Galerie allerArt

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Barbara Graf - Solo

Sep 11, 2015 bis Okt 18, 2015

tn Im Rahmen des Jahresprogramms "Künstlerduos und Künstlerpaare" zeigt die 1963 in Winterthur geborene und heute in Wien und Winterthur lebende und arbeitende Künstlerin Barbara Graf in der Bludenzer Galerie allerArt ab 11. September "Körpertransformationen". Wobei sich der Begriff der "Transformation" auch auf die Form der ursprünglich geplanten Ausstellung anwenden ließe. Was nämlich als Duo geplant war, ist durch die Änderung der Lebensumstände zum Solo geworden.

Mit ihrem künstlerischen Werk setzt sich Barbara Graf, die seit 2004 auch als Lektorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien tätig ist, der Leibwahrnehmung und der Darstellung des menschlichen Körpers in seinen Ausdrucksweisen und seiner Verletzlichkeit auf die Spur. Sie untersucht in textilen Arbeiten, Fotografien und Zeichnungen körperliche Strukturen, die unter die Haut gehen. Die Ausstellung gibt Einblick in ein Werkspektrum, das in den letzten zehn Jahren entstanden ist.

Aus der Serie der textilen Bilder Tücher zeigt Barbara Graf "Tuch 8" und "Tuch 9" (2014/15): Falten als körperliches Ereignis sind in medizinischer Gaze thematisiert. Falten als zeichnerische Linien werden mit der Nähmaschine gestickt oder durch Verschieben der einzelnen Fäden des Gewebes gebildet. In den fotografischen Inszenierungen verwandeln sich die Textilien zu neuen Körperbildern. Die Gleichzeitigkeit von Innen und Außen verkörpert sich auch in der Skulptur "Ohrobjekt mit Tasche" (2005). Sie orientiert sich an der architektonischen Struktur des Innenohrs und wird in vergrößerter Form als textiles Objekt am Außenohr getragen. Nicht ohne Ironie tritt dieses gleichsam wie ein überdimensionales Schmuckstück auf und kann sich auch zur Scheuklappe wandeln.

Die vielfältigen Verfahrensweisen der Künstlerin beschreibt die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Cathrin Pichler: "Geformt, gelegt, geschichtet, geglättet, gefaltet, verschnürt, entfaltet, zerlegt, geteilt, gestreckt, gezogen, gespannt, gehöht – so zeigen sich Barbara Grafs Kunst-Körper. Erstaunliche Auflösungen und ebenso erstaunliche Manifestationen phantasierter Körperlichkeit finden sich in der Geschichte der so genannten anatomischen Gewänder. Ihre Anatomien sind immer Anlehnungen an die wirkliche Anatomie des menschlichen Körpers, zeigen sich wie Hüllen, fabriziert aus Formen und Elementen des Inneren des menschlichen Körpers, akzentuieren diesen in Fragmenten oder entblättern diesen in Schichten. Sie sind aus Karton oder Stoff. Stoff liegt nahe, liegt einer "Stofflichkeit" von Haut, Gewebe, ja von Fleischlichkeit nahe." (aus: Ding und Leben – Zu den Kunstkörpern von Barbara Graf, in: CORPOrealities, Hg. Christina Lammer, Löcker Verlag Wien, 2010).

Als Bestandteile der anatomischen Gewänder fungieren Taschen und wissenschaftlich anmutende Bedienungsanleitungen. Diese beschreiben zeichnerisch die Handlungs- und Präsentationsmöglichkeiten der Körperskulpturen. Darüber hinaus wird der Vorgang des Zusammenfügens und Zerlegens dargestellt. Er unterstreicht das anatomische Prinzip, verweist auf das Schnittmuster wie auch auf die Auffassung der Körperhüllen als flexible Skulptur. Das Einpacken der Einzelteile in die dazugehörigen Taschen evoziert den inhärenten nomadischen Charakter.

Auch in den anderen Werken der Ausstellung ist der Vorgang der Transformation zentral. In ihren Körpertopografien schafft Barbara Graf eine eigenständige Position der Materialisierung und Visualisierung einer imaginären Leib-Identität und erforscht in ihren Arbeiten mit irritierender Klarheit und expressiver Zurückhaltung Körperdarstellung und Leiblichkeit: zwischen wissenschaftlich angelehnten Untersuchungen und poetischen Erfindungen. Mit Unterschied zum Begriff „Körper“, der auch ein unbelebter Gegenstand sein kann, verweist Graf auf den Terminus "Leib", da mit Leib ausdrücklich der beseelte menschliche Körper angesprochen werde. "Durch den Leib, mit dem Leib oder Leib zu sein ist Voraussetzung, um uns in einem Verhältnis zur Umgebung zu verstehen," konstatiert die Künstlerin. Graf sieht in Ihren Arbeiten folglich gleichsam Erfindungen zur Leiblichkeit.


Barbara Graf - Solo
11. September bis 18. Oktober 2015

Barbara Graf: Brustschichten
Barbara Graf: Ohrenobjekt
Barbara Graf: Faltenlinien