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Ich weiß nicht

Jun 21, 2017 bis Okt 1, 2017

tn In einer zunehmend von digitalen Technologien und Interfaces bestimmten Welt rückt die Interaktion zwischen Menschen und Dingen in den Fokus des Interesses. Vor dem Hintergrund neuer digitaler und sozialer Settings analysiert die Gruppenausstellung "Ich weiß nicht – Wie die Beziehungen zwischen den Dingen wachsen" das Verhältnis der Menschen zu Objekten, die uns tagtäglich begegnen und umgeben. 17 Positionen vorwiegend in Österreich lebender und arbeitender zeitgenössischer Künstler*innen entspinnen im Rahmen der Vienna Biennale 2017 "Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft" eine Narration zum Affekt der Dinge.

Objekte, ob analog oder digital, dienen als Werkzeuge („Medien“) zur Gestaltung unserer Alltagswelt und formen damit auch die Gesellschaft mit. Unser Umgang mit ihnen macht Dinge selbst zu "Gestalten" mit eigen-dynamischen Handlungsspielräumen: Während ein "Ding" als Gebrauchsgegenstand verstanden wird, der eine bestimmte Funktion erfüllen kann, nimmt ein Medium eine spezifische Rolle ein, indem es kommuniziert oder überträgt; es ist also nicht nur einfach es selbst, beschreibt auch Mercedes Bunz in "Die Dinge tragen keine Schuld. Technische Handlungsmacht und das Internet der Dinge" (2015).

Dem entspricht etwa auch die von Bruno Latour 1996 entwickelte "Akteur-Netzwerk-Theorie" (ANT), laut der nicht nur Menschen ("Akteur*innen"), sondern auch Dinge "handelnd" agieren ("Aktanten"). Mit dem Internet der Dinge, Smart Devices, Wearables oder Apps scheinen die von uns geschaffenen Objekte zunehmend die Kontrolle über uns Menschen zu gewinnen. Wie kann es gelingen, in dieser vielschichtig vernetzten Welt unser autonomes, selbstbestimmtes Leben zu erhalten oder zurückzuerobern?

Der Ausstellungstitel zitiert die fotografische Arbeit "ich weiß nicht" (2001) von Birgit Jürgenssen, die das Auto der Künstlerin eingeschneit in einer Parklücke zeigt. Der fahruntüchtige Renault dient als Vehikel zum Tabubruch und zur Absage an die Technologiegläubigkeit. Im Angesicht der versagenden Maschine macht sich Erleichterung breit: ich weiß nicht als Allegorie für geistige Mobilität und persönliche Autonomie.

Die Ausstellung thematisiert die künstlerische Annäherung an die neue Beziehungsebene zwischen Menschen und Dingen mit heterogenen Positionen, von skulpturalen Arbeiten bis hin zu audiovisueller Kunst. Aspekte der Übertragung und Übersetzung spielen dabei ebenso eine Rolle wie Material, Form und emotionale Assoziationen.

Bruno Gironcolis Skulpturen bestehen gleichsam aus technoiden und organischen Fragmenten. Zitathaft referieren sie auf eine unheimliche Wirklichkeit der Dinge, die mit seelischen Befindlichkeiten zu korrelieren scheinen. Die Arbeit von Ute Müller und Zin Taylor liest sich als dialogischer Vermittlungsversuch zwischen virtueller und analoger Welt und lässt neue Gestalten und freie Interpretationen unserer Umgebung entstehen. In Julian Palaczs Ausstellungsbeitrag – neue Arbeiten der Serie "Surveillance Studies" (seit 2014) – werden Videos von Überwachungskameras durch ungewöhnliche Umformulierung zu ephemeren Zeichnungen transformiert.

Günther Selichar reflektiert die Abwesenheit des Subjekts innerhalb der Bildproduktion und lässt in seiner Arbeit "when scanners meet" (2008–2013) technische Geräte in eine scheinbar selbstgenügsame, selbstreferenzielle Beziehung zueinander treten. Ein Statement zur An- oder Abwesenheit eines Akteurs oder einer Akteurin liefert auch Misha Strojs filigrane Skulptur "Io non aumento più" (2012), an die der Gürtel des Künstlers geschnallt ist. Padhi Friebergers "Landmensch (Fetisch)" (1965–1972) stellt die Wesenhaftigkeit der Dinge und gleichsam die Eigenartigkeit und Unersetzbarkeit des Menschlichen zur Disposition und thematisiert eine grundlegende Subjekt-Objekt-Beziehung: Ohne Künstler keine Kunst (1987).

Künstler*innen: Padhi Frieberger, Bruno Gironcoli, Sofia Goscinski, Nilbar Güreş, Lisa Holzer, Birgit Jürgenssen, Anita Leisz, Paul Leitner, Ute Müller, Julian Palacz, Signe Rose, Günther Selichar, Misha Stroj, Zin Taylor, Sofie Thorsen, Patrick Topitschnig, Kay Walkowiak


Ich weiß nicht
Wie die Beziehungen zwischen den Dingen wachsen
21. Juni bis 1. Oktober 2017

Birgit Jürgenssen: ich weiß nicht, 2001. Farbfotografie auf Leinen, im Vordergrund: Renault 4; © Wolfgang Woessner/ MAK
Lisa Holzer: Inducement, 2016. Pigmentdruck auf Baumwollpapier, Epoxyharz, Polyurethan auf Glas © Lisa Holzer; Courtesy Galerie Emanuel Layr
Nilbar Güreş: Place a tree in front of TV, 2014. Textilfarbe, Textil, Knopf und Stickerei auf schwarzem Stoff. © Nilbar Güreş/ Foto: Markus Wörgötter; Courtesy of Galerie Martin Janda, Wien
Patrick Topitschnig: Mark & Garry, 2013. Filmstill; © Patrick Topitschnig