Haus der Kunst

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weitere Ausstellungen

Manfred Pernice - Tutti IV

Okt 18, 2013 bis Sep 21, 2014

tn Die zweite Auftragsarbeit im Haus der Kunst der 2012 ins Leben gerufenen Reihe "Der Öffentlichkeit – Von den Freunden Haus der Kunst" wurde an den in Berlin lebenden Künstler Manfred Pernice vergeben. Mit diesem Projekt machen das Haus der Kunst und die Gesellschaft der Freunde auf ihr Engagement aufmerksam, sich für die Entstehung neuer Werke zeitgenössischer Kunst einzusetzen, bei denen das Haus im Brennpunkt der Diskussion steht.

"Der Öffentlichkeit – Von den Freunden Haus der Kunst" wendet sich an eine Generation von Künstlern, die in ihrem Schaffen einen klaren und anspruchsvollen Weg eingeschlagen haben und gründet auf der Überzeugung, dass Kunst und Künstler eine zentrale Rolle in globalen Debatten spielen. Das Haus der Kunst würdigt damit internationale Künstler, die im Laufe ihrer Karriere künstlerische Exzellenz, konzeptuelle Strenge und experimentellen Geist bewiesen haben, und deren Ideen nachhaltigen Einfluss auf die zeitgenössische Kunst und ihre Diskurse ausüben.

Die Künstler sind bei ihren Vorschlägen frei, wobei der offene Charakter der Mittelhalle, die Durchlässigkeit des Raumes, erhalten bleiben sollen. Während im vergangenen Jahr die koreanische Künstlerin Haegue Yang die Beschaffenheit der Architektur mit der Durchlässigkeit von Jalousien gespiegelt hatte, schlägt Manfred Pernice eine begehbare Brückenkonstruktion vor. Diese Brücke spannt sich von der Museumsbuchhandlung im Westen bis zum Eingang der Ausstellungsräume im Ostflügel. Zu den Wegen, die der Besucher auf ebener Erde einschlagen kann, kommt auf diese Weise ein zusätzlicher Weg auf einer sechs Meter hohen Plattform hinzu.

Ebenerdig und im Zentrum des Raumes platziert Pernice die aus dem Jahr 2010 stammende architektonische Skulptur "Tutti": einen offenen runden Raum aus Holz, der in vier Segmente geteilt ist, die unterschiedlich eingerichtet sind. In ihrer Mitte führt eine Wendeltreppe hinauf zur Brücke. Die Einrichtung der Raumteile erfolgt dabei nicht nur nach Pernices alleiniger Maßgabe. Vielmehr ist beabsichtigt, auch Arbeiten anderer darin zu präsentieren und im Laufe der langen Ausstellungsperiode wechselnde Eingriffe vorzunehmen.

Die Installation von Pernice bewegt sich in der vieldeutigen Zone zwischen Beständigkeit und Unbeständigkeit. Pernice verwendet in seinen Installationen Materialien wie Pappe, Kacheln, Beton, oft in Kombination mit Collagen, Zeichnungen, Fotografien oder Versatzstücke früherer Arbeiten. Meistens sind diese Materialien bereits zuvor benutzt worden und besitzen eine individuelle Geschichte. Mit Sperrholz und ähnlichen Baustoffen schafft Pernice - wie er sie nennt – "Gebilde". Ihre unterschiedlichen Dimensionen, in denen architektonische und möbelartige Strukturen anklingen, erfüllen keine konkreten praktischen Funktionen.

Der Künstler ordnet seine konstruierten Formen, die an Tonnen, Container oder Plattformen erinnern, im Ausstellungsraum in neuen vielschichtigen Konstellationen zueinander. So entstehen neue Beziehungen zwischen den Objekten und unterschiedliche Zusammenhänge. Die miteinander verknüpften Fotografien, Zeichnungen, gefundenen Bilder und Texte formulieren untergeordnete Erzählungen mit Bezügen zu realen Ereignissen, was den Objekten die Bedeutung z.B. einer historischen Figur verleiht. In diesem Sinne untersuchen Pernices Gebilde das Wesen des Gedächtnisses des Einzelnen wie der Gesellschaft.

Die Brücke ermöglicht es dem Besucher, die Mittelhalle aus der Vogelperspektive zu betrachten. Dabei ist der Blick, den Manfred Pernice mit "Tutti IV" auf die Mittelhalle richtet, ironisch gefärbt, was sowohl die ursprüngliche als auch die gegenwärtige Funktion des Raumes betrifft. Grundsätzlich stellt Pernice in Frage, dass Raumkonzepte überhaupt dauerhaft Bestand haben können, nicht zuletzt auch seine eigenen.

Manfred Pernice, geboren in Hildesheim 1963, studierte Grafik und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Brunswick und an der Hochschule der Künste Berlin. Seit den 1990er-Jahren hat er ein bemerkenswert zwangloses Oeuvre geschaffen, das sich zwischen den Polen Skulptur und Architektur bewegt. Seine Ausstellungsbiografie weist namhafte Institutionen auf wie MoCA, Los Angeles ( 2001), Museum Ludwig, Köln (2007), Hayward Gallery, London (2010), Biennale in Lyon (1997), Manifesta (2000), documenta 11 (2002), und Utopia Station bei der Biennale in Venedig 2003, die 2004/05 zu Gast im Haus der Kunst war.


Manfred Pernice - Tutti IV
18. Oktober 2013 bis 21. September 2014

Tutti, 2010. Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein 2010; Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein
Tutti, 2010. Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein 2010; Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein
Tutti, 2010. Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein 2010; Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein
Tutti, 2011. Ausstellungsansicht S.M.A.K., Ghent 2011; Foto: Dirk Pauwels
Tutti, 2011. Ausstellungsansicht S.M.A.K., Ghent 2011; Foto: Dirk Pauwels