Albertina

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Spurensuche

Okt 16, 2015 bis Nov 29, 2015

tn Mit einer Kabinettausstellung würdigt die Albertina die außergewöhnliche Schenkung von 30 Meisterzeichnungen, die aus der Sammlung Arthur Feldmanns (1877-1941) stammen. Der in Brünn ansässige Rechtsanwalt hatte in den 1920er Jahren mit dem Aufbau einer Zeichnungssammlung begonnen, die mit rund 800 Werken zu den bedeutendsten ihrer Zeit zählte. Nach Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten 1939 wurde die Brünner Villa aufgrund der jüdischen Herkunft des Sammlers mitsamt der Kunstwerke beschlagnahmt, Feldmann kam später in Untersuchungshaft.

Den Arrest und die Folter im März 1941 überlebte er nur um kurze Zeit. Seine Frau Gisela wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 im Konzentrationslager in Auschwitz ermordet. Auf die Enteignung der bedeutenden Zeichnungssammlung folgten ihre Auflösung und Zerstreuung. Ein Teil gelangte in das damalige Brünner Landesmuseum, von dem es die Nachfahren von Arthur Feldmann 2003 nach vielen Bemühungen wieder zurückerhielten. Im Laufe der Jahre konnte die Familie durch akribische Recherchen weitere Blätter aus der einstigen Kollektion aufspüren und in oftmals langwierigen und mühevollen Auseinandersetzungen mit Museen und staatlichen Institutionen ihre Restitution erwirken.

30 Blätter deutscher, niederländischer, italienischer sowie französischer Künstler wurden der Albertina zwischen 2011 und 2015 von Uri Peled-Feldmann, dem Enkel des Sammlers, großzügigerweise übergeben. Bereits der Sammler hatte enge Beziehungen zum Haus gepflegt. Otto Benesch, ehemaliger Direktor der Albertina, beriet Feldmann kunsthistorisch und erwähnt in verschiedenen Publikationen Blätter aus dessen Kollektion, in der sich Werke von Dürer, Rembrandt, Annibale Carracci, Lorrain, Poussin oder Watteau befanden.

Der Begleitband beleuchtet den besonderen Charakter der Sammlung sowie Hintergründe und Umstände ihrer Entstehung und behandelt zudem die Möglichkeit ihrer Rekonstruktion durch eine Datenbank. Ein Interview mit Uri Peled-Feldmann gibt Einblick in die damaligen Lebensumstände der Familie und macht bewusst, welche Schwierigkeiten sich beim Aufspüren und bei der Rückforderung von Zeichnungen ergaben. Der abschließende Katalogteil befasst sich mit der eingehenden Besprechung der Zeichnungen, die der Albertina vermacht wurden.


Spurensuche
Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina
16. Oktober bis 29. November 2015

Monogrammist PHB nach Jost Amman: Judaskuss, ca. 1588; © Albertina, Peter Ertl
Girolamo Curti, genannt Dentone zugeschrieben: Auf dem Rücken liegender Mann mit ausgebreiteten Armen, spätes 16.-frühes 17. Jahrhundert; © Albertina, Peter Ertl
Agostino Carracci: Figurenstudien, spätes 16. Jahrhundert; © Albertina, Peter Ertl
Domenico Maria Canuti: Kopfstudien, Mitte 17.-spätes 17. Jahrhundert; © Albertina, Peter Ertl