Vitra Design Museum

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Monobloc – Ein Stuhl für die Welt

Mär 17, 2017 bis Jun 18, 2017

tn Er ist das am weitesten verbreitete Möbel der Welt: der weiße Kunststoffstuhl. Als Inbegriff der Massenware ist er überall dort zu finden, wo eine billige Sitzgelegenheit gebraucht wird. Diesem Stuhl widmet sich "Monobloc – ein Stuhl für die Welt" vom 17. März bis 18. Juni 2017. Die dritte Wechselausstellung im Vitra Schaudepot erzählt die Geschichte des kaum erforschten Alltagsobjekts. Sie zeigt Vorläufer, Variationen und Neuinterpretationen und geht der Kulturgeschichte eines Objekts nach, das unsere Welt prägt.

Die Grundidee des so genannten "Monobloc"-Stuhls geht zurück auf die alte Vision vieler Designer, einen Stuhl aus einem einzigen Stück Material herzustellen. Ab den 1920er Jahren wurde – zunächst durch Verformung von Metallblechen oder Schichtholz – mit dieser Idee experimentiert. Ab den 1950er Jahren machten neue Kunststofftechnologien es möglich, Stühle in Guss- oder Pressverfahren in einem einzigen Produktionsschritt zu fertigen. Daher stammt auch der Beiname "Monobloc", der sich auf diese simple Herstellungsweise und das einfache Aussehen der so entstandenen Möbel bezieht. Zu den ersten serienreifen Stühlen, die so produziert wurden, zählen der "Panton Chair" des dänischen Designers Verner Panton (1958-68), der "Bofinger-Stuhl" des deutschen Architekten Helmut Bätzner (1964-68) und der Stuhl "Selene" des italienischen Designers Vico Magistretti (1961-68).

Auf Basis dieser Vorläufermodelle entwarf der französische Ingenieur Henry Massonnet 1972 den "Fauteuil 300", der als Urtyp des erschwinglichen Kunstoffstuhls gilt. Dabei konnte Massonnet den Produktionsprozess so weit rationalisieren, dass ein Fertigungszyklus weniger als zwei Minuten dauerte. Ab den 1980er Jahren brachten immer mehr Unternehmen ähnliche Modelle auf den Markt.

Mit seiner weltweiten Verbreitung manifestiert sich am Monobloc die Ambivalenz der Konsumgesellschaft. Der Plastikstuhl ist Inbegriff eines erschwinglichen und damit demokratischen Möbels. Er gilt zugleich als wenig nachhaltig und steht für einen globalen Massenkonsum uniformierter Produkte. Viele zeitgenössische Designer haben Neuinterpretationen des Monobloc geschaffen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Besonders prominente Beispiele sind "Café Chair" von Fernando und Humberto Campana (2006), "Respect Cheap Furniture" von Martí Guixé (2009) oder das eigens für die Ausstellung gefertigte Objekt "Monothrone" von Martino Gamper (2017).

Die Ausstellung zeigt anhand von 20 Objekten einerseits die technische Entwicklung des Vollkunststoff-Stuhls, andererseits die kulturspezifischen Konnotationen des Möbels. Der gleiche Monobloc, der in manchen Ländern mit Billigkonsum und Wegwerfware assoziiert wird, gilt in anderen Ländern als Wertgegenstand und wird repariert. Ergänzt wird die Ausstellung durch Hintergrundinformationen und Bilder, die den Stuhl in den unterschiedlichsten Kontexten zeigen – bei der Gartenparty oder im politischen Krisengebiet. Der Monobloc steht für eine pluralistische Designgeschichte abseits kanonisierter Klassiker. Gerade seine Widersprüche machen ihn zu einem Symbol für die Komplexität der materiellen Kultur unserer Zeit.


Monobloc – Ein Stuhl für die Welt
17. März bis 18. Juni 2017