MUMOK

Museumsplatz 1
A - 1070 Wien

T: 0043 (0)1 52500

E: info@mumok.at
W: http://www.mumok.at/


weitere Ausstellungen

Hippies use side door. Das Jahr 2014 hat ein Rad ab

Okt 4, 2014 bis Jan 18, 2015

tn Im Herbst 2014 präsentiert das mumok die bisher umfassendste Ausstellung Cosima von Bonins in Österreich. Unter dem Titel "Hippies use side door. Das Jahr 2014 hat ein Rad ab" erwartet die BesucherInnen ab 4. Oktober mit über 100 Arbeiten ein groß angelegter Überblick über das Werk der 1962 in Mombasa, Kenia geborenen Künstlerin – von den künstlerischen Anfängen bis hin zu ganz neuen Arbeiten. Retrospektiv angelegt, vollzieht die Ausstellung nach, wie von Bonins Arbeiten immer stärker in den Raum übergreifen.

Typisch für das komplexe Beziehungsnetz, das sie zwischen bildender Kunst und Musik aufgespannt hat, ist das Einbeziehen langjähriger KollegInnen und FreundInnen in ihre Ausstellungsvorhaben. Neben Tocotronic und Phantom Ghost, die mit Konzerten im Programm der Ausstellung vertreten sind, haben sich unter den Namen The 3 Ypsilons und The Ypsilon Five aus dem Freundeskreis der Künstlerin gleich zwei Formationen gebildet, die den Eröffnungsabend der Ausstellung am 3. Oktober mit Performancedarbietungen bestreiten. An der Fassade des mumok prangt ab Ausstellungsbeginn ein Balkon. Besetzt ist er mit einer sich übergebenden Figur.

Zur Ausstellung – in der verspulten Maschine von Bonins In dem retrospektiv angelegten Überblick erweist sich das Werk der in Köln lebenden Künstlerin als anspielungsreiches, komplexes System. Mit ihren Arbeiten wirft von Bonin eine verspulte Maschine an, die sich gleichermaßen an der Pop - und Hochkultur wie der Kunstgeschichte bedient. Diese Maschine hat definitiv ein Rad ab. Ganz persönliche Empfindungen geistern durch die Seitentür und spuken dort zusammen mit dem Erbe anderer KünstlerInnen.

Bereits in ihrer ersten Ausstellung im Ausstellungsraum Münzstraße 10 in Hamburg (1990) setzte von Bonin gemeinsam mit Josef Strau der männlich dominierten Kunstwelt eine große Portion Selbstbewusstsein entgegen. Die beiden füllten den Raum mit Luftballons, auf welche sie die Namen bedeutender KonzeptkünstlerInnen sowie deren Geburtsdat en und das Jahr von deren ersten Einzelausstellungen schrieben. Von Bonin setzte sich damals demonstrativ ins Schaufenster.

Neben einer Rekonstruktion der Hamburger Ausstellung finden sich in Wien weitere Neuauflagen – darunter Teile ihrer 2004 im Kölnischen Kunstverein präsentierten Ausstellung "Zwei Positionen auf einmal", eine Rekonstruktion von "The fatigue empire", das 2010 im Kunsthaus Bregenz gezeigt wurde , und eine Neuinszenierung der letzten Station ihrer Europatournee "The lazy Susan series" (2010 – 2012). Dem Kreativitätsdispositiv des zeitgenössischen Kapitalismus setzt von Bonin eine Kunst des Delegierens entgegen: Sie herrscht über ihr ruinöses Imperium wie ein Couturier aus einer vergangenen Epoche.

Humorvoll die Minimal Art paraphrasierend, ließ sie 70 quadratische Herrentaschentücher zu einem wandfüllenden Stoffbild zusammennähen, das sich gegen die formalistische Strenge dieser Kunstrichtung auflehnte. Diese dienten 1995 ursprünglich als Bühnenbild für das 1. Grazer Fächerfest, ihre erste institutionelle Einzelausstellung. Von Bonin hatte die Einladung des Grazer Forums Stadtpark , ihre eigenen Arbeiten zu zeigen, durch das von ihr gemeinsam mit 15 Kölner TeilnehmerInnen organisierte, dreitägige Happening ersetzt.

Von Bonins Stofftierkongregation marschiert als ihre Entourage in Wien auf. Die BesucherInnen finden sich in einem dicht bevölkerten Figurenarsenal wieder und gehen mit ihm zusammen auf imaginäre Segeltörns. Knallbunt, teils aus feinsten Designerstoffen genäht, aber stets lethargisch, räkeln sich die nur vermeintlich niedlichen Kraken, Stoffhasen und Comicfiguren im mumok. Vieles deutet in Cosima von Bonins Arbeiten auf Unfähigkeit, Nichtkönnen oder Zwecklosigkeit hin. Fragen und Ungewissheiten zu Identität und Authentizität, Kontext und Bezug schwingen durch geöffnete Saloontüren mit.

Diejenigen, die den monolithischen schwarzen Basaltblock des mumok seit seinem Bestehen kennen, werden im Oktober verwundert sein. Denn während von Bonins Ausstellung prangt vor dem einzigen Fenster der großen Front des Museums ein Balkon. Die Künstlerin hat ihre ursprüngliche Idee, auf dem Dach des Museums eine Rakete in Position zu bringen, auf der ein sich übergebendes Küken reitet, zugunsten eines einfachen Balkons, so wie er oft an Fassaden von Ein - und Mehrfamilienhäusern zu finden ist, aufgegeben.


Hippies use side door. Das Jahr 2014 hat ein Rad ab
4. Oktober 2014 bis 18. Jänner 2015

Installationsansicht Museum Ludwig, 2011-12. Photo: Lothar Schnepf
Installationsansicht Witte de With, Center for Contemporary Art. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin /Cologne. Photo: Bob Goedewagen
The Bonin / Oswald Empire's Nothing #02 (CVB’s Hermit Crab in fake Royère & MVO’s Hermit Crab [fake Royère), 2010. Stahl, Baumwolle, Mohair-Velours, Filz, 185 x 115 x 95 cm Sockel: Holz, Lack, 21 x 90 x 100 cm; Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/ Col
Installationsansicht Mamco, Genf. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/ Cologne. Photo: Ilmari Kalkkinen
Installationsansicht Mamco, Genf. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/ Cologne. Photo: Ilmari Kalkkinen