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weitere Ausstellungen

Lynn Hershman Leeson. Civic Radar

Jun 14, 2015 bis Nov 15, 2015

tn Die Deichtorhallen Hamburg zeigen in Kooperation mit dem ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie vom 14. Juni bis 15. November 2015 in der Sammlung Falckenberg die erste umfassende Retrospektive, die nicht nur einen Überblick über alle Schaffensphasen von Lynn Hershman Leeson gewährt, sondern auch die neuesten Produktionen der innovativen Künstlerin präsentiert.

Hershman Leeson (*1941 in Cleveland, Ohio, USA) gehört zu den ersten und auch einflussreichsten Medienkünstlerinnen. Innerhalb der vergangenen vier Jahrzehnte hat sie in den Bereichen Fotografie, Video, Film, Performance, Installation und interaktiver sowie netzbasierter Medienkunst Wegweisendes geleistet.

Lynn Hershman Leeson, die sich zunächst der Performance- und Konzeptkunst zuwandte, begann ihre Karriere in den späten 1960er-Jahren. Ihre innovativen Arbeiten behandeln Themen, die mittlerweile als Schlüssel zu gesellschaftlichen Fragestellungen zu verstehen sind: Die Beziehungen zwischen Mensch und Maschine, die Konstruktion von Identität, Überwachung, die Beziehung des Realen zum Virtuellen sowie die Nutzung der Medien als Werkzeug gegen Zensur und politische Unterdrückung. Außerdem ist sie eine starke Stimme innerhalb der feministischen Bewegung.

Ihre bekannteste Werkreihe, "Roberta Breitmore" (1973–1978), wird bestimmt von der gleichnamigen Kunstfigur. Als eine Art Klon der Künstlerin wird deren Leben von 1973 bis 1978 in Echtzeit und in der realen Außenwelt inszeniert − Roberta Breitmore wird überwiegend von Hershman Leeson selbst verkörpert, aber auch teilweise simultan von drei anderen Frauen. Kunst und Wirklichkeit werden in dieser Figur ununterscheidbar miteinander verbunden. Mit "Roberta Breitmore" hat Hershman Leeson der Idee einer künstlerisch konstruierten Identität eine Form gegeben und damit die virtuellen Welten von "Second Life" um viele Jahre vorweggenommen.

Das Themenspektrum, das Hershman Leeson durch ihre Kunstfigur Roberta Breitmore behandelt − es kreist um Identität und Sexualität, um das Verhältnis der Betrachterin zu ihrem individuellen Gegenüber, Interaktivität und Performativität − wurde von der Medienkünstlerin auch in vielen weiteren Werken aus anderen Perspektiven aufgegriffen und weiterentwickelt. So etwa bei dem ersten interaktiven Werk auf Videodisk, "Lorna" (1983-1984). Auch der Film "Teknolust" (2002) (u.a. mit Tilda Swinton) hat Cyber-Identität, künstliche Intelligenz, Klonen sowie die Entkopplung von Sexualität und menschlicher Fortpflanzung zum Thema.

In ihren jüngsten Arbeiten bezieht Hershman Leeson nicht nur Roboter und Massenkommunikationsmittel wie Smartphones mit ein. Sie rückt beispielsweise mit der erstmals präsentierten Installation "Infinity Engine" (2014) auch neueste wissenschaftliche Entwicklungen auf dem Gebiet der Genetik und der regenerativen Medizin in den Fokus – einschließlich 3-D-Biodrucker, die Teile des menschlichen Körpers nachbauen können.


Katalog: Peter Weibel (Hg.): "Lynn Hershman Leeson. Civic Radar." Ca. 400 Seiten, überwiegend farbig ill., mit Texten von u.a. Peter Weibel, Andreas Beitin, Pamela M. Lee, Peggy Phelan, Laura Poitras, B. Ruby Rich, Kristine Stiles. Hatje Cantz, 2015.

Lynn Hershman Leeson. Civic Radar
14. Juni bis 15. November 2015

Sammlung Falckenberg | Deichtorhallen Hamburg
Wilstorfer Straße 71, Tor 2
21073 Hamburg-Harburg

Installationsansicht von 'Synthia', 2000–2002. Foto: Lynn Hershman Leeson; © Lynn Hershman Leeson
Shower; Filmstill aus 'Teknolust', 2002. Foto: Lynn Hershman Leeson; © Lynn Hershman Leeson
'Reach', aus der Serie 'Phantom Limb', 1987. Silbergelatineabzug auf Hadernpapier, Foto: Lynn Hershman Leeson; © Lynn Hershman Leeson
Installationsansicht von 'Lorna', 1979–1982. Digitaldruck auf Hadernpapier, Foto: Archiv Lynn Hershman Leeson; © Lynn Hershman Leeson