals wieder weitgehend zusammengestellt und einer Revision unterzogen: Wie hat sich die Rezeption der Bilder, Skulpturen und Installationen in den gut 25 Jahren seit ihrem Ankauf verändert, welche Themen haben immer noch Relevanz, wie haben sich die künstlerischen Strategien, Medien und formale Praxen entwickelt? Inwieweit und in welcher Form hat die kubanische Kunst Anteil an den Entwicklungen westlicher Kunst im 20. Jahrhundert genommen und wo hat sie eigene Wege beschritten? Wie lässt sich unsere westlich geprägte Vorstellung von ästhetischen und formalen Kriterien auf diese anwenden? Und wie unterscheidet sich die Kunst der nicht mehr auf Kuba lebenden Künstler von der Kunst derer, die noch auf der Insel leben und arbeiten?

Die Zusammenführung der Kunstwerke aus Kuba "o.k." wird um zwei Kontexte erweitert: Zum einen werden die Werke der historischen Ausstellung durch weitere kubanische Arbeiten der Sammlung Ludwig ergänzt, die in späteren Jahren erworben wurden. Diese Gegenüberstellung bietet nicht nur einen "Zwischenstand" hinsichtlich der künstlerischen Entwicklung Kubas, sondern beleuchtet darüber hinaus auch die Metaebene der Ankaufsstrategien des Sammlerpaars Ludwig. Ein weiterer, deutlich größerer Kontext besteht in der Ergänzung von heutigen kubanischen Werken (u.a. von Künstler*innen wie Yoan Capote, Ariamna Contino, Susana Pilar Delahante, Felipe Dulzaides, Adrián Fernández Milanés). Die Gegenüberstellung und Auswahl der neu hinzukommenden Werke wird durch den Ko-Kurator der Ausstellung, den kubanischen Künstler, Kunsthistoriker und Kunstkritiker Tonel (Antonio Eligio Fernández) mitgestaltet, der einer der profiliertesten Kenner der kubanischen Kunst ist und die Entwicklung der dortigen Kunstszene über viele Jahre intensiv erlebt hat. Er hat bereits die Düsseldorfer Ausstellung als Ko-Kurator mitverantwortet.

Die Zusammenführung dieser drei Ausstellungsteile zu Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989 bietet folglich einen vertiefenden Einblick in die Entwicklung der bildenden Kunst auf Kuba und ihrer Rezeptionsgeschichte innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte – einer Zeit, die einerseits geprägt war von einschneidenden wirtschaftlichen Veränderungen und den damit verbundenen sozialen Herausforderungen, und die andererseits die permanente Überwindung dieser Krise eingeübt hat.

Das "x", das in der Mathematik gebräuchliche Symbol für eine unabhängige Variable, steht im Titel der Ausstellung "Kunst x Kuba" als Zeichen für die wechselseitige, dialogische Ausrichtung der Schau, denn es wird nicht "nur" Kunst aus Kuba ausgestellt, sondern auch ein weiterer künstlerischer bzw. kulturpolitischer Dialog mit und in Kuba initiiert: Vor dem Hintergrund der kulturpolitischen Bedeutung der Ausstellung ist es den Kuratoren von "Kunst x Kuba" besonders wichtig, die zu verhandelnden Inhalte auch auf Kuba selbst zu reflektieren. So ist der Plan, im Rahmen einer Konferenz die Themen der Ausstellung nach Havanna zu bringen. Besonders vor dem Hintergrund der Initiativen von Peter und Irene Ludwig – den vielfachen Ankäufen und vor allem der langjährigen Unterstützung der kubanischen Kunstszene durch die Ludwig Stiftung in Aachen und die Fundación Ludwig de Cuba – und dem mitgetragenen kulturellen Dialog zwischen Kuba und Deutschland gibt die Ausstellung "Kunst x Kuba" nicht nur einen Überblick auf rund dreißig Jahre kubanische Kunstgeschichte, sondern ist auch hervorragend dazu geeignet, gerade zum jetzigen Zeitpunkt einen weiteren, vertiefenden kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Kuba zu initiieren.

Um über die Dauer der Ausstellung hinaus eine breite Wirkung der behandelten Themen zu erzielen, ist eine Publikation in Vorbereitung (hg. V. Andreas Beitin und Tonel, erscheint im Wienand Verlag, Köln), in der Texte namhafter Autoren aus dem Kunst- und Kulturbereich sowie der Soziologie und Geschichte enthalten sein werden (u.a. Luis Camnitzer, Aviva Chomsky, Sujatha Fernandes, Par Kumaraswami, Jacqueline Loss, Rachel Price, Elsa Vega). Zudem werden historische Primärquellen (bspw. Kunst betreffende Reden von Fidel Castro oder Armando Hart), die als offizielle Leitlinien zu Kunst und Kultur gelten, kommentiert abgedruckt sowie auf ihre Umsetzung und Auswirkungen hin überprüft. Die möglichst weitreichende Distribution der Inhalte wird zum einen durch die Dreisprachigkeit der im Winter 2017 erscheinenden Publikation gewährleistet (dt., engl., span.), zum anderen durch die Verfügbarkeit als digitalen Download.


Kunst x Kuba
Zeitgenössische Positionen seit 1989
8. September 2017 bis 18. Februar 2018
Eröffnung: Do 7. September 17, 19 Uhr

Jesús Hdez-Güero: Cambio de Bola (2005-2015). Leder, Schnur, Ca. 75 cm (Umfang); © Jésus Hdez-Güero
Carlos Rodríguez Cárdenas: Patria o Muerte [Vaterland oder Tod] (1989). Öl, Stoff und Assemblage. zweiteilig, je 400 x 400 cm; Ludwig Forum für Internationale Kunst, Sammlung Ludwig. Foto: Anne Gold
Carlos Rodríguez Cárdenas: Patria o Muerte [Vaterland oder Tod] (1989). Öl, Stoff und Assemblage. zweiteilig, je 400 x 400 cm; Ludwig Forum für Internationale Kunst, Sammlung Ludwig. Foto: Anne Gold
Diana Fonseca Quiñones: Pasatiempo (2004). Video, 04:45 min: © Diana Fonseca Quiñones, Courtesy Sean Kelly Gallery
Marta María Pérez Bravo: Recuerdo de nuestro bebé [Erinnerungen an unser Baby] (1987/88), Aus einer Serie von 6 Fotografien, 41,5 x 51,6 cm; Ludwig Forum für Internationale Kunst, Sammlung Ludwig. © Marta María Perez Bravo. Foto: Carl Brunn