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Pierrette Bloch - Punkt, Linie, Poesie

Jan 18, 2014 bis Mär 9, 2014

tn Wieder lädt das mpk (Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern) zu einer Premiere ein: erstmals in Deutschland wird das CEuvre der international anerkannten Künstlerin Pierrette Bloch in einem Museum gezeigt. Ihre Werke wurden in weltbekannten Museen ausgestellt und sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen wie dem MoMA in New York, dem Yokohama Museum of Art in Japan, dem Stedelijk Museum, Amsterdam oder dem Centre Pompidou in Paris vertreten.

In Frankreich zählt Pierrette Bloch zu den renommiertesten Künstlerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit. Sie wurde 1928 als Kind einer jüdischen Schweizer Familie in Paris geboren; hier lebt und arbeitet sie auch heute. Während der Sommermonate unterhält sie ein Atelier in Bagnes (Aude). Sie selbst bezeichnet sich als Malerin. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie von Jean Souverbie, der als Akt-und Stilllebenmaler bekannt wurde, von Andre Lhote, der dem Kubismus nahestand und dem gebürtigen Amerikaner Henri Bernhard Goetz, dessen Werk dem Surrealismus zugerechnet wird.

In seinem Atelier lernte sie unter anderem Pierre Soulage kennen. Er sollte Jahre später zu einem der engsten Freunde Pierrette Blochs werden, dessen Schaffen auch ihre Arbeit beeinflusst hat. Dunkle Landschaften und Akte entstanden in dieser frühen Zeit, doch schon als Einundzwanzigjährige beschäftigte sie sich mit abstrakten Formulierungen. Zeichnungen aus den späten 1940er Jahren belegen eindrucksvoll, wie sie mit nur wenigen Strichen Personen und Situationen treffend charakterisiert. Die stumme Sprache der Gesten, Gebärden und des Mienenspiels faszinierte sie schon als Kind und bewegte sie, Emotionen in gegenstandslosen Zeichnungen einzufangen.

Einfache Materialen und Motive sind bis heute typisch für Pierrette Bloch. Die Werkschau umfasst Arbeiten, die zwischen 1959 und 2012 entstanden sind. Blochs Hauptinteresse gilt dem Raum, der Leere und Fülle ebenso, wie dem Ausloten der Grenze zwischen Zeichnung und Skulptur. Dabei geht sie stets neue Wege. Nachdem sie sich in den 1950er Jahren (wie u.a. auch Robert Ryman, Conrad Marca-Relli oder, auf umgekehrtem Weg, die Decollagisten um Raimond Hains, Jaques de Villegle und Mim Rotella) dem Medium der Collage gewidmet hat, entwickelt sie seit 1971 aus Flecken, Linien, Spritzern und Strichen ein zeichnerisches Werk, dessen Nuance- und Variantenreichtum staunen lässt. Sie bedient sich dabei vor allem der Medien Tusche und Papier: schlichte Notationen lässig auf ein Blatt gesetzt, zeigen eine hohe materielle Dichte oder treten in aquarellhaft zarter Transparenz auf.

Aus den einfachen Gesten Blochs entwickeln sich "ink essays" (Dore Ashton), schriftähnliche, rhythmische Zeichnungen, deren poetische Bildsprache fasziniert. Nach und nach nimmt sie auch Pferdehaare, Schnur, Stoff und Weichholzplatten in ihr Repertoire auf. Trotz der zum Teil unkonventionellen Materialien bleiben ihre Formulierungen leise. Dass sie dabei eine erstaunliche Präsenz entwickeln, gehört zu den spannungsreichen Eigenheiten dieses CEuvre, das immer wieder unerwartete und unkonventionelle Wahrnehmungen eröffnet.

Netzreliefs "Mailies" mehr oder weniger engmaschige Netze oder Flecken, die, der Form von Leinwänden vergleichbar, ungefähr rechteckig gestaltet sind, werden aus Baumwollschnüren oder Hanf gefertigt und mit Tusche bemalt, später, seit 1979, benutzt die Künstlerin auch Haare. Es entstehen Werke, die weder Skulptur sind, noch Malerei. Am ehesten kann man sie als feine Reliefs beschreiben, deren Reiz nicht allein für die Künstlerin in ihrer ansatzweise transparenten Erscheinungsform liegt.

Für Papierarbeiten, die Bloch in dichten Reihen systematisch von oben bis unten mit durchweg spiralig angelegten Linien überzieht, benutzt sie häufig Zeichenfeder und Tusche, gern arbeitet sie auf Briefbögen. Es kommen jedoch auch Stifte und Kreiden und Kohle zur Anwendung. Die Spiralbänder wirken einerseits wie enigmatische Schriftzeilen, deren "Erzählung" sich in den mehr oder weniger freien und weiten oder verdichteten Linien, in den endlosen Schwüngen der Hand offenbart - andererseits lassen sie sich als Psychogramme lesen, die Auskunft geben über den steten Wandel und die Unterschiedlichkeit eines jeden Tagewerks.

Lineare Kompositionen aus Pferdehaar wirken wie im Raum verankerte Schriftzeichen und bezaubern durch ihre feine Schattenwirkung. Daneben lassen Rhythmus, Bewegung und Kontinuität des unkonventionellen, auf Nylonfäden gerollten, geknoteten und geknüpften Materials den dreidimensionalen Charakter dieser feinst denkbaren Skulpturen deutlich werden. In der Werkgruppe "Linien", mit Punkten oder kurzen feinen Strichen überzogene Papierbänder, wird der Bildträger, der durchaus mehrere Meter lang sein kann, selbst in das Motiv der Linie verwandelt.

Pierrette Bloch arbeitet mit Wiederholungen und doch sind ihre Werke nie gleich. Stets wandelt sie ihre Arbeitsweise, improvisiert und probiert Neues aus. Sie liebt das Beginnen, das alles in Bewegung bringt und ihr erlaubt, die Dinge reich und intensiv zu erleben. Ein nuancenreicher und hochsensibler Umgang mit dem Medium Tusche wie auch das stete Fortschreiben ihrer Ideen zeichnen das variantenreiche und zugleich sehr poetische Werk der Künstlerin aus.


Pierrette Bloch - Punkt, Linie, Poesie
18. Januar bis 9. März 2014

Ohne Titel, 1988 (Detail). Rosshaar, Länge = 181 cm; Courtesy Galerie Greve, Köln, Paris, St. Moritz. Foto: Adam R.; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Ohne Titel, 2009. Pastell und Kohle auf Weichfaserplatte auf Keilrahmen, 120 x 100 cm; Courtesy Galerie Greve, Köln, Paris, St. Moritz. Foto: Adam R.; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Ohne Titel, 1988. Kohle auf Papier, 65 x 50 cm; Courtesy Galerie Greve, Köln, Paris, St. Moritz. Foto: Adam R.; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Ohne Titel, 1975. Tusche auf Papier, 75 x 57 cm; Courtesy Galerie Greve, Köln, Paris, St. Moritz. Foto: Adam R.; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Ohne Titel, 2012. Ölkreide auf Papier, 65 x 50 cm; Courtesy Galerie Greve, Köln, Paris, St. Moritz. Foto: Adam R.; © VG Bild-Kunst, Bonn 2014