Jüdisches Museum Berlin

Lindenstraße 9-14
D - 10969 Berlin

T: 0049 (0)30 25993-300
F: 0049 (0)30 25993-409

E: info@jmberlin.de
W: http://www.juedisches-museum-berlin.de/


weitere Ausstellungen

Rituale gegen das Vergessen

Okt 18, 2013 bis Feb 9, 2014

tn Die Ausstellung "Alles hat seine Zeit - Rituale gegen das Vergessen" thematisiert Strategien gegen das Vergessen aus jüdischer Perspektive und widmet sich jüdischen Übergangs- und Erinnerungsritualen. Sie zeigt den Ursprung dieser Rituale, wie sie praktiziert werden und was sie bedeuten. Neben den zyklischen religiösen Erinnerungsriten werden auch Strategien gegen das historische Vergessen aufgezeigt.

Geburt, Kindheit, Schule, Mündigkeit, Selbstständigkeit, Eheschließung, Alter und Tod markieren schmerzhafte oder freudvolle Phasen im Leben jedes Menschen. Wie alle Kulturen hat auch das Judentum für diese Lebensabschnitte bestimmte Strategien entwickelt, die helfen können, diese Übergänge zu verarbeiten. In der Ausstellung stehen rund sechzig Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen für den universellen Charakter dieser Übergangsriten, die zugleich für den Einzelnen von einzigartiger Bedeutung sind.

Auch die Gemeinschaft begeht Rituale, die sich auf für sie prägende historische Ereignisse beziehen. Dazu gehören jährliche Feiertage und mehrtägige Feste wie Pessach, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert, das Lichterfest Chanukka (Erinnerung an den Sieg) oder das Laubhüttenfest Sukkot (Erinnerung an die Wanderung). Alle drei Feste sind mehrtägig und symbolisieren wichtige Passagen in der jüdischen Geschichte oder im Jahreszyklus.

Zu den kollektiven säkularen Ritualen gehören solche, die die nationale Identität und die loyale Verbundenheit mit dem Vaterland stärken. Zeitgenössische Erinnerungsrituale reflektieren auch die Zeit des Nationalsozialismus und der Schoa. Hiervon ausgehend erforschte die amerikanische Künstlerin Quintan Ana Wikswo fotografisch Reste des sogenannten "Sonderbaus" in Dachau, des KZ-Bordells, und bearbeitete sie literarisch. Denn im öffentlichen Gedenken wird die Opfergruppe der sexuell ausgebeuteten Frauen in den Konzentrationslagern bis heute ausgeblendet.


Alles hat seine Zeit
Rituale gegen das Vergessen
18. Oktober 2013 bis 9. Februar 2014

Platte, Breslau, um 1670. © Privatbesitz München, Foto: Franz Kimmel
Tora-Krone, Langensulzbach, Elsass, um 1900. © Musée Alsacien
Kamm und Nagelreiniger einer Beerdigungsgesellschaft, Eisenstadt, Anfang 19. Jh. © Sammlung Arial Muzikant, Foto: David Peters
Chanukka-Leuchter, Osteuropa. © Privatbesitz München; Foto: Franz Kimmel