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Eine Reise in das Shakespeare-Universum

Mär 15, 2014 bis Jul 27, 2014

tn Shakespeare ist trotz seiner 450 Jahre ein ausgesprochen lebendiges Geburtstagskind! Kaum ein zweiter Autor der westlichen Kultur hat eine so intensive globale Rezeption erfahren wie er. Immer noch dominieren seine Stücke die Spielpläne rund um den Globus. "A Party for Will" lädt ein zu einer Entdeckungsreise in das Shakespeare-Universum durch die Zeiten und Kulturen um Ophelia und Macbeth, King Lear, Julia, Rosalind und Romeo, zwischen Comic und Malerei, Bühne, Film und Literatur.

Den vielfältigen und bunten Spuren dieses Nachlebens liegt ein Perspektivenwechsel zugrunde. Während es kaum "authentische" oder "auratische" Objekte aus der Lebenszeit Shakespeares gibt, die sich unmittelbar auf seine Person oder den theatralen Prozess beziehen lassen, strahlt der Wirbel seines Nachlebens umso facettenreicher: Deshalb soll die Rezeption seiner Stücke und Figuren auf dem Welt-Theater, in der Populärkultur, in der Literatur und in den anderen Künsten und Medien in der Ausstellung "A Party for Will" ihren Platz finden.

Das Zentrum der Ausstellung bildet die Folio-Ausgabe der Gesammelten Werke Shakespeares, die 1623, also sieben Jahre nach seinem Tod erschien und die unter Kennern liebevoll die "First Folio" genannt wird. Eine Ausgabe dieses Buchs, das als eines der wertvollsten Bücher der Welt gilt und von dem es in Deutschland nur drei Exemplare gibt, befindet sich im Bestand der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek und wird für "A Party for Will" ihren Weg in die Mitte Kölns und in das Zentrum der Ausstellung finden. Dort bildet die First Folio den Dreh- und Angelpunkt des bunten Wirbels der thematischen Perspektiven auf das Nachleben des Barden.

Bereits das erste Kabinett steht unter der Widmung Ben Jonsons aus der First Folio, in der er Shakespeare als "Soule of the age!" feiert. Nur wenige Fakten über Shakespeares Leben sind überliefert und die diversen Verfasserschaftstheorien tun ihr übriges, ihn als eine Figur erscheinen zu lassen, die gelenkig genug ist, um immer wieder neue Aneignungen anzuregen. Während Shakespeare dadurch fast mehr als "wunderbares" Wesen denn als Mensch erscheint, laden seine Werke den Leser und Theaterzuschauer dazu ein, die Frage nach den Bedingungen und Erscheinungsweisen des Menschseins zu stellen. Figuren wie Othello, Caliban, Shylock oder Hamlet stehen stellvertretend für all die Menschen-Bilder, die die Tragödien, Komödien und Historien vorstellen.

Seit Jahrhunderten dienen sie Gesellschaften dazu, sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen, um ihre eigenen Entwürfe des Menschlichen in den Dramen wiederzuentdecken. "A Party for Will" geht den Spuren dieser Menschen-Bilder nach. Aber auch den inneren menschlichen Abgründen und Höhenflügen wird Rechnung getragen: Während die Kabinette "The Worst" und "Dogs of War" einen Blick auf die Szenen der herben Schicksalsschläge sowie die zu großen Teilen selbst verschuldeten Leiden des Kriegs wirft, entführt ein weiteres Kabinett zu den bunten und teils obskuren Liebespaaren der Dramen – wo Feenköniginnen sich in Esel und Paare sich durch eine Zauberblume in neue Partner verlieben können.

Denn zur Party for Will kommen nicht nur "gewöhnliche" Menschen, sondern auch all die sonderbaren Wesen – Hexen, Feen und Geister – nehmen teil. Da ihre Gestaltung für das Theater besondere Herausforderungen darstellt, verrät der fantasievolle Umgang mit ihnen Erstaunliches über die jeweilige Kultur. Nicht nur diese Wesen fordern die Theatermacher seit Jahrhunderten heraus, auch die Raumanforderungen der Stücke machen die Suche nach ungewöhnlichen Bühnenlösungen notwendig. Unter dem Titel "Wooden O" wird gezeigt, wie die Welten Shakespeares dem Theater immer wieder Anlass gaben, sich neu zu erfinden.

Die Bilder der "Bohemian Coast" stellen vor, wie jene Szenen, die im Elisabethanischen Theater vor allem in der Imagination der Zuschauer entstanden, auch auf den Bühnen der letzten Jahrhunderte zu Fantasieräumen wurden. Zum Abschluss kehrt die Party for Will zum Ort ihres Geschehens zurück, um im letzten Kabinett einen Querschnitt durch Kölner Shakespeare-Inszenierungen zu präsentieren – von Wandertruppen im 17. Jahrhundert über Hamlet am Hänneschen-Theater bis hin zu den aktuellen Produktionen der Städtischen Bühnen.


A Party for Will!
Eine Reise in das Shakespeare-Universum
15. März bis 27. Juli 2014

First Folio. © Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Ira Aldrige als Othello, St. Petersburg 1839. © Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln
Sarah Bernhardt als Hamlet, Paris 1899. © Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln
Teo Otto: Konstruktionszeichnung zu 'Ein Sommernachtstraum', Kassel 1924. © Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln
Szene aus 'Der Widerspenstigen Zähmung', Altona 1927. © Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln; Foto: H. Haas