Pinakothek der Moderne

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Farbenmensch Kirchner

Mai 22, 2014 bis Aug 31, 2014

tn Die Pinakothek der Moderne verfügt mit 19 Werken von Ernst Ludwig Kirchner (1880−1938) über den umfangreichsten deutschen Gemäldebestand des Expressionisten, der zu den prägenden Künstlerfiguren des 20. Jahrhunderts zählt. Obwohl Kirchner als wegweisender "Brücke"-Künstler maßgeblich zur Revolution der Farbe beitrug, wurde er bislang kaum als "Farbenmensch" gewürdigt.

Die Ausstellung zeigt Ernst Ludwig Kirchners systematischen und experimentellen Weg zur Farbe und seine Auseinandersetzung mit der um 1900 kontrovers diskutierten Tradition der Farbenlehre. Kirchner modifizierte die neuesten industriell produzierten Tubenfarben in besonderer Weise, um eine matte und zugleich intensive Leuchtkraft der Malerei zu erreichen, die er rückblickend stolz als sein "Erkennungszeichen" betonte.

Grundlage der Präsentation ist ein Forschungsverbundprojekt unter Beteiligung des international renommierten Doerner Instituts der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, in dem die Malerei Kirchners seit 2009 umfangreich maltechnisch untersucht werden konnte. Erstmals wurde dem Werk eines Expressionisten eine systematische kunsttechnologische Forschung zuteil. Sie trägt Kirchners vielgestaltigem, widersprüchlichen und stetig weiterentwickelten Werk Rechnung, das bis heute von anhaltender Faszination ist.

Über Aspekte der Farbe hinaus ermöglicht die Ausstellung mithilfe von UV-, Infrarot- und Röntgenaufnahmen, unter der Bildoberfläche verborgene Unterzeichnungen und Übermalungen sichtbar zu machen und umfassende Einblicke in den Arbeitsprozess des Künstlers und die Entstehung von Hauptwerken wie "Cirkus", "Tanzschule" oder "Selbstbildnis als Kranker" zu geben. Entgegen expressionistischer Klischees der Unmittelbarkeit erweist sich sein Schaffen als genau geplant und sorgfältig entwickelt - auch dort, wo es den Anschein der Spontaneität suggeriert: Mit großem technischen Raffinement gelingt es Kirchner, die Geschwindigkeit und Offenheit der Skizze in die Ölmalerei zu übertragen, die uns über hundert Jahre nach ihrer Entstehung durch die Vitalität und Direktheit des Farbauftrags noch immer in ihren Bann zieht.

Besonderes Augenmerk widmet die Ausstellung der kontinuierlichen Selbstreflexion und Selbstkorrektur in Kirchners Werk: Die doppelseitige Präsentation ausgewählter Gemälde in der Pinakothek der Moderne macht erstmals auch die Rückseiten der beidseitig bemalten Leinwände zugänglich. Eigenhändige Überarbeitungen und Übermalungen geben Anlass, eine weitere ungewöhnliche Praxis Kirchners vorzustellen: Die Korrektur seines früheren Werks und die Anpassung an seinen aktuellen Stil. Leihgaben von Zeichnungen, Skizzenbücher, Druckgrafiken und Fotografien zeugen von Kirchners künstlerischem Multitalent und seinem Interesse an der medienübergreifenden Gestaltung der Bildmotive.

Die Ausstellung umfasst rund 90 Exponate, darunter bedeutende Leihgaben aus öffentlichen Sammlungen wie dem Kirchner Museum Davos, der Staatsgalerie Stuttgart, der Kunsthalle Bremen, dem Nachlass Ernst Ludwig Kirchners in Wichtrach/Bern sowie hochrangigen deutschen und Schweizer Privatsammlungen.


Es erscheint ein umfangreich illustrierter Ausstellungskatalog im Deutschen Kunstverlag, 224 S., 271 meist farbige Abb., ca. EUR 25.- (Museumsausgabe).

Farbenmensch Kirchner
Sammlung Moderne Kunst in
der Pinakothek der Moderne
22. Mai bis 31. August 2014

Sertigtal im Herbst, 1925/26. Öl auf Leinwand, 136 × 200 cm; © Kirchner Museum Davos, Schenkung Erbengemeinschaft Amstad, 2000
Tanzschule, 1914. Öl auf Leinwand, 114,5 x 115,5 cm; © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München
Masken auf der Straße, 1910. Öl auf Leinwand, 112 × 114,5 cm; © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München
Selbstbildnis als Kranker, 1918. Öl auf Leinwand, auf Sperrholz aufgezogen, 59 x 69,3 cm; © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München