Kunsthalle Bremen

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Enlight my Space. Kunst nach 1990

Jul 4, 2015 bis Okt 11, 2015

tn Die Gruppenausstellung "Enlight my Space. Kunst nach 1990" präsentiert vom 4. Juli bis 11. Oktober 2015 Höhepunkte der zeitgenössischen Kunst aus den Sammlungen der Kunsthalle Bremen und der Bremer Landesbank. Darunter befinden sich Arbeiten von Peter Doig, Olafur Eliasson, Isa Genzken, Katharina Grosse und Pipilotti Rist. Erstmals treten insgesamt etwa 100 Kunstwerke aus beiden Sammlungen in einen inspirierenden Dialog und ergänzen sich zu einem eindrucksvollen Überblick über die Kunstproduktion von 1990 bis heute.

Anhand ausgewählter Positionen untersucht die Ausstellung zentrale Themen und Verfahren der deutschen und internationalen Kunstproduktion der vergangenen 25 Jahre – eine Zeit der politischen Umbrüche, gesellschaftlichen Veränderungen und Schwerpunktverschiebungen in der Kunst. Präsentiert werden rund 100 Exponate, darunter zwei große Rauminstallationen, etwa 25 Gemälde, 30 Fotografien, 30 Papierarbeiten sowie 15 Objekte und Videoinstallationen – die Kunstwerke stammen zur Hälfte jeweils aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen und der Bremer Landesbank.

Titelgebend für die Ausstellung ist das Werk "Enlight My Space (Erleuchte (und kläre) meinen Raum)" (2008) der Schweizer Video- und Installationskünstlerin Pipilotti Rist, das der Sammlung der Kunsthalle Bremen als Geschenk des Förderkreises für Gegenwartskunst und der Bremer Landesbank übergeben wurde. Das erstmals ausgestellte Objekt – bestehend aus einem herkömmlichen Regalbrett mit alltäglichen Gegenständen sowie einer winzigen integrierten Videoprojektion – scheint eher einem privaten, als einem musealen Kontext zugehörig. In der intimen Arbeit mit dem assoziationsreichen Titel meditiert Rist über die Frage, wie alle äußeren Einflüsse das Innere, den Gedanken- und Lebensraum eines Menschen klären, erleuchten und damit nachhaltig verändern können. Der Aspekt der Durchdringung und unmittelbaren Einbeziehung des Betrachters durch die Kunst spielt in den ausgewählten Exponaten auf je unterschiedliche Weise eine entscheidende Rolle und zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung.

Anfangs- beziehungsweise Endpunkte der Schau bilden die Rauminstallationen von Ilya Kabakov und Olafur Eliasson aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen, die erstmals wieder präsentiert werden können. Kabakov reflektiert in "Metaphysischer Mensch" von 1989 Fragen nach den Bedingungen, Ansprüchen und der Rezeption von Kunst in der in Ost und West geteilten Gesellschaft und bezieht den Betrachter unmittelbar in seine von ihm so bezeichnete "totale Installation" mit ein. Eliassons spektakulärer mit gelbem Licht angefüllter Farbraum lässt das Licht und die Wahrnehmung des Betrachters zu den Hauptakteuren seiner Kunst werden – im internationalen Jahr des Lichts 2015 ist sein "Raum für eine Farbe" von 1998 eine hochaktuelle Auseinandersetzung mit den Materialien der Kunst und ihrer Wirkung auf den Betrachter.

Weitere Höhepunkte bilden Positionen von Katharina Sieverding bis Marcel Odenbach, die mit direktem Aktualitätsbezug die politisch-gesellschaftliche Situation im Deutschland der Wendezeit thematisieren sowie von Isa Genzken, die in ihren fragil und zugleich massiv wirkenden Betonskulpturen Stimmungen zwischen Aufbruch und Niedergang einfängt. Neoexpressionistische Malerei etwa vom Leipziger Maler Hartwig Ebersbach tritt in einen Dialog mit einer 2014 entstandenen, monumentalen Kohlezeichnungen des amerikanischen Künstlers Robert Longo, in der er die Action Painting von Jackson Pollock rezipiert. Antony Gormleys wie aus einer Nebelwolke hervorkommende Stahlfiguren finden in der figurativ-abstrakten Malerei von Jörg Herold einen Gegenpart.

Kühl formalistische Tendenzen der Kunst wie die Farbgeometrien von Imi Knoebel bis Sarah Morris stehen der Kunst von Katharina Grosse gegenüber, die den Herstellungsprozess ihrer Malerei in den Vordergrund rückt, sowie mit den romantisch-traumhaften und zugleich alltäglichen Landschaften von Peter Doig. Die in extremen Langzeitaufnahmen entstandenen Fotografien von Hiroshi Sugimoto werden Arbeiten von unter anderem Adrian Schiess, Michael Wesely und Thomas Ruff gegenüberstehen, der japanische Manga-Comics zu poppig bunten Farbverläufen manipuliert. Ausgewählte Videoarbeiten aus den Jahren nach 1990 werden die Ausstellung begleiten, darunter sind Videos, die von 2008 bis 2011 in der Art Box-Reihe der Bremer Landesbank zu sehen waren sowie aktuelle Arbeiten von Studierenden der Videokunst an der Hochschule der Künste Bremen.


Enlight my Space. Kunst nach 1990
4. Juli bis 11. Oktober 2015

François Morellet: Relâche Nr. 3, 1992. Neoninstallation; Sammlung Bremer Landesbank. © VG Bild-Kunst, Bonn / Foto: Joachim Fliegner
Sarah Morris: Big Ben, 2012. Glanzlack auf Leinwand, 271 x 214 cm; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © Sarah Morris. Courtesy Friedrich Petzel Gallery, New York
Pipilotti Rist: Enlight my Space (Erleuchte (und kläre) meinen Raum), 2008. Bücherregal mit integrierter Videoprojektion, 40 x 130 x 35 cm; Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen. Courtesy the artist, Hauser & Wirth and Luhring Augustine / Foto:
Peter Doig: Paragon, 2006. Serigrafie in FM-Raster auf 2-Offset-W, gesiebdruckt nach Original, Aussenform gestanzt, 92 x 119,7 cm; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Foto: Karen Blindow
Olafur Eliasson: Room for one colour and windy corner, 1998. Installation; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen / Foto: Jürgen Nogai