Kunsthalle Krems

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Axel Hütte. Imperial – Majestic – Magical

Mär 11, 2018 bis Jun 10, 2018

tn Die Kunsthalle Krems zeigt im Frühjahr 2018 die erste umfassende Ausstellung von Axel Hüttes fotografischem Werk in Österreich. Hütte, der 1951 in Essen geboren wurde und heute in Düsseldorf lebt und arbeitet, zählt zu den führenden Protagonist/innen der aktuellen Landschaftsfotografie; er hat wesentlich zum Selbstbewusstsein der Fotografie in der bildenden Kunst ab den späten 1970er-Jahren beigetragen. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen der Düsseldorfer Becher-Schule wie Candida Höfer, Andreas Gursky oder Thomas Struth steht Hütte für den Tableaucharakter des Fotos als gleichwertiges Gegenstück zum Gemälde.

Axel Hüttes künstlerisches Werk setzt in den späten 1970er-Jahren mit einer starken Versachlichung der Realität von Porträts und urbanen Innen- und Außenräumen ein. Im Laufe der frühen 1990er-Jahre vergrößert der Künstler das Bildformat deutlich und die Landschaft wird das bestimmende Thema. Im Unterschied zu den frühen dokumentarischen Arbeiten haben die neueren, großformatigen Werke eine eher imaginative und halluzinatorische Dimension.

In der Ausstellung in der Kunsthalle Krems wird vor allem ein Dialog zwischen älteren Zyklen und neueren Werkblöcken mit gleichen Themenbereichen präsentiert. Porträtserien in sachlicher Frontalität treffen auf flirrende Figurenbilder mit Landschaftscharakter, Bergbilder der 1990er-Jahre auf jüngere alpine Fotografien, venezianische Stadtansichten auf aktuelle Bilder der Lagunenstadt. Eigens für die Kunsthalle Krems entstand ein Zyklus imperialer Bauten und Räume, die in österreichischen Palais, Schlössern und Stiften – Melk, Altenburg, St. Florian, Belvedere – aufgenommen wurden. Ergänzt wird die Schau mit den bis dato weitgehend unbekannten Videoarbeiten des Künstlers.

Axel Hütte war einer der ersten Student/innen der bekannten Becher-Klasse an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Bernd Becher ab 1976 als Fotografie-Professor in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Hilla Becher zwanzig Jahre lang unterrichtete. Das deutsche Künstler- und Fotografenpaar Bernd Becher (1931–2007) und Hilla Becher (1934–2015) erlangte durch nüchterne Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Industriegebäuden wie Silos, Fördertürme oder Fachwerkhäuser internationale Bekanntheit. Bezeichnend für das fotografisches Werk der Bechers sind die Strenge und Sachlichkeit, die systematische Herangehensweise sowie die frontale Perspektive auf das Motiv. Mit ihrem Werk, das im Kontext der Neuen Sachlichkeit, Minimal Art und Konzeptkunst steht, leisteten sie einen maßgebenden Beitrag zur Wahrnehmung der Fotografie als eigenständiges künstlerisches Medium. Die Künstler/innen, die aus der Becher-Schule hervorgingen, prägten international die Fotografie, darunter mit Axel Hütte auch Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth.

Die Düsseldorfer Szene des Ratinger Hofes, eines Treffs der Undergroundkultur, versammelt sich vor Axel Hüttes Kameralinse – darunter auch Künstler/innen wie Albert Oehlen, Katharina Fritsch, Walter Dahn und Axel Hütte selbst. Die Strenge und Härte dieser frühen Porträts von Ende der 1970er-Jahre entspricht noch dem Tenor der Becher-Schule. Spannend an der farbigen Porträtserie ist der Vergleich mit Thomas Ruffs ebenso frontal ausgerichteten Porträts von Mitte der 1980er-Jahre, wenngleich diese im monumentalen Tableauformat ausgearbeitet sind. Von Mitte der 1980er-Jahre bis Mitte der 1990er-Jahre stellt auch Hütte weitaus größere Künstlerporträts in Schwarz-Weiß her, vor allem von us-amerikanischen Künstlern wie Jeff Koons, Ross Bleckner oder Christopher Wool.

Etwa aus der gleichen Zeit wie die Ratinger-Hof-Porträts datieren Bilder von Hausfluren, Tankstellen, Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen, alle einer dokumentarischen Sachlichkeit verpflichtet. Wie später die Landschaftsbilder ab den frühen 1990er-Jahren zeigen sich die Hausflure als geometrische Flächenkonstruktionen, die von Licht erhellt werden, verlassen, menschenleer. Diese Menschenleere kennzeichnet auch die Bahnsteige der Berliner U-Bahn-Stationen, die Hütte von 1978 bis 1987 und dann nach der Wende von 1990 bis 1992 fotografierte. Die U-Bahn-Fotografien hat der Künstler als Triptychon angelegt. Die Fotografie wird zum Objekt mit konzeptuellem Charakter, einem Ding, einem Tableau an der Wand.

Furkablick, Schweiz 1994 eröffnet mit anderen fotografischen Bildern alpiner Regionen die Einzelausstellung von Axel Hütte in der Kunsthalle Krems. Das gleichnamige Passhotel definiert die vertikale, der Rand des Parkplatzes die horizontale Achse eines rechten Winkels, der die in eine Nebelsuppe getauchte Landschaft überlagert und einfasst. Dadurch entsteht eine streng flächenbezogene formale Komposition, die ab den frühen 1990er-Jahren in Hüttes Landschaftsbildern zur oft bestimmenden Bildgestaltung wurde.

