Kunsthaus Bregenz

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Mika Rottenberg im Kunsthaus Bregenz

Apr 21, 2018 bis Jul 1, 2018

tn Die in Argentinien geborene und in Israel aufgewachsene Künstlerin Mika Rottenberg beschäftigt sich mit den Kreisläufen der Produktion und der Zirkulation von Waren. Bereits 2007 wurde sie vom New York Magazine in die Liste der young masters aufgenommen. Seitdem war sie bei allen wichtigen Ausstellungen weltweit vertreten. Spätestens seit ihrem viel beachteten Beitrag "Cosmic Generator" für die Skulptur Projekte 2017 in Münster ist Rottenberg auch einem breiteren Kunstpublikum bekannt.

Ihre Kunst ist weder distanzierte Kritik noch präzise politische Dokumentation. Eher betreibt sie eine Gegenwartsanalyse in verzerrender, karikativer Übertreibung. Rottenberg entführt in beklemmende Räume. Den Kern ihrer aus Karton oder Fundstücken gebauten Installationen bildet jeweils ein Video, das bestimmte Produktionsabläufe zeigt, wie zum Beispiel das Auslesen von Perlen aus Muschelschalen. Mika Rottenbergs Kunst erzählt von skurrilen Begebenheiten mit ernstem Hintergrund. Sie macht auf die Grundlagen von Arbeit aufmerksam. Zugleich zwingt sie den Betrachter in die Situation eines Voyeurs, der sich in enge Korridore begibt, um inszenierten Arbeitsabläufen zu-zusehen. Ihre surrealen Szenografien zeigen die absurde Anhäufung von Waren und die Sinnlosigkeit eines globalen Vertriebs. Viele ihrer Installationen sind durchaus komisch und voller erotischer Ingredienzen.

Meistens sind es Frauen, die Waren in eintöniger Fließbandarbeit verarbeiten. Die Darsteller/innen, die kaum gewöhnlichen Schönheitsidealen entsprechen, werden zu surrealen Figuren mit übernatürlichen Kräften. Auch physisch sind sie auffällig. Sie sind muskulös oder fettleibig, hochgewachsen oder langnasig, sie schwitzen oder niesen. Zugleich Werkzeug und Rohstoff, reichern ihre Körper die Dinge der Herstellung an, veredeln oder verändern sie. Rottenberg stellt die kapitalistische Welt und ihre industrielle Produktion humorvoll und zugleich in bissiger Übertreibung dar.

In dem Video "NoNoseKnows" sind zwei Fertigungsebenen miteinander verschnitten. Chinesische Frauen in Anoraks sitzen an einem langen Tisch, um Sandkörner in Muscheln zu setzen. Mit wenigen Handgriffen öffnen sie anschließend die Muscheln, um die kostbaren Perlen herauszulösen. In einer zweiten vertikalen Darstellungsebene sitzt eine Frau mit struppig blondiertem Haar und einer langen Nase, ein handbetriebener Seilzug verbindet sie mit der Ebene der arbeitenden Frauen. Spätestens hier kippt das Bild ins Absurde: Die Frau muss zum Niesen gebracht werden, vielleicht damit Fertiggerichte für die Kantine der Arbeiterinnen hergestellt werden können. Sand erzeugt Perlen, Niesen Nudeln. Reale und surreale Arbeit sind aneinandergekoppelt, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres.

Für ihre Videos entwirft Rottenberg Räume, durch die sich die Besucher/innen scheinbar zwängen müssen, sie finden sich in Werkstätten, Wettstudios, düsteren Kammern oder Tunnels mit Drehtüren versetzt. So auch im KUB, wo verdunkelte Schleusen durchwandert werden müssen. Der Weg durch die Korridore ist wie ein Gang durch das organische Innere oder fast so, als durchliefe der eigene Körper den Prozess bis zur Verpackung und anschließender Verwertung. Wir alle sind Ware. Der Kapitalismus kennt keine Grenzen.

Mika Rottenberg wurde 1976 in Buenos Aires geboren. Sie lebt und arbeitet in New York. Ihre Filminstallationen untersuchen die Verführungskraft und Magie unserer hyperkapitalistischen, weltweit vernetzten Realität und deren Hoffnungslosigkeit. Die Künstlerin verwebt dokumentarische Elemente mit Fiktion und erschafft komplexe Allegorien für die Lebensbedingungen, die unsere globalen Systeme prägen.

Das Werk der Künstlerin wurde in den letzten Jahren in einer Reihe von Einzelausstellungen präsentiert: Magasin III, Stockholm (2013), Israel Museum, Jerusalem (2013), Palais de Tokyo, Paris (2016). Eine weitere Einzelausstellung findet zur Zeit im Bass Museum of Art, Miami Beach (12/2017–04/2018) statt. Rottenbergs Werk war zudem 2008 auf der Whitney Bienniale, New York, zu sehen. 2011 entwickelte sie mit dem Künstler Jon Kessler den Performance- und Installationszyklus Seven für die Performa 11 in New York. 2015 wurde ihr Werk NoNoseKnows auf der 56. Biennale in Venedig im Rahmen von All the World’s Futures gezeigt. Rottenbergs neuester Film, Cosmic Generator, war Teil der Skulptur Projekte 2017 in Münster.


Mika Rottenberg
21. April bis 1. Juli 2018

Ausstellungsansicht EG, Kunsthaus Bregenz; Foto: Markus Tretter. Courtesy of Mika Rottenberg; © Mika Rottenberg, Kunsthaus Bregenz
Ausstellungsansicht 1. OG Kunsthaus Bregenz; Foto: Markus Tretter. Courtesy of Mika Rottenberg; © Mika Rottenberg, Kunsthaus Bregenz
Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz; Foto: Markus Tretter. Courtesy of Mika Rottenberg; © Mika Rottenberg, Kunsthaus Bregenz
Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz; Foto: Markus Tretter. Courtesy of Mika Rottenberg; © Mika Rottenberg, Kunsthaus Bregenz
Portrait Mika Rottenberg. Foto: Miro Kuzmanovic; © Kunsthaus Bregenz