Museum Frieder Burda

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America! America! How real is real?

Dez 9, 2017 bis Mai 27, 2018

tn Mythen, Projektionen, Sehnsüchte: In Zeiten von "Fake News" und "Alternative Facts" wird deutlich, wie sehr der amerikanische Traum mit emotional aufgeladenen Bildern und Symbolen verwoben ist. Zugleich ist sich wohl kaum eine andere Nation der Wirkungskraft von Bildern so bewusst. Die Images des "American Way of Life", die in den Medien und der Unterhaltungsindustrie produziert werden, können bestehende Machtverhältnisse und Vorstellungen von Wirklichkeit zementieren, aber auch radikal in Frage stellen.

Mit rund 70 Meisterwerken der US-Gegenwartskunst, wie Andy Warhols "Race Riot" (1964), Jeff Koons lebensgroßer Skulptur "Bear and Policeman" (1988) oder Jenny Holzers Leuchtschriftinstallation "Truisms" (1994) zeigt "America! America! How real is real?", wie Künstler von den 1960er-Jahren bis heute die amerikanische Realität kommentieren. Mit Werken aus der Sammlung Frieder Burda und zahlreichen hochkarätigen Leihgaben lädt die Schau zu einer Exkursion durch die visuelle Kultur Amerikas ein.

Schon die Stars der Pop Art wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder James Rosenquist transformieren die Oberflächen der Konsumkultur in eine Kunst, die von ungeheurer Verführung und kühler Distanz spricht. Indem sie die Methoden der kommerziellen Bildproduktion übernehmen, verabschieden sie sich von den traditionellen Vorstellungen von Authentizität. Das Gefühl von Entfremdung verkörpern auch die Werke der großen US-Maler der 1980er.

Die psychologisch aufgeladenen Leinwände von Eric Fischl, die hermetischen Szenen von Alex Katz, die riesigen Film-Noir-artigen Grafitzeichnungen von Robert Longo sezieren die Träume und Ängste einer verunsicherten weißen Mittelschicht. Zur selben Zeit erobern Künstler wie Jeff Wall oder Cindy Sherman die Szene, die unsere medial geprägte Wahrnehmung kritisch reflektieren. Sie werden zu Vorbildern für nachfolgende Generationen. Mit den Strategien der Konzeptkunst, Performance und Fotografie schaffen sie Bildwelten, in denen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung zerfließen: How real is real?

Kurator Helmut Friedel über die Ausstellung: "Die amerikanische Kunst trat in den 1960er Jahren mit einer geradezu jugendlichen Frische auf, die Vieles vom überkommenen europäischen Erbe hinter sich ließ. Mit der Pop Art wandten sich Andy Warhol, Roy Lichtenstein, James Rosenquist, aber auch Richard Artschwager und der aus Schweden nach New York übersiedelte Claes Oldenburg einer ganz neuen Darstellungsform zu, bei der das Banale, Alltägliche, bislang Bildfremde hervorgehoben wurde. How Real is Real? - dieser Frage nach dem Abbild der Wirklichkeit in der amerikanischen Kunst von der Pop Art bis heute stellt sich unsere Ausstellung. Eine Frage, die zu stellen aktuell umso dringlicher sein könnte, als sich die amerikanische Realpolitik zumindest verbal von festen Fakten zu entfernen scheint."


America! America! How real is real?
9. Dezember 2017 bis 27. Mai 2018

William N. Copley: Imaginary Flag for U.S.A., 1972. © VG Bild-Kunst, 2017
Cindy Sherman: Untitled Marilyn, 1982. Fotografie, 50,8 x 40,6 cm; Sammlung Lothar Schirmer, München. © Cindy Sherman, 2017
Eric Fischl: Living Room Scene III, 2002. Öl auf Leinwand, 216 x 290 cm; Udo und Anette Brandhorst Sammlung. © Eric Fischl, 2017
Alex Katz: Scott and John, 1966. Öl auf Leinwand; Museum Frieder Burda. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Tom Wesselmann: In Alice’s Front Yard, 1992. Öl auf Aluminium, 160 x 221 x 28 cm; Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017