Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode

Mär 20, 2015 bis Okt 25, 2015

tn Die Ausstellung "Fast Fashion" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der glamourösen Mode. Sie bewegt sich im magischen Dreieck von Konsum, Ökonomie und Ökologie und beleuchtet diese Themenfelder unter den folgenden Aspekten: Fashion & Victims; Mangel & Überfluss; Global & lokal; Lohn & Gewinn; Kleidung & Chemie; Bekleidung & Ökologischer Rucksack.

Teil der Ausstellung ist das "Labor". Hier werden unter dem Stichwort Slow Fashion Möglichkeiten vorgestellt, wie neue Fasern und Technologien sowie neue Designansätze des Recyclings, Upcyclings oder Zero Waste. Das "Labor" zeigt auf, wie der ethisch vertretbarer Kleiderschrank von morgen aussehen könnte, und stellt auch die Frage: Welche Macht hat der Konsument.

"Fast Fashion" ist die erste Ausstellung, die sich umfassend, differenziert und kritisch mit dem Kreislaufsystem Bekleidung auseinandersetzt. Methodisch bringt sie erstmals die unterschiedlichsten Fachleute aus Theorie und Praxis zusammen, die sich mit den ökologischen, ökonomischen, ethischen, sozialen und gestalterischen Aspekten auseinandersetzen. Die Ausstellung bündelt die aktuellen Diskussionen zu diesem komplexen Thema und übersetzt sie in eine nachvollziehbare visuelle Ordnung.

Mode ist ein gesellschaftliches Regelungssystem ganz eigener Art und gilt als Schrittmacher des sozialen Wandels. Vor diesem Hintergrund möchte das MKG dazu anregen, sich engagierter mit den Themen Mode und Konsum und den sozioökonomischen und ökologischen Folgen auseinanderzusetzen. Sie liefert dazu aktuell recherchierte Informationen und Hintergründe, die in einer eigens für die Ausstellung entworfenen Szenografie präsentiert werden. Der Parcours führt die Besucher durch den ganzen Konsumprozess vom Laufsteg über Fotostudio zu Litfasssäule und Schaufenster bis zur Umkleidekabine.

Die Mode war schon immer eng mit dem modernen Kapitalismus verknüpft, gemäß der Devise: "Nur Verschwendung bringt Prestige". Inzwischen wird die Modewelt beherrscht von global agierenden Konzernen, die nach dem Prinzip der Fast Fashion operieren. Fast Fashion und Konsumgesellschaft beeinflussen sich gegenseitig: Einerseits bedienen die Bekleidungsunternehmen die Sehnsucht nach dem immer Neuen dadurch, dass sie in kürzester Zeit immer neue Kollektionen auf den Markt bringen. Als global agierende Unternehmen betreiben sie zudem eine Preispolitik, die es den Kunden ermöglicht, sich häufiger als tatsächlich notwendig mit neuer Kleidung einzudecken.

Neben dem Preis gilt die Macht der Marke, sie wird zum wichtigsten Unterscheidungsmerkmal für den Konsumenten. In keinem Bereich der Konsumgüterindustrie funktioniert das Prinzip "neue Bedürfnisse schaffen" so gut wie in der Modebranche. Die Bekleidungsindustrie ist einer der wichtigsten globalen Wirtschaftsfaktoren: denn Kleidung benötigt jeder Mensch. Ein Großteil der Bekleidung für den amerikanischen und europäischen Markt wird in Billiglohnländern wie China, Indien, Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha kostengünstig produziert.

Als Pionierindustrie hilft die Textilindustrie, weltweit Arbeitsplätze zu schaffen, und damit die Sicherung und Steigerung der Lebenssituation der Menschen in Entwicklungsländern voranzutreiben. Andererseits herrschen an den Produktionsstandorten oft inhumane Arbeitsbedingungen. Sicherheitsstandards werden oft nicht eingehalten und die Löhne liegen in der Regel unterhalb des Existenzminimums. Neue Arbeitsplätze und Ausbeutung der Arbeiter sind die beiden Seiten derselben Medaille.

Die Herstellung von Bekleidung geht mit einem enormen Ressourcenverbrauch und einer nicht zu unterschätzenden Umweltbelastung einher. Bei der Rohstoffgewinnung, auf dem Transport, in der Gebrauchsphase und bei der Entsorgung werden viel Wasser und thermische Energie benötigt. Beim Baumwollanbau kommen Pestizide zum Einsatz und im weiteren Verlauf der textilen Kette werden im Produktions- und Verarbeitungsprozess etwa die 7.000 unterschiedliche Chemikalien eingesetzt, um die Kleidung mit bestimmten ästhetischen oder funktionalen Eigenschaften (von sandgestrahlter Jeans bis Outdoor- oder Wellnesskleidung) zu "veredeln".


Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode
20. März bis 25. Oktober 2015

Taslima Akhter (*1974): Protest against Rana Plaza Collapse. Relatives of Rana Plaza's workers are demanding justice. Savar, Dhaka, Bangladesh, 24th October 2013; © Taslima Akhter
Taslima Akhter (*1974): Rana Plaza a nine-story commercial building at Savar, Dhaka collapsed on 24th April 2013. More than 1134 garment workers died and several hundreds are missing in the collapse. Savar, Dhaka, Bangladesh. 25th April 2013; © Taslima A
Taslima Akhter (*1974): Rojina (25) lost her hand under the rubble. To save her own self Rojina first started cutting her hand. Rojina and her sister Morjina both were worker . Morjina is missing and Rojina is alive. Savar, Dhaka, Bangladesh.14th June 201
Tim Mitchell: Women cut up jumpers, jackets and coats using traditional vegetable cutters. Garment labels advertising expensive brand names and global origins are discarded as worthless information, 2005. Photograph by Tim Mitchell | www.timmitchell.co.uk
Taslima Akhter (*1974): 11 member of a garment worker’s family share the same room to survive. Mirpur, Dhaka, Bangladesh, 11 June, 2009; © Taslima Akhter
Tim Mitchell: Other factories house heavy old power looms used for weaving shoddy blankets. Shoddy weaving expanded rapidly in the 1980s, using machinery imported from Italy and Poland, 2005. Photograph by Tim Mitchell | www.timmitchell.co.uk