Museum Rietberg

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Facettenreiche Ideale – Frauen in der Indischen Malerei

Mai 23, 2017 bis Sep 17, 2017

tn Indische Miniaturmalereien sind wie Einblicke in traumhafte, idealisierte Welten. Die Themen der Bilder sind vielfältig und reichen von religiösen und mythologischen Sujets über poetischliterarische sowie weltlich-höfische Motive. Das Museum Rietberg eröffnet zum ersten Mal einen Blick auf die unterschiedlichen Facetten von Frauenidealen in der indischen Malerei und zeigt dazu in der Park-Villa Rieter rund 60 Sammlungswerke. Zu sehen sind Miniaturen vom 15.-19. Jahrhundert aus verschiedenen Werkstätten vom Fusse des Himalayas bis in den Dekkan.

Die Ausstellung beleuchtet in den historischen Räumen der Park-Villa Rieter sechs Aspekte der facettenreichen Ideale von Frauendarstellungen der indischen Malerei. Frauenbilder spielen in vielen Genres der indischen Malerei eine wesentliche Rolle. Im Einklang mit den formvollendeten Ausdrucksformen der Welten in indischen Miniaturen, erscheinen Frauenfiguren in den ausgestellten Werken visionär und ästhetisiert. Sie widerspiegeln künstlerische Ansprüche und gehen über Darstellungen von realen Personen hinaus. Es handelt sich nicht um Portraits von Frauen, wie sie am Fürstenhof anzutreffen waren. Die Bilder zeigen vielmehr facettenreiche Schönheiten, angelehnt an die poetischen Beschreibungen der klassischen indischen Dichter wie Jayadeva oder Kalidasa, die die weibliche Erscheinung mit Elementen der Natur verglichen: Gesichter rund wie der volle Mond, Augenbrauen gebogen wie eine Gerte oder der Mund wie ein Lotos.

Frauendarstellungen der indischen Malerei wirken stilisiert und stereotyp, was besonders fassbar im Kontext von Männerfiguren wird. So wirken männliche Darstellungsweisen aufgrund nuancierter, vielseitiger Gesichtszüge individualisierter oder distinkter, rangbezogener Kleidung personalisierter. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Maler weniger Sorgfalt und Mühe auf die Darstellung von Frauen aufwandten. Mit viel Liebe zum Detail versahen sie sie mit üppigem Schmuck, kostbaren Gewändern, delikat durchwirkten Stoffen, dezentem Make-up und eleganten Frisuren. Auch Gestik und Haltung sind genau beobachtet und durchdacht: Sie zeugen von einer eigenen Bildsprache, die von den verständigen Kunstliebhabern der indischen Fürstenhöfe hoch geschätzt und verstanden wurde.

Nebst ästhetischen Gesichtspunkten verbergen sich in der Darstellung von Frauen interessante kunsthistorische Informationen. Ihr Ausdruck liefert massgebliche Hinweise zur Einordnung der meist undatierten, nicht signierten Miniaturen. In Stil und Ästhetik werden zeitliche und geografische Vorlieben sichtbar. Es sind Konventionen und Sehgewohnheiten, die aus der Bildsprache, der Kleidung und den facettenreichen Schönheiten hervortreten und weit mehr als blosse Elemente des Stils und der Mode verkörpern und bezeugen mit ihrer stereotypen Erscheinung, fundierte Hinweise zu künstlerischen und kunstvollen Idealen der Entstehungszeit.


Facettenreiche Ideale – Frauen in der Indischen Malerei
23. Mai bis 17. September 2017

Die Dämonin Shurpanakha klagt ihrem Bruder Khara ihr Leid. Folio aus dem Shangri-Ramayana (Stil IV); Werkstatt für den Hof von Bahu, Pahari-Gebiet, 1700–1710. © Museum Rietberg Zürich, Legat Sammlung Alice Boner
Eine Frau bindet sich einen Turban. Albumblatt; Werkstatt am Mogulhof, 1760-1780. © Museum Rietberg Zürich, Geschenk der Ganesha-Stiftung
Die Hirtenfrauen werden von Krishna bestohlen. Folio aus der ersten vertikalen Mankot Bhagavata Purana-Serie; Meister am Hof von Mankot, vermutlich mit Namen Meju, Mankot, Pahari-Gebiet, 1700-1725. © Museum Rietberg Zürich
Prinzessin am Fenster. Albumblatt; Werkstatt am Mogulhof, vermutlich Kishangarh, Rajasthan, um 1740. © Museum Rietberg Zürich, Ankauf mit Mitteln Rietberg-Kreis