Fotomuseum Winterthur

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weitere Ausstellungen

Balthasar Burkhard im Fotomuseum Winterthur + Fotostiftung Schweiz

Feb 10, 2018 bis Mai 21, 2018

tn In einer grossen Retrospektive würdigen das Fotomuseum Winterthur und die Fotostiftung Schweiz gemeinsam den Schweizer Künstler Balthasar Burkhard (1944–2010). Wie kaum ein anderes reflektiert sein Werk die Selbsterfindung eines Fotografen und bildet zugleich die Emanzipation des Mediums Fotografie als Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab.

Die Retrospektive zeichnet die vielfältigen Facetten von Burkhards Werdegang etappenweise nach: Beginnend mit Fotografien aus seiner Lehrzeit bei Kurt Blum, die sich noch an der traditionellen Reportage- und Illustrationsfotografie der 1960er Jahre orientiert, und ersten selbständigen Fotoprojekten, zeigt die Ausstellung ebenso Burkhards Rolle als Wegbegleiter des berühmten Kurators Harald Szeemann und Dokumentarist der Berner Bohème der 1960er und 1970er Jahre. Viele Aufnahmen der bahnbrechenden Ausstellungen "When Attitudes Become Form" im Jahr 1969 in der Kunsthalle Bern und der documenta 5 von 1972 stammen von Balthasar Burkhard und halten die radikalen, oft ephemeren Werke, Aktionen und Performances der damaligen internationalen Kunst- Avantgarde fest.

Gleichzeitig arbeitet Burkhard an seiner Positionierung als Fotograf und Künstler, entwickelt in Zusammenarbeit mit seinem Freund und Kollegen Markus Raetz die ersten grossen Fotoleinwände, versucht sich als Schauspieler in den USA und wird 1983 und 1984 zu seinen mittlerweile legendären Ausstellungen in die Basler Kunsthalle und ins Musée Rath in Genf eingeladen. Dort gelingt es ihm weitgehend, die Fotografie von ihrer abbildenden Funktion zu lösen: Mit monumentalen Grossformaten entwickelt er das Motiv des Körpers weiter zu skulpturalen Landschaften und ortsspezifischen Architekturen.

Im Laufe seiner Karriere widmet sich Burkhard immer wieder dem Porträt. Während seine früheren Fotografien Künstlerinnen und Künstler szenisch und in Aktion zeigen, folgen seine späteren Porträts einer zunehmend formalisierten Bildauffassung. In den 1990er Jahren überträgt er diese stilistische Reduktion auf eine umfangreiche Porträtserie von Tieren, die an einen enzyklopädischen Stil der Fotografie des 19. Jahrhunderts erinnert.

Eine weitere Etappe von Burkhards Schaffen stellen seine grossen Luftbildaufnahmen der Metropolen wie Tokio und Mexico City dar. Die Aufnahmen aus dem Flugzeug, die er mit den Wüsten der Erde fortsetzt, werden zu seiner grossen Passion. Balthasar Burkhards Suche nach einer Morphologie, einer Art Formenkunde von Natur und Kultur, wird vor allem in seinem Spätwerk offensichtlich. In ihm finden Aufnahmen von Wellen und Wolken ebenso ihren Platz wie die Schweizer Berge und Flüsse und die Fragilität von Pflanzen. Stets gilt sein Interesse auch der Materialität des Bildes. Neben der sehr persönlichen, eher dunklen Tonwertskala seiner Abzüge lotet er bis zuletzt alle ästhetischen und technischen Möglichkeiten der Fotografie aus.

Die Ausstellung des Fotomuseum und der Fotostiftung zeichnet ein halbes Jahrhundert Schaffenszeit nach und präsentiert dabei nicht nur einzelne Werke, sondern reflektiert auch die von Balthasar Burkhard konzipierte Präsentation seiner Fotografien im Raum durch zahlreiche Dokumente aus dem Archiv des Künstlers.


Die in zwei Teile gegliederte Schau findet parallel in den Ausstellungsräumen des Fotomuseum und der Fotostiftung statt. Der gleichnamige Ausstellungskatalog erscheint im Steidl Verlag (39 CHF/ 28 Euro). Eine Kooperation des Fotomuseum Winterthur und der Fotostiftung Schweiz mit dem Museum Folkwang, Essen und dem Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano.

Balthasar Burkhard
10. Februar bis 21. Mai 2018

Balthasar Burkhard: o.T. (Harald Szeemann, der letzte Tag der documenta 5), Kassel 1972; © Estate Balthasar Burkhard
Balthasar Burkhard: o.T. (Richard Serra, Splash Piece), Bern 1969; © J. Paul Getty Trust. Getty Research Institute, Los Angeles
Balthasar Burkhard; Füsse 2, 1980. © Estate Balthasar Burkhard
Balthasar Burkhard in seinem Atelier, 1995. Balthasar Burkhard; © Estate Balthasar Burkhard