Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

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Room Service – Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel

Mär 22, 2014 bis Jun 22, 2014

tn Die Geschichte Baden-Badens ist auch die Geschichte seiner Hotels. Seit der Eröffnung des Badischen Hofs im Jahre 1805 prägen die Grand Hotels entlang des Flusses Oos das Bild und das Leben in der Stadt. Und sie prägen Legenden. Denn von Anbeginn ranken sich um das Hotel als halböffentlichen Raum zahlreiche Mythen. Es ist ebenso Spiegel für Sehnsuchtsmotive wie Schauplatz intimster und staatstragender Ereignisse - nicht nur in Baden-Baden.

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden Room Service – Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel zeichnet mit einer Vielzahl historischer und zeitgenössischer Werke nach, wie sich Künstler mit dem Hotel als spezifischem Ort auseinander gesetzt haben. Die Ausstellung wirft einerseits einen Blick in die Historie und möchte andererseits selbst ein Kapitel in die Geschichte einfügen und präsentiert neue und eigens für die Ausstellung entwickelte Werke. Diese sind in Hotelzimmern, Foyers, Kaminräumen und auch Parkgaragen zu entdecken, denn parallel zur Hauptausstellung in den Räumen der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden lockt ein Kunst-Parcours durch sechs große Hotels der Stadt die Besucher; darunter das Brenners Park-Hotel & Spa und das Steigenberger Europäischer Hof.

Die Ausstellung beginnt in der Kunsthalle mit einem Rückblick auf 200 Jahre Hotel in der Kunst. Zu sehen sind dort etwa Arbeiten von Joseph Mallord William Turner, der Anfang des 19. Jahrhunderts den europäischen Kontinent bereiste und gerne in den modernsten Gasthäusern abstieg – den Grand Hotels. In der Ausstellung finden sich einige der Aus- und Anblicke, die er malerisch festgehalten hat. Auch die vermutlich erste Fotografie eines Hotels von William Henry Fox Talbot, dem Erfinder des "Zeichnens mit Licht", ist Teil der Schau, wie auch die Werke August Sanders. Dieser zeichnete Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Kamera ein umfangreiches Panorama der deutschen Gesellschaft. In Baden-Baden sind seine Porträts von Hotel-Angestellten zu sehen – vom Direktor bis zum Zimmermädchen.

Diane Arbus wiederum tauchte bevorzugt in die diskrete Halbwelt der Hotels ein, um in ihren Fotografien die zwielichtigen Gestalten festzuhalten, auf die sie dort traf. Und die französische Künstlerin Sophie Calle schlüpfte in die Rolle des Zimmermädchens, um sich den Gästen eines venezianischen Hotels über mehrere Wochen durch das Ausspionieren ihrer privaten Gegenstände und Gewohnheiten zu nähern. Der rastlose Martin Kippenberger hingegen lebte oft für viele Wochen und Monate in Hotels und fertigte Hunderte von Zeichnungen auf Hotelpapieren an. Da er auch Papiere von Hotels nutzte, in denen er nie selbst abgestiegen war, entstand so gleichsam eine fiktive Autogeographie, die zum Markenzeichen für das nomadische Künstlerleben an sich avancierte.

Den Mythos Hotel auch vor Ort einzufangen, ist Ziel des die Ausstellung begleitenden Kunst-Parcours. Er führt durch sechs Hotels der Stadt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das Atlantic Parkhotel, das Brenners Park-Hotel & Spa, das Belle Epoque, das Radisson Blu Badischer Hof, das Hotel Rathausglöckel und das Steigenberger Europäischer Hof. Die Bandbreite der dort gezeigten Arbeiten reicht von Malerei, Fotografie und Video bis hin zu Performances und Installationen, die auch zur Übernachtung einladen.

So lässt sich beispielsweise im Hotel Rathausglöckel in Zimmern nächtigen, die von dem Hongkonger Künstler Lee Kit und der aus Südtirol stammenden Gabriela Oberkofler künstlerisch gestaltet wurden. Und im Brenners Park-Hotel & Spa befindet sich "Der kleine Entscheidungsraum" des Aktionskünstlers Christian Jankowski. Hier dürfen die Übernachtungsgäste selbst wählen, wie sie schlafen wollen. Zur Verfügung steht ihnen ein leeres weißes Zimmer, das sie je nach Wunsch und Größe des Geldbeutels selbst gestalten können – vom einfachsten Standard bis zu prächtigsten Ausstattung. Alle Zimmer sind buchbar über die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden.

