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Gesichter – ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske

Mär 20, 2015 bis Jun 21, 2015

tn Gesichter ziehen in den Bann. Sie sind das Merkmal nicht nur von Personen, sondern schlechthin vom Menschen selbst. Wenige Elemente ergeben schon das Schema, das die menschliche Figur unweigerlich wach ruft und so Geborgenheit vermitteln, Witz erzeugen oder auch Schrecken einjagen kann.

Das Motiv des Gesichts war in der Kunst als Träger subjektiver Inhalte nicht immer unumstritten. In der Geschichte der Kunst ist es zwar eng mit der traditionsreichen und angesehenen Gattung des Porträts verbunden, doch gerade im 20. Jahrhundert werden nicht nur abstrakte Strategien in der Bildniskunst gesucht. In den Kunstbegriffen der sechziger und siebziger Jahre wird die Darstellung der menschlichen Figur generell als zu anekdotisch oder narrativ tabuisiert und abgelehnt.

Die Ausstellung "Gesichter – ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske" fragt nach Strategien und Wegen, auf welche Weise das Motiv des Gesichts ab den achtziger Jahren wieder verstärkt Eingang in die künstlerische Praxis finden kann.

Heutzutage treten verschiedenste figürliche Motive und damit auch das Gesicht wieder vielfältig in Erscheinung, sei es im Videobild, in der Fotografie, als Skulptur, als Zeichnung, in der Malerei oder in der Installation. Das Gesicht wird in der Kunst heutzutage gerade unabhängig von seiner Porträtfunktion genutzt. Hier setzt diese Ausstellung an und stellt in monografischen und thematischen Räumen prominente Ansätze der zeitgenössischen Kunst seit 1970 vor. An zwei Stellen wird dabei ein punktueller Rückblick in die Kunstgeschichte unternommen, so zu dem Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) und zu Alexej von Jawlenski (1865–1941).

"Das Gesicht fasziniert die Menschen immer am meisten", erklärte Tony Oursler und stellte von Beginn an das Gesicht des Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeiten. Als Anfang der neunziger Jahre LCD Miniprojektoren verfügbar waren, projizierte er Gesichter direkt auf kissenartige, der menschlichen Physiognomie entsprechende Objekte, die ihm als Träger dienten.

In welchen Nuancen und Ausrichtungen allein das Motiv des menschlichen Gesichts heute Einsatz findet, zeigen etwa die überpersönlichen, modellhaften Figuren von Thomas Schütte, Cindy Shermans fotografische Rollenbilder, die Porträts einer Marlene Dumas oder von Candice Breitz, Bruce Naumans Selbstversuche, die Familienporträts einer Rosemarie Trockel, die Gesichtsschemata von Julian Opie oder die Paßbildfotos eines Thomas Ruff.

Die in den Werken angestimmten Themen sind oftmals von existentieller Bedeutung, etwa die Frage nach der eigenen Identität wie bei Roni Horn, nach der Kraft eines emotionalen Ausbruchs wie bei Sam Taylor-Johnson, nach der psychischen Verfasstheit wie bei Bas Jan Ader oder Arnulf Rainer. Die Ausstellung versammelt knapp 50 Exponate von mehr als 20 Künstlern von internationalen öffentlichen wie privaten Leihgebern. Einige Werke entstehen speziell für diese Ausstellung, teilweise sind die Beiträge in Kooperation mit den Künstlern ausgewählt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

KünstlerInnen: Bas Jan Ader, Candice Breitz, Marlene Dumas, Günther Förg, Keith Haring, Roni Horn, Alexej von Jawlensky, Franz Xaver Messerschmidt, Bruce Nauman, Julian Opie, Tony Oursler, Arnulf Rainer, Thomas Ruff, Eva-Maria Schön, Thomas Schütte, Cindy Sherman, Wiebke Siem, Heidi Sill, Sam Taylor-Johnson, Rosemarie Trockel, Andy Warhol, Gillian Wearing


Gesichter – ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske
20. März bis 21. Juni 2015

Sam Taylor-Johnson: Hysteria, 1997 (Filmstill). © Sam Taylor-Johnson, 2014; Foto: White Cube
Marlene Dumas: 'Rejects', 1994. © Marlene Dumas, 2014
Cindy Sherman: 'Untitled #327', 1996. © Cindy Sherman, 2014; Foto: Galerie Sprüth-Magers
Gillian Wearing: 'Me as Claude Cahun Holding a Mask', 2012. © Gillian Wearing; Foto: Sammlung Goetz