Die Artdesign als wegweisendes Ventil für Projekte

Okt 10, 2012 bis Okt 12, 2012

tn Auf über 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gibt die Feldkircher Messe "Artdesign" von 10. bis 12. Oktober wiederum Einblicke in die aktuellen Trends in der Kreativszene. Kultur-Online unterhielt sich mit Messe-Chefin Maya Kleber über die strategische Ausrichtung und die Schwerpunkte der diesjährigen Artdesign, die sich an der Schnittstelle zwischen Design, Kunst und Mode bewegt.

Kultur-Online (KO): Die Artdesign steht im ominösen "verflixten siebten Jahr". Bei menschlichen Beziehungen gilt dies als besonders kritisches Jahr, wie schon Goethe in den "Wahlverwandtschaften" herausgearbeitet hat. An welchem Punkt hält hier die Artdesign? Mit welchen Erwartungen blicken Sie als verantworliche Leiterin der diesjährigen Ausgabe entgegen? Ist die Artdesign in diesem Jahr wieder ausgebucht?

Maya Kleber (MK): Ausgebucht sind wir für die mittlerweile achte Auflage bereits seit Mitte des Jahres. Wenn ich somit auf das vergangene Jahr oder vielmehr auf die Messe in 2013 zurückblicke war es ein kritisches Jahr im Sinne von wegweisend. Wegweisend für ein neues Verständnis der Veranstaltung. Für unsere Arbeit an der Schnittstelle von Design und Kunst. Die Artdesign gilt als Ventil für Projekte wie das Feldhotel, die nicht nur die Artdesign inhaltlich gewichtiger machen, sondern auch Feldkirch über die Grenzen hinaus als progressiven Kulturwegweiser positionieren. Anlässlich der Artdesign 2014 wird nun wiederum erstmalig der Lava Award, der Gestaltungspreis des Landes Vorarlberg, verliehen. Auch dieses Signal sehe ich als deutliche Positionierung der Artdesign innerhalb der Kulturlandschaft. Daher blicke ich mit Freude und hohen Erwartungen auf das nahende Wochenende und mit einer gesunden Brise Nervosität.

KO: Wenn man sich dem Artdesign-Areal nähert, springt einem die aufsehenerregende Installation "FIZZ" von Matthias Bildstein und Phillippe Glatz im Freigelände ins Auge. Was bedeutet "FIZZ" konkret und was für Aussagen sollen mit diesem künstlerischen Statement getroffen werden?

MK: Die Installation nennt sich "Raketenauto – Dreisprung / HOP – STEP – JUMP", welche als Unterbau für den Weltrekordversuch des legendären Stuntman Brutus Bildstein von der Pflegeserie "FIZZ immortal" unterstützt wird. Basis für diesen Hop-Step-Jump bieten drei Rampen, die das österreichisch-schweizerische Künstlerduo in enger Kooperation mit dem Team des Stuntmans in den letzten Wochen im Feldkircher Reichenfeld errichteten. Es sind dies Abschuss-, Umlenk- und Sprungrampen in bewährten Holzkonstruktionstechniken, überwiegend aus recyceltem Material. Eine mögliche Aussage des Projektes könnte sein, den eigenen kritischen Blick für schillernd überzogene aufsehenerhaschende Eilmeldungen zu schärfen sowie geschickt gelenkte Markenpositionierungen im kulturellen Umfeld für einen Moment in Frage zu stellen. Die Installation regt durch fiktive Ansätze nicht nur zum Nachdenken an, alleine das imposante Volumen der Objekte lässt einen fragend zum Diskurs anregen.

KO: Eine weitere Sonderausstellung mit dem Titel "Die Seele der Dinge" rückt das Schaffen des Vorarlberger Kunstglobetrotters Mario Dalpra und des italienischen Objektkünstlers Umberto Dattola ins Blickfeld. Was hat Sie dazu veranlasst, ausgerechnet diese beiden Kunstschaffenden zusammenzuspannen? Was erwartet hier die Besucher?

MK: Mario Dalpra wurde von uns als Protagonist zum "Heimspiel No. 2" ins Konservatorium geladen. Unter dem Titel "ALIENS?" zeigt Dalpra nach Jahren auf den unterschiedlichsten Kontinenten nun einen Werkkomplex zwischen Zeichnung, Plastik und Objektkunst hier in Feldkirch. Umberto Dattola wiederum lässt "Die Seele der Dinge“ im Pool des Alten Hallenbades zu uns sprechen. Eine Sammlung von surrealistischen Möbelstücken, die durch eine zur Skulptur gewordene Form mit leichter Anmutung ihrer Geschichte Raum im Zukünftigen ermöglichen.

KO: In einer weiteren Installation wird unter dem Titel "Fleisch-LOS" der Fleischkonsum thematisiert. Ist dies ein weiterer künstlerischer oder eher ein gesellschaftskritischer Beitrag? Wo sind hier die Anknüpfungspunkte zur Artdesign zu sehen?

