Kunsthalle Nürnberg

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Tatiana Trouvé in der Kunsthalle Nürnberg

Nov 13, 2014 bis Feb 8, 2015

tn Tatiana Trouvé wurde 1968 in Cosenza (Italien) geboren, hat in Nizza studiert und lebt heute in Paris. Sie war mit ihren Arbeiten nicht nur auf den Biennalen in Venedig (2007) und Sao Paulo (2010) vertreten, sondern auch an der Ausstellung 30 Künstler/30 Räume (2012) in der Kunsthalle Nürnberg beteiligt. Hier präsentierte die Künstlerin teils großformatige Zeichnungen, in denen sich Innen- und Außenräume zu hybriden Konstruktionen von surrealen Orten und Wirklichkeiten verbinden. Im Zentrum ihres Werkes, das Bronzeskulpturen, Installationen, Objekte, Zeichnungen und Eingriffe in die vorgefundene Architektur von Räumen umfasst, steht eine intensive Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Raum und Zeit.

Der Ausstellungstitel "I tempi doppi" verweist auf doppelte, einander überschneidende und bisweilen widersprüchliche Erfahrungen von Zeitlichkeit: die Erinnerung an alltägliche Dinge wie etwa Keile oder Transportkisten und ihre rätselhafte Gegenwart als Objekte und Skulpturen im Ausstellungsraum; das Ewigkeitsversprechen von Kunstwerken, insbesondere in Materialien wie Bronze und die Vergänglichkeit der nur für kurze Zeit existierenden Installationen und Interventionen; die sinnlichen Erfahrungen des Ausstellungsbesuchers und seine zukünftige Erinnerung daran. Auch mehrere Skulpturen tragen den Titel "I tempi doppi "(2013). Schlanke Bronzerohre zeichnen mit großen ungelenken Bewegungen Formen in den Raum. Sie tragen an ihren Enden Glühlampen, von denen jeweils eine leuchtet, die andere jedoch nicht. Verdoppelung, Spiegelung und Wiederholung bilden ebenso ein durchgängiges Motiv in Tatiana Trouvés Werk wie die Erinnerung oder der Aspekt der Dualität oder Gegenpoligkeit.

Die Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der Ausstellungsarchitektur ist ein wesentliches Element bei jeder Präsentation von Tatiana Trouvé. Sie transformiert die vorgegebenen Räume jedoch nicht nur materiell, sondern implantiert ihnen zugleich auch eine psychologische Ebene des Magischen, Surrealen, Traumhaften oder Unheimlichen. So verwandelt sie einen vorhandenen Ausstellungsraum durch Schnitte in die Wand in eine monumentale, begehbare Zeichnung (Prepared Space, 2014) oder lässt ein dichtes Feld aus Loten und Pendeln schräg von einer eigentlich nicht vorhandenen Decke herunter fallen (350 Points towards Infinity, 2009), wobei Schwerkraft und Statik außer Kraft gesetzt scheinen. Bisher offene Räume können plötzlich verschlossen oder nur noch über eine Treppe zugänglich sein...

Die Ausstellung I tempi doppi entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Museion Bozen. Für jede Station entwickelte Tatiana Trouvé jedoch einen ortsspezifischen, poetisch aufgeladenen Parcours, der die Ausstellungen deutlich unterscheidet. In der Kunsthalle Nürnberg wird die Künstlerin erstmals einen Schwerpunkt auf Bronzeskulpturen aus verschiedenen Werkphasen setzen.

Zur Ausstellungsreihe "I tempi doppi" ist ein umfangreicher, zweisprachiger Katalog im Snoeck Verlag erschienen, der von der Kunsthalle Nürnberg gemeinsam mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Museion Bozen herausgegeben wurde. Die Publikation enthält neben einem Vorwort zahlreiche Abbildungen, Textbeiträge von Stefan Gronert, Barbara Hess und Letizia Ragaglia sowie etliche Interviews und Gespräche mit der Künstlerin. (Katalogpreis 39,80 Euro, während der Ausstellungszeit in der Kunsthalle 29,00 Euro.)


Tatiana Trouvé - I tempi doppi
13. November 2014 bis 8. Februar 2015

Les indéfinis, 2014. Plexiglas, patinierte Bronze, Metall, Holz, Stoff, Leder, Kupfer, Beton, Größe variabel; Ausstellungsansicht 'The Longest Echo', Mamco Genf 2014. © Mamco, Ilmari Kalkkinen; © VG Bild-Kunst Bonn, 2014
Prepared Space, 2014. Patinierte Bronze, Holz, Schnitte in Wand und Boden, Größe variabel; Ausstellungsansicht 'The Longest Echo', Mamco Genf 2014. © Mamco, Ilmari Kalkkinen; © VG Bild-Kunst Bonn, 2014
Untitled, 2007. Metall, Gummi, Größe variabel; 'I tempi doppi', 2014. Verkupfertes Metall, Farbe, patinierte Bronez, Glühlampe; Ausstellungsansicht 'The Longest Echo'. Mamco Genf 2014. © Mamco, Ilmari Kalkkinen; © VG Bild-Kunst Bonn, 2014