Museum Bellerive

Höschgasse 3
CH - 8008 Zürich

T: 0041 (0)43 4464-469
F: 0041 (0)43 4464-503

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W: http://www.museum-bellerive.ch/


weitere Ausstellungen

Cose fragili

Mai 8, 2015 bis Sep 13, 2015

tn Die traditionsreichen venezianischen Glasmanufakturen sind in der ganzen Welt bekannt für ihre meisterhaften Produkte. Das Museum Bellerive zeigt rund 300 Glasarbeiten, die von den 1920er-Jahren bis in die heutige Zeit entstanden sind. Als Königskategorie gilt dabei die Vase. An ihr lassen sich Inspiration und Meisterschaft aufs Schönste ablesen. Preziosen der Kunstgewerbesammlung des Museum für Gestaltung strahlen mit exquisiten Leihgaben aus den Sammlungen Holz, Peter Grünbaum und dem Lausanner Mudac um die Wette. Gebrauchsglas des finnischen Designers Tapio Wikkala sowie ausgewählte Leuchten ergänzen die facettenreiche Schau.

Den zeitlichen Auftakt bildet die von Ercole Barovier entworfene Serie "Primavera" aus hauchzartem, craquelierten Milchglas, das mit dunklen Rändern abgesetzt ist. Die gesteigerte Bekanntheit der Manufakturen in den 1930ern führte zum Zulauf externer Künstler, die mit den Meisterglasbläsern Stücke von bislang unerreichter innovativer Kraft schufen. Der venezianische Architekt Carlo Scarpa revolutionierte das Genre mit seiner modernen Formensprache. Er entwarf zahllose Stücke und regte die Entwicklung neuer Werkverfahren an, etwa des an die Malerei erinnernden Pennellato, bei dem das noch heisse Werkstück mit farbigen Glaskugeln gleichsam bemalt wird. Zudem griff er längst vergessene Methoden wieder auf wie die aufwändige Schleiftechnik des Battuto.

In der "Passarella dei Sospiri" präsentiert Cose fragili die schönsten Vasen der 1940er- bis 1960er-Jahre, als die gestalterische Freiheit in die grösste Produktivität mündete. Schlichte Vasen in reinen Farben stehen neben skurrilen, skulpturalen Stücken, lichtdurchlässige Grazien neben dickwandigen Werken, subtil angedeutete Musterung neben klarem Karo- oder Streifendesign. Lang ist die Liste der glänzenden Namen: Fulvio Bianconi sorgt mit der Patchworktechnik des Pezzato für Furore, Anzolo Fuga überrascht mit Lattimo (Milchglas), während der Maler Dino Martens asymmetrische Vasen in vielfarbigen Oriente-Mosaiken erstrahlen lässt.

Die umfassende Werkgruppe der Murrine – eine ursprünglich römische Methode – verdankt ihre Magie Glasstangen verschiedener Durchmesser, die zu Bündeln verschmolzen und in Scheiben geschnitten durch Erhitzen wieder zur Fläche und schliesslich zur Vase werden. Spannende Einblicke in das zeitgenössische Schaffen mit venezianischen Glastechniken bieten sich bei Philip Baldwin und Monica Guggisberg, die ihren Werken mittels Schliffen Tiefe verleihen während Ettore Sottsass auf die gewagte Kombination starker Unifarben vertraut. Japanische Glaskünstler wie Yoichi Ohira oder Tsuchida Yasuhiko setzen asiatische Ästhetik in erratischen Gefässen mit grosser visueller Dichte um, die amerikanische Künstlerin Mary Ann Toots Zynsky wiederum komponiert aus einer Vielzahl farbiger Glasfäden atemberaubende Stücke mit malerischer Qualität.

Erstmals ist die im Museum Bellerive eingebaute Installation des amerikanischen Glaskünstlers Dale Chihuly wieder zu sehen. Der in reinem Weiss gearbeitete "Glass Forest" stellt die technische Meisterschaft des Amerikaners unter Beweis – in unmittelbarer Nachbarschaft der grossformatigen Shells, in denen er das Handwerk des Glasblasens in all seinen Dimensionen auslotet. Historische Fotografien und filmische Porträts einzelner Meister und Künstler ergänzen die schillernden Exponate um eine dokumentarische Komponente und unterstreichen die Bedeutung des Teamworks in der Glasherstellung. Sie bilden die bodenständige Einbettung dieser Cose fragili – zerbrechlicher Dinge eben –, die stets von einer alchimistischen Aura umgeben sind.


Cose fragili – Muranoglas
8. Mai bis 13. September 2015

Dale Chihuly, Glasstudio Franzensbad: Schale Shell, 1983. Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung; Foto: Museum für Gestaltung Zürich, M.Perez © ZHdK
Aldo Nason für Vetri Artistici Aldo Nason: Vase Yokohama, um 1970. Sammlung Holz, Berlin; Foto: Martin Adam © Sammlung Holz
Ansolo Fuga für Arte Vetraria Muranese: Vase Pulegoso, 1960. Sammlung Holz, Berlin; Foto: Martin Adam © Sammlung Holz
Dino Martens für Vetreria Rag. Aureliano Toso: Vase Oriente osselaria Congo, 1952. Sammlung Holz, Berlin; Foto: Martin Adam © Sammlung Holz