Jegliche Narration ist ausgespart. Die Landschaft verharrt in dunstiger Unschärfe. Anstelle des illusionistischen Blickes in den Tiefenraum dominiert die Fläche. Die Zentralperspektive wechselt in ein dezentrales Entlanggleiten des Blickes an der Bildfläche, vergleichbar mit der Rezeption abstrakter Malerei. Hüttes Bilder stehen in direktem Zusammenhang mit den Referenten Natur und äußere Wirklichkeit und kippen dann in eine abstrakte Bildstruktur. Axel Hütte hat die Schauplätze seiner Fotografien alle besucht, die Welt vermessen: Gletscher in Grönland, Tropen in Brasilien, Wüsten in Afrika. Das Licht markiert den Film der Großbildkamera, die vor Ort postiert wird, um einen bestimmten Ausschnitt der Realität in einer bestimmten Belichtungszeit einzufangen. Dennoch geht es Hütte nicht um das rein Dokumentarische wie etwa bei der Reisefotografie, sondern um eine autonome Bildwerdung mit Mitteln der Fotografie.

Eigens für die Kremser Ausstellung hat Axel Hütte einen neuen Werkblock geschaffen – imperiale Innenräume von Stiften, Klöstern und Palästen der Habsburgermonarchie in Österreich. Der Künstler hat die weitere Umgebung der Wachau erkundet. Die fotografischen Ansichten von Stift St. Florian, Stift Melk oder dem Winterpalais des Wiener Belvedere sind opulente Impressionen in sachlicher Strenge. Zumeist ist eine symmetrische Bildstruktur bestimmend. Mit dem Schauplatz Venedig fand Hütte 2012/13 zu prachtvollen Innenräumen von Palazzi und Kirchen. Ebenso wie die österreichischen Beispiele sind die Bilder von einem strengen orthogonalen Raster bestimmt. In beiden Werken spielt das Licht die zentrale Rolle, das dem Raum seine Strahlkraft bringt.

Der Künstler setzt anstelle von Fotopapier Glasplatten als fotografische Bildträger ein, sodass der räumliche Charakter sich je nach Blickpunkt ändert: einmal ganz plastisch, einmal stark auf die Fläche bezogen. Ebenso verwendet Hütte manchmal Metallplatten, auf deren Oberfläche die fotografischen Abbildungen appliziert werden. Sie erinnern an Daguerreotypien – eine frühe Technik der Fotografie. Sie sind wie Spiegel mit Gedächtnis, so als hätte sich das Motiv in sie eingebrannt.
Magische Wasserspiegelungen

Im Laufe der 1990er-Jahre weicht das dokumentarische Bild einem vermehrt imaginativen Tableau. Zwischen den sachlichen Porträts um 1980 und den "Portraits" mit Wasserspiegelungen in den 2000er-Jahren vollzieht sich ein radikaler Wandel. Oberflächeneffekte der Unschärfe erinnern an Gerhard Richters mit der Rakel ausgeführte „Abstrakte Bilder“. Das Auge kann die faktische räumliche Verortung nicht fixieren, die flirrende Oberfläche mutiert zu einer Fata Morgana, einem halluzinatorischen Vexierbild, das ständig zwischen Tiefe und Fläche changiert. Die cinemascopeartigen Wasserspiegelungen sind Sumpfgebiete mit verzerrten Statthalterfiguren, die uns ins Bild geleiten, aber im selben Moment entschwinden – diffuse Erscheinungen, Farbflecken von Gewand und menschlicher Figur. Dieses Landschaftsbild ist kein topografischer Tatsachenbericht, sondern ein Möglichkeitsraum, ein Zerrspiegel von Phantasma und Imagination, der surrealen Wirklichkeit angenähert. In der Serie der "Portraits" mit Wasserspiegelungen sind meist keine Ortsangaben im Titel angeführt, ganz im Unterschied zu den anderen Arbeiten des Künstlers. So wird der Grad an Imagination und Abstraktion für die Betrachterin, den Betrachter gesteigert.


Katalog: Zur Ausstellung erscheint der Katalog "Axel Hütte. Imperial – Majestic – Magical" mit einem Text von Florian Steininger und 47 Abbildungen in Farbe im Verlag der Buchhandlung Walther König. Erscheinungsjahr: 2018, Format: 295 x 280 mm, Hardcover mit Schutzumschlag; Deutsch / Englisch, 84 Seiten, EUR 24.-

Axel Hütte Imperial – Majestic – Magical
11. März bis 10. Juni 2018

Hotel Sacher, Wien; © Foto: Axel Hütte, 2017
Stift Admont, Bibliothek; © Foto: Axel Hütte, 2017
Stift Altenburg, Bibliothek; © Foto: Axel Hütte, 2017
Belvedere; © Foto: Axel Hütte, 2015
Stift Melk Kirche; © Foto: Axel Hütte, 2017
Seitenstetten, Bibliothek; © Foto: Axel Hütte, 2017
Axel Hütte, 1978-81; © Foto: Axel Hütte