Österreichisches Filmmuseum

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American Cinema Restored

Dez 4, 2014 bis Jan 8, 2015

tn Von Dezember 2014 bis Jänner 2015 feiert das Filmmuseum die Arbeit der Film Foundation, deren 25. Geburtstag nun ansteht. Martin Scorsese, Ehrenpräsident des Filmmuseums, rief diese Stiftung 1990 ins Leben, um das amerikanische Kino in seiner ganzen Bandbreite zu bewahren. In Kooperation mit den wichtigsten Filmarchiven der USA erwirkte die Film Foundation seither die Rettung und Restaurierung von gut tausend Filmen – keine andere Organisation außerhalb der Archivwelt hat so viel für die Erhaltung der Filmgeschichte geleistet.

Die Schau bietet aus diesem Pool 48 Werke in glanzvoll restaurierten Filmkopien auf. Sie fokussiert auf eine Zeit (1928 bis 1963), die als klassische Hochblüte des US-Kinos bekannt ist – und eröffnet damit auch die Chance zur Überprüfung bzw. Revision dieser "Klassik". Kanonische Großtaten wie Frank Capras "It Happened One Night", Alfred Hitchcocks "Shadow of a Doubt" oder Charles Laughtons "The Night of the Hunter" und lange zu Unrecht übergangene Werke liefern zusammen eine alternative Geschichte Hollywoods: vom Anbruch des Tonfilms bis zum Zerfall des Studiosystems; von der Komödie zum Western, vom Musical zum Melodram, vom Krimi zum Kriegsfilm. Zugleich wird ganz im Sinne der Film-Foundation-Mission über die Ränder der Traumfabrik und die Normen des Erzählkinos hinausgeblickt – eine Auswahl von Kurz- und Dokumentarfilmen dient dazu, die möglichen Wege durch Amerika und sein Kino zu erweitern.

Die Film Foundation hat nicht nur in entlegeneren Feldern – vom frühen Farbfilmexperiment "Wonderland of California" über das herausragende Weltkriegsdokument "The Fighting Lady" bis zu unbekannten Meistern des Avantgardefilms – wahre Wunder für die Sichtbarkeit von Film auf Film geleistet: Auch veritable Hollywoodklassiker wie Leo McCareys "Love Affair" oder legendäre BPictures wie "The Big Combo" von Joseph H. Lewis werden nun endlich in guten Kopien sichtbar, nachdem sie jahrzehntelang im Public Domain-Schattenreich reduzierter 16mm-Fassungen dämmerten. Heute, 2014, sind freilich sogar Prestige-Produktionen wie Otto Premingers "Bonjour Tristesse" oder "All About Eve" von Joseph L. Mankiewicz als genuine Filmerlebnisse eine Seltenheit: Statt der restaurierten Kopien wird oft nur mehr ein digitales Nachbild projiziert.

"American Cinema Restored" ermöglicht auch die Würdigung vernachlässigter Meisterstücke wie "The Breaking Point" von Michael Curtiz – eine Hemingway-Adaption mit John Garfield, die der Bogart-Bacall-Version dieses Stoffs, "To Have and To Have Not", weit überlegen ist – oder des OEuvres großer Einzelgänger/innen wie Ida Lupino (The Bigamist). Auch der gefeierte (Wiener) Theatermann Berthold Viertel ist mit "The Wiser Sex" als (amerikanischer) Kinoregisseur zu entdecken, als Teil einer Programmlinie, die den Beiträgen mitteleuropäischer Exilanten zum US-Kino gilt. Über Josef von Sternberg, Max Ophüls und Andre de Toth bis zum Auftritt von Peter Lorre in "The Chase" führt diese Linie mitten in die Kultur des Film Noir – eine "Neue Welle", die in den 40er Jahren (und der folgenden McCarthy-Ära) die angeschlagene Psyche einer Nation exemplarisch versinnbildlichte.

In Sam Fullers furiosem "Shock Corridor" versinkt sie Anfang der 60er Jahre vollends im Wahnsinn. Die "postklassische" Ära hat begonnen, und ein neues Independent-Kino drängt zu mehr Lebenswirklichkeit: War ein kühn neorealistischer Film wie "The Little Fugitive" 1953 noch eine Ausnahmeerscheinung in den USA, so markieren John Cassavetes' Shadows oder Shirley Clarkes "The Connection" im Übergang zur nächsten Dekade einen Aufbruch in die Unabhängigkeit. Zwischen dem vielbeschworenen "genius of the system" der Studio-Ära und völlig verschiedenen Varianten von individuellem Ausdruck öffnet sich eines der fruchtbarsten Felder der Filmgeschichte. Auch das ist American Cinema Restored.


American Cinema Restored
A Tribute to Martin Scorsese’s Film Foundation
4. Dezember 2014 bis 8. Jänner 2015

The Barefoot Contessa, 1954. Joseph L. Mankiewicz; Fotocredit: Österreichisches Filmmuseum
Pursued, 1947. Raoul Walsh; Fotocredit: Österreichisches Filmmuseum
Caught, 1949. Max Ophüls; Fotocredit: Österreichisches Filmmuseum
They Live By Night, 1948. Nicholas Ray; Fotocredit: Österreichisches Filmmuseum
A Walk in the Sun, 1945. Lewis Milestone; Fotocredit: Österreichisches Filmmuseum