Museum für Gestaltung – Schaudepot

Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96
CH - 8005 Zürich

T: 0041 (0)43 446 67 67

E: welcome@museum-gestaltung.ch
W: http://www.museum-gestaltung.ch


weitere Ausstellungen

100 Jahre Schweizer Design

Sep 27, 2014 bis Feb 8, 2015

tn Bis heute gilt Design aus der Schweiz als ehrlich, präzise, unaufgeregt und benutzerfreundlich. Die Eröffnungsausstellung "100 Jahre Schweizer Design" im Schaudepot des Museum für Gestaltung bietet erstmals einen umfassenden Überblick über das Designland Schweiz. Mit über 800 Exponaten aus der Designsammlung des Museums – der weltweit grössten Sammlung für Schweizer Design – und spektakulären Leihgaben präsentiert die Schau die relevanten Designobjekte aus dem Bereich Möbel- und Produktgestaltung. Neben den Originalen eröffnen Skizzen, Prototypen, Modelle und Fotografien neue Perspektiven auf das Designland Schweiz. Sie zeigen aber auch, wo uns überall im Alltag Design begegnet.

In der Schweiz haben ihn alle schon benutzt, sie haben seinen glatt abgerundeten Balken mühelos nach unten gekippt, das leise Klicken gespürt, und Licht ins Zimmer gebracht. Wer diesen Kippbalkenschalter in der Firma Feller entworfen hat, weiss man nicht. Ins Rampenlicht der Schweizer Designgeschichte ist er gerückt, als ihn Max Bill im Rahmen der Ausstellung "Die gute Form" 1949 als Vorbild und "vielleicht endgültige Form eines Lichtschalters" anpries.

Weitere für die hohe gestalterische Qualität in der Schweiz beispielhafte Alltagsprodukte werden von Firmen wie Therma, Embru, Langenthal, Horgen-Glarus, Sigg oder Mammut hergestellt. Über ihren Gebrauchszusammenhang hinaus haben auch einige Schweizer Entwürfe als weltweit bekannte Ikonen Geltung erlangt, wie etwa der Landi-Stuhl von Hans Coray, das System USM-Haller oder der Eternit-Strandstuhl von Willy Guhl. Die Ausstellung zeigt auch weniger populäre aber für die Schweizer Designgeschichte ebenso relevante Entwürfe wie den Aluminiumstuhl von Alfred Roth oder die Modellreihe Lehrstücke von Trix und Robert Haussmann. Einige detailgetreue Rekonstruktionen und Fotografien vermitteln die damaligen Präsentationsweisen, und Plakate sowie Prospekte zeugen von der visuellen Kommunikation über die Produkte.

Die Ausstellung ist sowohl chronologisch als auch thematisch gegliedert. Zehn Möbelgruppen leiten als Zeitmass durch die Dekaden des 20. Jahrhunderts: von den regional verwurzelten Anfängen um die Jahrhundertwende über "Die gute Form" der 1950er Jahre bis zu den Produkten einer jungen, global vernetzten Gestalter-Generation. 30 weitere Ausstellungsgruppen greifen einflussreiche zeittypische Themen auf wie Reduktion, Miniaturisierung, Aluminium, Ergonomie, Ordnung, Individualisierung oder Luxus. Parallel dazu wird die 100-jährige Geschichte des Schweizerischen Werkbunds erzählt. Ein weiterer Raum widmet sich den aktuellen Entwicklungen im Designland Schweiz. Darin werden zukunftsweisende Tendenzen im Schweizer Design sowie Video-Statements namhafter Schweizer Designer vorgestellt.

Mit dem Ausbau der Industrie und der Reform des Kunstgewerbes zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt sich in der Schweiz eine eigenständige, von der Moderne geprägte Produktkultur. Um 1913 setzt die Diskussion über gute und schlechte Gestaltung mit der Gründung des Schweizerischen Werkbunds ein. Kleine und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe und Kooperationen stellen funktionale Möbel, Leuchten und Geräte für den Haushalt seriell her. Nach den streng sachlichen Gebrauchsgegenständen, oft als Werkentwürfe von anonymen Gestaltern oder Ingenieuren entwickelt, folgen nach dem 2. Weltkrieg organische und ergonomische Formen.

Der Designer wird zum Vermittler zwischen Schönheit und technischer Lösung, zwischen Verkaufsanreiz und Benutzerfreundlichkeit. Die Auszeichnung "Die gute Form" des Schweizerischen Werkbunds steuert die Qualitätskriterien für Schweizer Design bis in die späten 1960er Jahre. Danach setzen sich auch die Schweizer Gestalter mit der Krise der Moderne auseinander und brechen mit den Konventionen: Moderne Klassiker werden kritisch hinterfragt, neue Lebensweisen ausprobiert. Kunst und Design, Handwerk und Industrie, Alltags- und Luxusgüter befruchteten einander. Heute knüpft eine junge Gestalter-Generation wieder an vormoderne Traditionen an, kombiniert technischen Fortschritt mit Geschichte und versteht lokale Kultur im globalen Kontext.


Publikationen: "100 Jahre Schweizer Design" und "100 Jahre Schweizer Grafik". Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), D und E, Lars Müller Publishers. Die Bände zeigen mit anschaulich geschriebenen Beiträgen ausgewiesener Fachleute, visuell optimal in Szene gesetztem Bildmaterial und der Buchgestaltung durch NORM aus Zürich sowohl Design und visuelle Gestaltung der Gegenwart wie auch die feinen Traditionslinien, die zwischen der Arbeit verschiedener Epochen verlaufen. Die beiden Referenzwerke erscheinen zur Eröffnung des Museum für Gestaltung – Schaudepot. Sie sind im Museumsshop und über die Website für CHF 50 erhältlich.

100 Jahre Schweizer Design
27. September 2014 bis 8. Februar 2015

Feller AG, Tumbler Switch, ca. 1948. Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung; Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Sigg AG, Bettflasche und Trinkflasche 1925 und 1968. Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Susi und Ueli Berger, Wolkenlampe, 1970. Museum für Gestaltung, Zürich, Designsammlung; Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Bruno Rey, Rey-Stuhl, 1971. limitierte Auflage von 2005, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung; Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Michel Charlot, Leuchte U-Turn, 2012 / Sigfried Giedion, Indi-Leuchte, 1932. Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Alfred Hablützel, Designer und ihre Möbel, 1964. Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, © ZHdK