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Victor Man - Zephir

Okt 24, 2014 bis Jan 11, 2015

tn "Alles geschah so wie es sein muss, nachts, inoffiziell, nur dass sie anschließend bei Sonnenschein dort auf jener Sandbank einschwärzten und aufplatzten; man sah, dass sie voller Würmer waren und sie fuhren fort zu stinken, und die Düfte, die zurück in die Stadt krochen, heiß und schwer, wurden folgendermaßen benannt: "Zephir"." Diese Passage findet sich in einer Kurzgeschichte im Katalog zur Ausstellung. Ihr Autor, der Rumäne Alexandru Monciu-Sudinski beschreibt, wie fünf große Walfische eine mittelalterliche, gleichzeitig aber von deutschen Hakenkreuzträgern heimgesuchte Stadt vor Angst erzittern lassen.

Das Thema, und auch die Farbpalette von Victor Man sind damit gesetzt. In den Bildern von Victor Man herrscht eine Finsternis aus Schwarz-, Grau- und Grüntönen, an die sich das Auge des Betrachters zunächst gewöhnen muss. Erst mit dieser Gewöhnung wird Orientierung möglich, werden die Bildinhalte und Konturen allmählich sichtbar. So haben die Bilder von Victor Man die Funktion einer Schwelle, eines Übergangs, den es zu durchqueren gilt. Der Raum, der sich beim Verweilen vor den Bildern öffnet, führt in eine Welt der mythischen Gestalten, sowie der Zwitterwesen auf dem Weg von Mensch zum Tier oder vom Tier zum Mensch.

Ein wiederkehrendes Motiv ist das der Enthauptung: eine sitzende Figur, deren Kopf nicht im Bild ist, hält einen Kopf auf ihren Knien. Die Figur und auch der Kopf in diesen Bildern tragen sowohl männliche als auch weibliche Züge. Das Geschehen lässt Deutungen zu, die von Judith und Holofernes bis hin zu Salome reichen. Das Figurenprogramm von Victor Man oszilliert zwischen den Polen Askese und Exzess, zwischen heiligen Einsiedlern wie Antonius Eremita auf der einen Seite, und lüsternen Sadomasochisten oder Lotophagen auf der anderen, letztere ganz dem Genuss der alles vergessen machenden honigsüßen Lotosfrucht ergeben.

Die Wesen, die seine Gemälde bewohnen, sind von niedersten Trieben oder höchstem spirituellen Streben geleitet. Die Dunkelheit, in die sie gehüllt sind, ermöglicht alle Stadien des Übergangs von einem inneren Zustand zum anderen.


Victor Man - Zephir
24. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015

Untitled, 2012. Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen, 27 x 19 cm. Courtesy of the artist, © Victor Man; Foto: Mathias Schormann
Untitled (Les Aubes), 2013. Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen, 42 x 32 cm. Courtesy of the artist and Galerie Neu, Berlin, © Victor Man; Foto: Mathias Schormann
Untitled, 2013. Öl auf Leinwand, 100 x 67 cm. Courtesy of the artist, © Victor Man; Foto: Mathias Schormann