MK: Die Artdesign soll und muss an der Schnittstelle von Design und Kunst berühren. Mit Schönem, Einzigartigem, Unverstandenem und Irritierendem. Ich sehe eine der wichtigsten Aufgaben der Kunst, gesellschaftskritisch zu arbeiten. Daher freue ich mich umso mehr, Thomas Felfer mit Sinn für künstlerische Gesamtkompositionen und einer fundierten wissenschaftlichen Affinität zu Nischenthemen im gesellschaftlichen Kontext für dieses Projekt gewonnen zu haben.

KO: Gibt es noch weitere Highlights, die besonders für die Anreisenden jenseits der Grenze von speziellem Interesse sein könnten?

MK: Die Artdesign findet in einer polyzentrischen Agglomeration statt. Sprich im suburbanen Raum. Daher bietet sie für die Menschen aus dem gesamten Vierländereck eine einmalige Möglichkeit, internationalen Festivalcharakter mit dem Kauf von besonderen Produkten und Arbeiten direkt bei den Protagonisten einmal jährlich in ihrem direkten Umfeld miteinander zu verbinden und zu nutzen.

KO: Ein Format, dass sich wie Artdesign an der Schnittstelle von Design, Kunst und Mode bewegt, muss sich eigentlich jedes Jahr auf eine gewisse Art neu erfinden, um im Gespräch zu bleiben. Kontinuität heisst hier wohl permanente Veränderung. Oder wie sehen Sie dies? Wie kann man dies bewerkstelligen?

MK: Im Bereich der Positionierung sowie der Programmformate ist die permanente Neuorientierung die spannendste Variable innerhalb unserer Arbeit. Im Bereich der Ausstellerauswahl wohl die schwierigste. Hier jährlich eine ausgewogene Balance der Gewerke zu finden, ausreichend Beliebtes zu belassen und genügend Neues und damit ansprechende Diversität zu präsentieren fällt Jahr für Jahr nicht leicht. Doch dabei begleitet uns stets das Credo: Entwicklung braucht das Chaos im Neuen! In genau dieses stürzen wir uns stets freudig ambitioniert.

KO: In den vorangegangenen Ausgaben der Artdesign gab es mit dem "Artdesign-Kids-Kreativatelier" ein spezielles "Beschäftigungsprogramm" für die Jüngsten. Heuer findet man diese Kreativschiene nicht mehr im Programm. Was bieten Sie den jungen und jüngsten BesucherInnen der Artdesign in diesem Jahr an?

MK: Genau aus der obig beschriebenen jährlichen Neuorientierung oder auch Adaptierung haben wir uns entschieden, dieses Jahr für die jüngsten MessebesucherInnen ein Angebot im Bereich der darstellenden Kunst zu schaffen. Der aufstrebende Verein Zack & Poing öffnet für die Jüngsten also bildlich gesprochen das Zirkuszelt um in den Workshops am Samstag und Sonntag der Messe für Artistisches zu begeistern und in den entsprechenden Disziplinen anzuleiten.

KO: Erstmals wird an der Artdesign auch der LAVA-Award vergeben. Welche Intention steckt hier dahinter und wer entscheidet über die Vergabe?

MK: Unter dem Header LAVA Award, die erste Ausschreibung eines Gestaltungspreises des Landes Vorarlberg, zollt die hiesige Kulturabteilung der Kreativszene im Bereich Gestaltung entsprechende Anerkennung. Das Land Vorarlberg kooperiert hinsichtlich der Verleihung des ersten LAVA Awards, dotiert mit 3.000 Euro, mit der Artdesign Feldkirch. Über die Vergabe entscheidet die Leitung und Kunstkommission der Kulturabteilung des Landes Vorarlberg (Sparte der Bildenden und Angewandten Kunst) und die Artdesign Feldkirch.

KO: Die Artdesign findet heuer zum dritten Mal im Reichenfeldareal statt. Allgemein wird diese Location von den meisten BesucherInnen sehr positiv bewertet. Ist dies die letzte Artdesign auf diesem Gelände? Werden Sie nächstes Jahr ins Montforthaus übersiedeln müssen?

MK: Weder ja noch nein. Die Artdesign wird im kommenden Jahr weiterhin im Reichenfeld-Areal bleiben und die Räumlichkeiten im neuen Montforthaus bespielen. Es wird also ausreichend spannungsgeladen weiterentwickelt, vorangetrieben und sorgfältig konzipiert und geplant. An dieser Stelle einen besonderen Dank an Johanna Bernkopf und Stefan Peter, die mit ihrer jeweiligen Funktion als organisatorische sowie technische Leitung die Entwicklung der Veranstaltung maßgeblich mitgestaltet haben und werden.


ArtDesign Feldkirch 2014
10. bis 12. Oktober 2014
Feldkirch, Reichenfeld-Areal

Öffnungszeiten:
Fr 10.10. 12 bis 18 Uhr
Sa 11.10. 10 bis 22 Uhr
So 12.10. 10 bis 18 Uhr
Nocturne: Sa 19 bis 22 Uhr

www.feldkirch.at/artdesign

Maya Kleber
Bildstein / Glatz: 'FIZZ'-Absprungrampe
Making Ideas, Selina Reiterer, Holographic Fabric
Umberto Dattola: Objekt Paul Facco