Münchner Stadtmuseum

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weitere Ausstellungen

No secrets! – Bilder der Überwachung

Mär 24, 2017 bis Jul 16, 2017

tn Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist deutlich geworden, in welchem Ausmaß Netzwerke und Datenströme die Ziele von Überwachung und Kontrolle sind. Aber nicht nur Geheimdienste generieren Daten aus der Nutzung von Medientechnologien; auch im "Internet der Dinge" und in den Fantasien von "Big Data" werden mediale Vorgänge, Ereignisse und Kommunikationen einer automatisierter Auswertung unterzogen, die Schlüsse aus dem Verhalten des Menschen zieht.

In einem historischen Rückblick thematisiert die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum zunächst verwandte Phänomene staatlicher wie privater Raumerfassung und Personenkontrolle. So bedeutete die Einführung der öffentlichen Straßenbeleuchtung zwar einen Gewinn an Sicherheit, war zugleich aber auch ein Instrument der Macht. Die Standardisierung der Verbrecherfotografie durch Alphonse Bertillon in den 1880er-Jahren und die Erfassung von Fingerabdrücken ab 1900 erleichterten den Polizeibehörden die Identitätsfeststellung. Diese Verfahren finden gegenwärtig in der Videoüberwachung ihre Aktualisierung.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts Fotografen wie Nadar oder James Wallace Black Heißluftballons bestiegen, waren ihre Luftbilder noch eine ganz neue, schwindelerregende Erfahrung. Mittlerweile sind Aufnahmen von Satelliten und Drohnenkameras längst schon zum Inbegriff einer allwissenden Überwachungsästhetik mutiert.

Der Hauptteil der Ausstellung präsentiert zeitgenössische Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Video, Malerei, Plakat und Installation. Einige dieser Werke verweisen ihrerseits wiederum auf Phänomene historischer Überwachungspraxis wie etwa das Video "Panopticon" von Hyojoo Jang. Ihre Arbeit nimmt Bezug auf Jeremy Benthams aus dem 18. Jahrhundert stammenden Entwurf eines kreisrunden Gefängnisbaus, in dem die Insassen potenziell beständig unter Bewachung standen, ohne zu wissen, ob und wann sie beobachtet würden. Benthams Idee sollte später zum Synonym für das Arsenal an Überwachungskulturen und -praktiken werden.

Viele Arbeiten aus dem Umfeld der sogenannten "counter-surveillance" wollen die Widersprüche und Funktionsmechanismen der Kontrollkultur aufdecken. Max Eicke macht zu diesem Zweck Überwachungsanlagen der US-Amerikaner in Deutschland sichtbar, Paolo Cirio schaut sich in den privaten Social-Media-Profilen hochrangiger Geheimdienstler um und macht diese Aufnahmen öffentlich. Philipp Messner widmet sich dem Ausmaß automatischer Gesichtserkennung und stellt sein eigenes Gesicht als Maske aus dem 3D-Drucker zur allgemeinen Verfügung.

Jens Klein stellt serielle Bildfolgen zusammen, die er in der Stasi-Unterlagenbehörde gesichtet hat. Entkleidet von ihrem ursprünglichen Kontext offenbaren die Fotos auf den ersten Blick die komisch-triviale Qualität der Überwachung. Mittels ganz unterschiedlichen Taktiken versuchen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die heutigen Praktiken der Überwachung zu torpedieren, zu reflektieren oder zumindest sichtbar zu machen.

Künstler*innen: Sebastian Arlt, Paolo Cirio, Max Eicke, Florian Freier, Michael Grudziecki, Hyojoo Jang, Gretta Louw, Jens Masmann, Philipp Messner, Thomas Meyer, Jenny Rova, Timm Ulrichs, Franz Wanner und andere.


No secrets! – Bilder der Überwachung
24. März bis 16. Juli 2017
Eröffnung: Do 23. März 17, 19 Uhr

Sebastian Arlt: Porträt der Schauspielerin Sibylle Canonica, 2015; © Sebastian Arlt
Michael Grudziecki: Sea Forts 43, 2016; © Michael Grudziecki
Nadar élevant la Photographie à la hauteur de l‘Art. Karikatur nach einer Lithographie von Honoré Daumier, 1862; © Münchner Stadtmuseum
Anonym, Andachtsbild Auge Gottes, um 1850; © Münchner Stadtmuseum
Paolo Cirio: James R. Clapper (nationaler Geheimdienstdirektor der USA), 2015; © Paolo Cirio