Berlinische Galerie

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weitere Ausstellungen

Max Beckmann und Berlin

Nov 20, 2015 bis Feb 15, 2016

tn Aus Anlass ihres vierzigjährigen Bestehens lenkt die Berlinische Galerie mit der Ausstellung "Max Beckmann und Berlin" die Aufmerksamkeit auf die entscheidende Rolle, die die Stadt im Leben und Werk des Künstlers spielte. Der Kunsthistoriker und Zeitgenosse Max Beckmanns, Julius Meier-Graefe, brachte das Verhältnis von Künstler und Stadt 1924 auf den Punkt: "Max Beckmann ist das neue Berlin." Die Bedeutung der Stadt Berlin für die Kunst Beckmanns wird erstmalig in einer Ausstellung thematisiert und umfassend dargestellt.

In der Schau werden Werke gezeigt, die in Berlin entstanden, die inhaltlich mit der Stadt verknüpft sind oder die in großen Ausstellungen in Berlin vertreten waren und die Kunstszene Berlins mitgeformt haben. Selbstbildnisse aus den unterschiedlichen Schaffensphasen geben Aufschluss über die künstlerischen Probleme und Fragen, mit denen der Künstler jeweils befasst war, und lassen Schlüsse auf seine Lebenssituation sowie sein Selbstverständnis als Künstler zu. Werke von Zeitgenossen Beckmanns, etwa aus dem Umfeld der Berliner Secession, der Neuen Secession oder der Neuen Sachlichkeit, beleuchten schlaglichtartig die lebendige und vielfältige Kunstszene Berlins von der Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahre. Neben Werken aus der eigenen Sammlung werden Leihgaben aus zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten sein.

Max Beckmann (1884–1950) lebte zwei Mal für längere Zeit in Berlin – vor dem Ersten Weltkrieg von 1904 bis 1914 und nach der Machtübernahme des nationalsozialistischen Regimes von 1933 bis 1937. Aber auch in den Jahren von 1915 bis 1933, als der Künstler seinen Lebensmittelpunkt nach Frankfurt am Main verlegt hatte, hielt er privat und beruflich engen Kontakt nach Berlin. Bereits im Herbst 1904 bezog der zwanzigjährige Beckmann nach dem Kunststudium hier ein erstes Atelier. Ausstellungen ab 1906 in der Berliner Secession brachten ihm neben Kontakten zu Künstlerkollegen auch die Anerkennung seines langjährigen Fürsprechers und Förderers Paul Cassirer.

Beckmanns Kunsthändler J. B. Neumann 1919 gab in Berlin Max Beckmanns Lithografienfolge "Die Hölle" heraus, einer der epochalen grafischen Zyklen der frühen Weimarer Jahre. Im Jahr 1922 folgte das Mappenwerk "Berliner Reise", das jüngst für die Sammlung der Berlinischen Galerie erworben werden konnte. Beide Zyklen sind bildnerische Kommentare der zeitgeschichtlichen Situation und weisen zahlreiche Bezüge zu Berlin auf.

Zu den Freunden und Förderern Beckmanns gehörten auch einflussreiche Berliner Kunstschriftsteller wie Curt Glaser, Wilhelm Hausenstein oder Julius Meier-Graefe. Nicht zuletzt gelangten durch ihren Einfluss ab 1926 sukzessive wichtige Werke in die Nationalgalerie, darunter Werke wie "Fastnacht Paris" aus dem Jahr 1930, das Wilhelm Hausenstein im selben Jahr als "eine der größten Leistungen der zeitgenössischen Kunst überhaupt" bezeichnete. Beckmanns Ziel war ein eigener Raum in der von Ludwig Justi eingerichteten Neuen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzenpalais. Der Raum wurde am 15. Februar 1933 mit Werken aus Eigenbesitz und Leihgaben eröffnet, aber bereits im Juli auf Anordnung des nationalsozialistischen Regimes wieder geschlossen.

Anfang des Jahres 1933 zog Beckmann mit seiner zweiten Frau, Mathilde, genannt Quappi, von Frankfurt am Main nach Berlin. Er wurde am 31. März zum 15. April 1933 aus der Städelschule aus seinem Amt entlassen. In Berlin entstanden in zunehmender Isolation bis zu seiner Emigration nach Amsterdam im Jahr 1937 unter anderem Berlinmotive, Porträts seiner Frau, etwa "Quappi mit Papagei", 1936, aber auch die ersten Triptychen und weitere "metaphysisch codierte" Werke wie "Der Leiermann", 1935, sowie erstmalig Skulpturen. Nach seiner Emigration nach Amsterdam am 17. Juli 1937 kehrte Beckmann nicht mehr in sein Geburtsland zurück.


Die Ausstellung begleitet ein umfassender Katalog, der in deutscher und englischer Sprache erscheint (280 S., 49 s/w- und 100 farbige Abbildungen, Kerber-Verlag, EUR 44,90 (Museumsausgabe: EUR 34,80). Er spiegelt den Stand der Forschung zu Max Beckmann und Berlin.

Max Beckmann und Berlin
20. November 2015 bis 15. Februar 2016

Quappi mit Papagei, 1936,. Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr; © VG BILD-KUNST Bonn, 2015
Doppelbildnis Max Beckmann und Minna Beckmann-Tube, 1909. Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum; © VG BILD-KUNST Bonn, 2015
Die Straße (Ausschnitt, Teil einer großformatigen Straßenszene, die Beckmann 1928 zerschnitten hat), 1914. Berlinische Galerie; © VG BILD-KUNST Bonn, 2015
Selbstbildnis, Florenz 1907. Hamburger Kunsthalle, Leihgabe aus einer Privatsammlung; © VG BILD-KUNST Bonn, 2015. Foto: Elke Walford