Neues Museum Nürnberg

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weitere Ausstellungen

Farbe im Quadrat

Jul 18, 2014 bis Okt 19, 2014

tn Als Amish Quilts werden Textilien bezeichnet, die etwa zwischen 1870 und 1950 hergestellt wurden und spezifische Eigenschaften besitzen. Es handelt sich dabei um ornamental gesteppte Bettdecken, deren Oberseiten aus einzelnen Stoffstücken so zusammengefügt werden, dass ein strenges Muster aus klaren geometrischen Formen entsteht. Zu ihrem charakteristischen Formenkanon gehören die sogenannten "Bars", die Streifen- bzw. Stabornamentik, das "Center Square", das im Zentrum stehende Quadrat, bzw. das "Center Diamond", das auf den Kopf gestellte Quadrat oder mit "Tumbling Block" ein illusionistisches Würfelmuster. Trotz dieser Beschränkung auf ein Formenrepertoire entstehen durch den Einsatz der Farben und der Steppornamentik sehr individuelle Setzungen.

Die hier gewählte Beschränkung auf Formen des Einfachen und der Reduktion sind Eigenschaften die auch den Amischen zugesprochen wird. Benannt nach dem Schweizer Mennonitenpfarrer Jakob Ammann, sind die Amischen eine in Amerika ansässige täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft, die ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas haben. Die Amish People führen ein im Agrarbereich verwurzeltes Leben, leben in Abgeschiedenheit von der Außenwelt und stehen dem technischen Fortschritt und Neuerungen ablehnend gegenüber.

Die kraftvollen und puristischen Motive für ihre Quilts fanden die Amischen in ihrem Alltag: das Muster der "Bars" verweist auf die mit dem Pflug gezogenen Furchen der Ackerfelder und der "Diamond in the Square" symbolisiert den Vorderdeckel des amischen Hymnenbuches "Ausbund". Doch trotz dieser Genese scheint die abstrakte und überzeitliche Bildsprache der Quilts die minimalistische Kunst der 60er und 70er Jahre vorwegzunehmen. So ist es auch kein Zufall, dass sich zwei Ausstellungen in dieser Zeit, nämlich "Optical Quilts" 1965 im Newark Museum und "Abstract Design in American Quilts" 1971 im Whitney Museum in New York diesem Kunstschaffen widmeten.

Die Ausstellung im Neuen Museum nun zeigt rund 30 bedeutende Amish Quilts aus den Jahren 1885–1940 aus einer Privatsammlung. Sie werden in Dialog treten mit Arbeiten des für seine Raum-Licht-Installationen international bekannten Künstlers James Turrell (geb. 1943 in Los Angeles, lebt in Arizona). James Turrell, Sohn einer Quäkerfamilie, wuchs in streng religiösen Verhältnissen auf. Als Pazifist verweigerte er den Kriegsdienst und wurde zu Gefängnis verurteilt, seit 1966 entwickelte er seine Lichträume. In seinem gesamten Schaffen widmet sich Turrell der Auseinandersetzung mit den vielfältigen Erscheinungsformen des Lichts. Seine entmaterialisierten Farbräume sind von großer Erhabenheit und spiritueller Kraft.


Farbe im Quadrat
Amish Quilts und James Turrell
18. Juli bis 19. Oktober 2014

Anonym, Bars, 1905. Privatsammlung, Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
Anonym, Bars, 1930. Privatsammlung, Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
James Turrell, Afrum Red II (solid), 1970. Courtesy: Häusler Contemporary München | Zürich
James Turrell, Raethro Green, 1968. Courtesy: Häusler Contemporary München | Zürich, Foto: Florian Holzherr