Deutsches Historisches Museum

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1914–1918. Der Erste Weltkrieg

Mai 29, 2014 bis Nov 30, 2014

tn Zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren präsentiert das Deutsche Historische Museum vom 29. Mai bis zum 30. November 2014 unter dem Titel "1914–1918. Der Erste Weltkrieg die deutschlandweit einzige Überblicksausstellung, die die europäische und globale Dimension des Kriegsgeschehens verdeutlicht. Mit Exponaten aus Deutschland und einer Vielzahl internationaler Leihgaben entwirft die Ausstellung auf mehr als 1.000 Quadratmetern ein facettenreiches Bild der "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts sowie ihrer Voraussetzungen und Folgen.

Anhand von 14 markanten Orten bietet die Ausstellung eine geographisch-chronologische Übersicht des Krieges. Bei den Orten handelt es sich um konkrete Schlachtfelder – etwa Verdun, Tannenberg, Deutsch-Ostafrika oder Gallipoli – aber auch um politisch-kulturelle Zentren wie Petrograd oder Berlin sowie besetzte Städte wie Brüssel. Alle Orte stehen für wichtige Stationen und Situationen des Krieges. Sie verweisen auf übergreifende Entwicklungen: die Modernisierung der Kriegstechnik mit ihren physischen und psychischen Folgen für die Menschen, die weltumspannende Kriegswirtschaft, die globale Ausweitung der Kämpfe sowie die Totalisierung des Krieges an der "Heimatfront".

Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Eskalation der Gewalt. Die Gewalterfahrung veränderte nicht nur die nachfolgenden Kriege, sondern auch das politische Denken und Handeln im 20. Jahrhundert. Objekte und Medienstationen machen die Gewalteskalation in unterschiedlichen Dimensionen sichtbar. Am Beispiel Verduns werden die Abnutzungsschlachten thematisiert, in denen auf engstem Raum eine ungeheure Menge an Menschen und Material verschlissen wurden. Das belgische Ypern war Schauplatz des ersten Giftgaseinsatzes. Am Beispiel dieses konkreten Ortes werden die Entwicklung von Giftgasen und Giftgranaten beleuchtet sowie die physischen und psychischen Auswirkungen auf die Soldaten und die Zivilbevölkerung geschildert.

Die Gewalt beschränkte sich aber nicht nur auf Schlachten und nicht nur auf die feindliche Zivilbevölkerung. Das Beispiel des österreichisch-ungarischen Galizien zeigt, dass im Krieg einzelne Bevölkerungsgruppen von ihrem eigenen Staat aufgrund ihrer Sprache oder Religion als "innere Feinde" ausgemacht, deportiert und in Lagern interniert wurden. Die globalen Ausmaße des Krieges werden an verschiedenen Orten in der Ausstellung deutlich: Die Frage, wie sich die weltweiten Handelsströme entlang politischer Bündnisse und neuer Anforderungen der Kriegswirtschaft veränderten, wird in einer Medienstation beantwortet.

Die verheerenden Folgen des europäischen Krieges auf afrikanischem Boden zeigt das Beispiel Deutsch-Ostafrikas. Dass die Einheimischen die Last des europäischen Kriegs auf afrikanischen Boden tragen mussten, schilderte der deutsche Gouverneur Heinrich Schnee eindrucksvoll in seinem Tagebuch. Die Halbinsel Gallipoli steht in der Ausstellung für den Kampf des Vereinigten Britischen Königreichs gegen das Osmanische Reich, in dem auch Soldaten aus den britischen Dominions, etwa Australien und Neuseeland, teilnehmen mussten.

Die Ausstellung präsentiert verschiedene Schicksale von Einzelpersonen sowie deren Sichtweisen auf den Ersten Weltkrieg. Der Reserveoffizier, Postbeamte und expressionistische Schriftsteller August Stramm schilderte in den Briefen an seine Ehefrau die Schrecken der Ostfront. Die Erlebnisse an der Westfront und seinen Aufstieg vom begeisterten Kriegsfreiwilligen zum hoch dekorierten Stoßtruppführer beschrieb Ernst Jünger in seinen Kriegstagebüchern. Zwei dieser Hefte, Grundlage für Jüngers bis heute populäre Darstellungen des Ersten Weltkriegs, werden ebenso gezeigt wie ein von ihm erbeuteter britischer Stahlhelm.

Der Krieg betraf jedoch nicht nur die Soldaten, sondern auch die Zivilbevölkerung. Tagebucheinträge der Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz beschreiben die "Heimatfront" in der deutschen Hauptstadt Berlin, wo der Alltag angesichts der Mobilisierung für die Kriegswirtschaft bei zunehmend schlechterer Versorgungslage von Apathie und Kriegsmüdigkeit bestimmt wurde. Fotos und Briefe erinnern außerdem an das Schicksal belgischer Zivilisten, die von Deutschen aus den besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit verschleppt worden waren.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband, der anhand von 100 Objekten aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums die Geschichte des Ersten Weltkriegs in den Blick nimmt. Ein Begleitprogramm mit wissenschaftlichen Vorträgen, prominent besetzten Podiumsdiskussionen und Lesungen ergänzt die Ausstellung. In Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt das Zeughauskino eine Filmreihe und eine Medienwerkstatt für Jugendliche. Ein Multimediaguide bietet den Besuchern die Möglichkeit, sich individuelle Zugänge zur Ausstellung zu erschließen, spezielle Führungen und Begleitmaterialien erleichtern Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Thema.


1914–1918. Der Erste Weltkrieg
29. Mai bis 30. November 2014

Deutsches Fähnchen, Deutschland 1914. © bpk / Paris, Musée de l'Armée
'Remember Belgium. Enlist to‐day'; Werbeplakat für die Rekrutierung Soldaten, Großbritannien 1914–1916. © Stiftung Deutsches Historisches Museum
'Der Feind des Menschengeschlechts'; Antideutsches Plakat. Russland 1915. © Stiftung Deutsches Historisches Museum
Werbeplakat für französische Kriegsanleihe, Paris 1918. © Stiftung Deutsches Historisches Museum