Kölnisches Stadtmuseum

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weitere Ausstellungen

Drunter und Drüber – Der Eigelstein

Dez 13, 2013 bis Apr 27, 2014

tn Im Herzen von Köln und im Schatten des Doms: das Eigelsteinviertel zwischen Trankgasse und Torburg. Es gibt wohl kaum ein Kölner Veedel, um das sich mehr Mythen und Geschichten ranken. Jetzt steht das Viertel im Fokus einer neuen Sonderausstellung des Kölnischen Stadtmuseums und des Römisch-Germanischen Museums. Damit setzen die beiden Häuser ihre gemeinsame Ausstellungsreihe mit dem Titel "drunter und drüber: Schauplatz Kölner Geschichte" fort, die mit der erfolgreichen Präsentation zum Waidmarkt 2011 ihren Auftakt nahm.

Heute fährt die 18 bis nach Istanbul… Vor 2000 Jahren kam man auf der römischen Straße nach Neuss. Entlang dieser Achse in der nördlichen Altstadt entstand das Eigelsteinviertel. In fränkischer Zeit lebte hier kaum jemand mehr – zu unsicher war die Lage jenseits der festen Stadtmauer. Doch seit dem 11. Jahrhundert blühte links und rechts der alten Trasse wieder Leben auf. Soziale Gegensätze prägten das Miteinander zwischen Dom und Eigelsteintorburg: Die Trankgasse war eine "bessere Gegend", in der Marzellenstraße konzentrierte sich das geistliche und geistige Leben mit Studenten und Professoren, Klerus und Ordensleuten. Am Eigelstein lag das "Kleine Leute"-Viertel mit Brauereien und Mietshäusern.

Dieses im besten Sinne urkölsche Quartier hat vieles miteinander verschweißt, was auf den ersten Blick unvereinbar schien: fromme Ordensbrüder und Ganoven, "Kappesbuure" und Bankiers, Gelehrte und Geläuterte, "leichte Mädchen" und Revolutionäre, Menschen unterschiedlichster sozialer Schichten, Prominente und namenlos Gebliebene. Ein Ort des Neben- und Miteinanders der verschiedensten Milieus. Und ein Zuhause für jene, die einmal neu in unserer Stadt waren: Zugezogene und Einwanderer seit der Römerzeit – lange, bevor der Begriff "Migration" eine Rolle spielte. Die Rede ist auch vom geglückten, ja glücklichen Miteinander. Vornehm war das Veedel nie, denn hier, wo das "Kölsche Hätz" schon immer schneller schlug – heute zerrissen durch die Nord-Süd-Fahrt – trafen und treffen sie ungeschönt aufeinander: Mythos auf Wahrheit, Halbwelt auf große weite Welt.

Unterhaltsam und anschaulich erzählt die Ausstellung auch von dem, was den Eigelstein heute ausmacht: vom Karneval, vom kölschen Kneipenleben, traditionsreichen Brauhäusern und neuen Szenekneipen, vom berüchtigten "Milieu", von Wiederaufbau und Stadtsanierung, von Traditionsunternehmen, türkischen Händlern und dem Nebeneinander der Kulturen und Milieus. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt sich in den einfühlsamen Fotografien von August Sander, Chargesheimer, Candida Höfer oder Eusebius Wirdeier, aber auch in anderen, liebevoll und mit Augenzwinkern zusammengestellten Exponaten. Vom Rennrad des Olympiasiegers Toni Merkens aus dem Stavenhof bis zur Sitzbank aus dem Lapidarium – alle Objekte erzählen die facettenreichen Geschichte des Eigelsteins.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Menschen, die hier wirkten und lebten: kölsche Originale, große Prominente und namenlos Gebliebene. Auch die Menschen, die heute im Veedel wohnen, kommen zu Wort, mit ihrem ganz eigenen Blick auf das Viertel. Dafür hat das Kölnische Stadtmuseum mit Studierenden der Universität zu Köln ein umfangreiches "Oral-History"-Projekt realisiert – mit zahlreichen, in der Ausstellung präsentierten Interviews.


Drunter und Drüber – Der Eigelstein
13. Dezember 2013 bis 27. April 2014

'Am Eigelstein', Foto August Sander, Mitte/Ende der 1930er Jahre. Im Vordergrund der Aufnahme ist die Ecke Eigelstein/ Unter Krahnenbäumen zu sehen (Collection Gerd Sander).
Die Eigelsteintorburg 1879/1880: Auf diesem Bild sind noch deutlich die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wehranlagen zu erkennen, die kurze Zeit später der Spitzhacke zum Opfer fallen (Kölnisches Stadtmuseum/ Foto Rheinisches Bildarchiv).
Arbeiten zum Kanalbau im Eigelsteinviertel, um 1890 (Kölnisches Stadtmuseum/ Rheinisches Bildarchiv).
Weihnachten im Wirtschaftswunder: Die Eigelsteintorburg um 1954, Foto Erich Lambertin (Kölnisches Stadtmuseum/ Foto Rheinisches Bildarchiv).