Kestnergesellschaft Hannover

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weitere Ausstellungen

Tobias Madison. Das Blut, im Fruchtfleisch gerinnend beim Birnenbiss

Feb 6, 2016 bis Apr 24, 2016

tn Die künstlerische Praxis Tobias Madisons entzieht sich einfachen Kategorisierungen, im Zentrum steht jedoch die grundlegende Frage nach Selbstbestimmung und Autonomie, nach den Freiräumen der Kunst, des Einzelnen und der Institutionen heute. Eigens für die Ausstellung hat Tobias Madison ein Konzept entwickelt, das die gesamte Ausstellungsfläche der Kestnergesellschaft umspannt und in dessen Zentrum die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kindern und Erwachsenen im Kontext unterschiedlicher gesellschaftlicher Vorstellungen des "Kinds" und pädagogischer Ansätze steht.

Madison vertritt einen erweiterten Begriff künstlerischer Arbeit und bewegt sich in verschiedenen Sparten der Kunst – in Video und Film, Fotografie, Objektkunst, Performance und Theater. Seine künstlerische Praxis zeichnet sich durch einen Hang zur Kollaboration aus; oft tritt er auch als Kurator, Verleger, Cineast oder Autor auf. Ausgangspunkt seiner Werke ist neben der Frage nach den Freiräumen von Kunst und Kunstinstitutionen auch die Beschäftigung mit der omnipräsenten Ökonomisierung moderner Lebensbereiche. In der Verstrickung von Charakteristika öffentlicher Institutionen, kommerzieller Galerien, Kinos oder Off-Space hinterfragt Madison die Funktionsweise dieser Orte, um eine Auseinandersetzung mit ihren Rollen innerhalb der Gesellschaft zu provozieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein von Tobias Madison in Zusammenarbeit mit Marin Eze und Kindern der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte Hannover-Hainholz erarbeiteter Film. Ausgehend von Schuji Terayamas japanischen Experimentalfilm "Emperor Tomato Ketchup" (1971), der die Revolution der Kinder über die Erwachsenen in einer postapokalyptischen Gesellschaft zeigt, nutzt Madison die Ausstellungsräume der Kestnergesellschaft, um gemeinsam mit den Kindern eine Revision des historischen Films zu erarbeiten. Während jedoch der Originalfilm als politische Kritik an den historischen, linken Gruppierungen Japans zu sehen ist, versteht Madison seine Revision, die auf Elemente klassischer Märchen verweist, vielmehr als eine Kritik an "Emperor Tomato Ketchup" selbst.

Im Gegensatz zu Terayamas Arbeit, in der die Kinder zur Projektionsfläche erwachsener Vorstellungen und Ideologien werden, entsteht die eigentliche Inszenierung in Madisons Projekt erst in Kooperation mit den Kindern. Madison, der bereits für frühere Arbeiten, beispielsweise für Carnegie International 2013, mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet hat, gibt im Vorfeld lediglich das Script und die Filmmusik, die von Stefan Tcherepnin erstellt wird, vor. Das neu entstehende Video wird so zu einer experimentellen Befragung von Autorschaft und Handlungsspielräumen, zu einer Diskussion über das Diktat des Künstlers sowie die möglichen Freiräume der Kinder und der Kunst.

Mit seinen Werken sucht Tobias Madison im Spannungsverhältnis von Kunst und Institution nach neuen Wegen der Dialektik von individuellem, kindlichem Handeln und dem Kind als Projektionsfläche normativer erwachsener Vorstellungen zu begegnen – und stellt damit die fundamentale Frage nach individueller Selbstbestimmung in der modernen Gesellschaft.

Tobias Madison (*1985 in Basel, lebt in Zürich und Los Angeles) hat 2011 sein Studium an der Zurich University of the Arts (ZHdK) abgeschlossen und bereits während seines Studiums an namhaften internationalen Kunsthäusern ausgestellt. So zum Beispiel in der Kunsthalle Basel (Basel, 2007, 2010), The Modern Institute Glasgow (Glasgow, 2013, 2014), Kunsthalle Zürich (Zürich, 2013), Fridericianum (Kassel, 2013), Carnegie Museum of Art (Pittsburgh, 2013), Arnolfini (Bristol, 2013).


Tobias Madison. Das Blut, im Fruchtfleisch gerinnend beim Birnenbiss
6. Februar bis 24. April 2016

Tobias Madison; Courtesy der Künstler. Foto: Mathilde Agius
Tobias Madison; Courtesy der Künstler. Foto: Mathilde Agius
Tobias Madison; Courtesy der Künstler. Foto: Mathilde Agius
Tobias Madison; Courtesy der Künstler. Foto: Mathilde Agius