Neues Museum Nürnberg

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Gerhard Richter. Ausschnitt

Nov 14, 2014 bis Feb 22, 2015

tn Nürnberg ist um einen Schatz reicher: Mit 28 Werken widmet das Neue Museum dem Maler Gerhard Richter eine Ausstellung, die vom Künstler selbst eingerichtet ist. Die aus der Sammlung Böckmann stammenden Gemälde sind zum Großteil erst vor Kurzem als Dauerleihgaben ins Neue Museum gelangt – die drittgrößte Gerhard-Richter Sammlung weltweit.

Kein Künstler hat unsere Vorstellungen von dem, was Malerei heute leisten kann, so sehr geprägt wie Gerhard Richter. Der 1932 in Dresden geborene Künstler kam bereits 1961 in den Westen und überwand rasch die in die Krise geratene informelle Malerei. Der von der Pop Art inspirierte "Kapitalistische Realismus" stand am Anfang eines unglaublich reichen Œuvres dieses Künstlers, mit dem Museumsbesucher heute überall auf der Welt die schwarzweißen Fotobilder, Stadt- und Landschaftsgemälde, photorealistischen Stillleben und vor allem die betörend schönen abstrakten Bilder verbinden.

Gerhard Richter zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Immer neue Rekordergebnisse bei Auktionen haben seinen Namen weit über die kunstinteressierte Öffentlichkeit hinaus bekannt gemacht. Die Zuschläge in astronomischen Höhen lassen mitunter vergessen, dass diese Erfolgsgeschichte auf einem höchst reflektierten und außergewöhnlich konsequenten Schaffen beruht, das dem Künstler einen besonderen Platz in der jüngeren Kunstgeschichte sichert.

Richters Werk hat seit den verwischten Bildern nach Fotovorlagen der sechziger Jahre wie kein zweites die Grundlagen der Malerei radikal in Frage gestellt, um gleichzeitig der totgesagten Gattung ungeahnte Möglichkeiten zu eröffnen: "Die Absicht: nichts erfinden, keine Idee, keine Komposition, keinen Gegenstand, keine Form – und alles erhalten: Komposition, Gegenstand, Form, Idee, Bild", so beschrieb Gerhard Richter selbst sein scheinbar paradoxes Projekt einer Malerei, die auf allen Ebenen der Subjektivität des Künstlers zu entkommen sucht. Die irritierende Vielgestaltigkeit seiner Kunst, die den klassischen Stilbegriff ad absurdum führt, findet über alle Werkgruppen hinweg in dieser "Zerstörung der Subjektivität, der Intelligibilität und der Idealität der Malerei" (Johannes Meinhardt, Malereitheoretiker) einen gemeinsamen Nenner.

Die Ausstellung "Gerhard Richter. Ausschnitt" spannt mit 28 Werken des Künstlers aus dem Zeitraum von 1957 bis 2003 einen weiten Bogen. Viele prominente Gemälde vereinen sich zu einem großen Panorama: vom "Waldstück", einem verwischten Fotobild aus dem Jahr 1965, und dem Farbtafelbild "Sechs Farben" (1966) über das "Seestück (bewölkt)" von 1969, das altmeisterlich anmutende Gemälde "Schädel mit Kerze" (1983) und eine ganze Reihe abstrakter Bilder bis hin zu "Decke" (1988), das als Übermalung der zweiten Version des Gemäldes "Erhängte" zum Umfeld des großen RAF-Zyklus "18. Oktober" 1977 gehört.

Der Ausstellungstitel "Ausschnitt" ist einem großen dreiteiligen Bild von 1971 entlehnt. Er unterstreicht, dass die gezeigten Arbeiten zusammen einen repräsentativen Ausschnitt des riesigen Œuvres Gerhard Richters bilden. Gleichzeitig spielt er darauf an, dass der hier gezeigte Gerhard-Richter-Werkkomplex einen Teil einer umfassenden Dauerleihgabe aus Privatbesitz darstellt: Das Neue Museum empfindet es als große Auszeichnung, insgesamt 69 Werke von Gerhard Richter, Gotthard Graubner, A. R. Penck und Isa Genzken aus der Sammlung Böckmann als Dauerleihgabe erhalten zu haben. Dieser außerordentlich reiche Zuwachs kapitaler Werke macht das Haus zu einem Zentrum der bedeutendsten Vertreter deutscher Gegenwartskunst.

Ingrid und Georg Böckmann haben in den letzten 40 Jahren eine Kunstsammlung von internationalem Rang aufgebaut. Dabei war es ihnen stets ein Anliegen, von einzelnen Künstlern ganze Werkgruppen zu erwerben, um so Arbeiten aus allen wichtigen Schaffensphasen zu besitzen. Die hohe Qualität der Sammlung erklärt sich aus dem Umstand, dass die Eheleute Böckmann mit großer Kenntnis des künstlerischen Werkes sammeln und auch in einem diskursiven Verhältnis zu den Künstlern stehen.

Erste Leihgaben konnte das Neue Museum bereits seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 2000 zeigen. Mit den vielen neu hinzugekommenen Werken aus der Sammlung Böckmann verfügt das Neue Museum nun über die drittgrößte Sammlung an Werken von Gerhard Richter weltweit und stellt sie in dieser Ausstellung erstmalig vor.


Gerhard Richter. Ausschnitt
Werke aus der Sammlung Böckmann
14. November 2014 bis 22. Februar 2015

Schädel mit Kerze, 1983. Leihgabe aus Privatsammlung; © Gerhard Richter, 2014. Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
Seestück (bewölkt), 1969. Leihgabe aus Privatsammlung; © Gerhard Richter, 2014. Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
Sechs Farben, 1966. Leihgabe aus Privatsammlung; © Gerhard Richter, 2014. Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
Portrait Liz Kertelge, 1966. Leihgabe aus Privatsammlung; © Gerhard Richter, 2014. Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)