Insbesondere während der ersten 10 Tage von "Room Service – Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel" findet eine Vielzahl von Aktionen statt: Im Hotel Steigenberger Europäischer Hof ist etwa eine so genannte "Sherapy" der US-amerikanischen Performerin Ann Liv Young zu buchen, als Kunstfigur Sherry bietet die Künstlerin eine kostenlose Therapie für Einzelpersonen, Paare und Tiere an. Der junge Künstler Naneci Yurdagül wiederum bietet im Brenners Park-Hotel & Spa eine besondere Dienstleistung. Sein "Brenners Eine-Stunde-Hotel & Service Total" offeriert geballt in einer Stunde sämtliche Leistungen, die sonst über den gesamten Tag hinweg erbracht werden. Eine weiteres Highlight schließlich ist das Gastspiel des Theaters Baden-Baden, das in das älteste Hotel am Ort einlädt: das Radisson Blu Badischer Hof.

Über die gesamte Laufzeit der Ausstellung bespielt die US-amerikanische Künstlerin Cindy Sherman das Foyer des Brenners Park-Hotel & Spa mit ihren ironisch zugespitzten Porträts exzentrischer Frauen in prunkvoller Umgebung, während in der Tiefgarage eine Filmarbeit des Österreichers Markus Schinwald zu sehen ist, in der geisterhafte Protagonisten durch die Gänge eines Hotels wandeln, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

Im Hotel Steigenberger Europäischer Hof führt ein Audiowalk der Medienkunst- und Performancegruppe Ligna die Besucher durch die verschlungenen Flure des Hotels auf Spurensuche nach den Geschichten, die das Haus erzählt. Zudem erinnert der renommierte Kurator Hans Ulrich Obrist an seine legendäre Ausstellung "Hotel Carlton Palace: Chambre 763" aus dem Jahre 1993, bei der er in seinem 12 Quadratmeter großen Hotelzimmer eine unangekündigte Ausstellung mit 70 namhaften Künstlern einrichtete. In Baden-Baden wird Obrist das zur damaligen Ausstellung gehörende Segment "Armoire" neu auflegen, das Kunst im Kleiderschrank versammelte. Diesmal sind Künstler wie Tracey Emin, Rosemarie Trockel, Xu Zhen und Amalie Ulman eingeladen.


Katalog: Room Service – Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel, herausgegeben von Johan Holten, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln. Mit Texten von Johan Holten (Vorwort), Volker Albus, Mette Bøgh Jensen, Hendrik Bündge, Luisa Heese, Klaus Honnef, Andreas Kilb, Elena Korowin, Bärbel Küster, Markus Miessen, Andreas Tippins. 208 Seiten, EUR 35, im Buchhandel EUR 42, deutsch / englisch, ISBN: 978-3-86335-528-9

Room Service – Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel
Ausstellung und Hotelparcours: 22. März bis 22. Juni 2014

Jenny Brillhart: Saxony Hotel – Interior 3 (Blue Box Spring and Two Pink Chairs), 2006. Öl auf Holz, Privatsammlung; © J. Brillhart, Courtesy Galerie Kuckei + Kuckei, Berlin
Auguste Chaubaud: Hotelflur (Couloir d'hotel), 1907/1908. Öl auf Karton / Sperrholz; Städel Museum Frankfurt am Main; Foto: U. Edelmann, © VG Bild-Kunst Bonn 2014
William Eggleston: Untitled (Huntsville, Alabama), 1969 / 1970. Dye-transfer-print; © Eggleston Artistic Trust, Courtesy Cheim & Read, New York / Sammlung Museum Folkwang, Essen
George Grosz: Die Straße, 1915. Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart; © Estate of George Grosz, Princeton, N.J. / VG Bild-Kunst Bonn 2014
Candida Höfer: The Standard Los Angeles IV, 2000. Chromogendruck; © Candida Höfer, VG-Bild Kunst Bonn 2014. Courtesy Candida Höfer und Galerie Johnen, Berlin
Peder Severin Krøyer: Von der Heide nördlich von Skagen. Mitternacht, 6. juli 1885, 1885. Öl auf Leinwand; Sammlung Skagens Museum, © Skagens Museum.
Florian Slotawa: Pension Josefine, München, Zimmer 18. Nacht zum 5. Juli 1999. Baryth-Print; © VG Bild-Kunst Bonn 2014. Courtesy Galerie Nordenhake, Berlin/ Stockholm; Sies + Höke Galerie, Düsseldorf