Quadrart Dornbirn

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Am Abgrund

Mai 25, 2014 bis Aug 3, 2014

tn Nachts an der Tankstelle. Hell leuchtet sie, zieht Menschen und andere Lebewesen an – wie das Licht die Motten. Da haben sich sonderbare Gestalten versammelt: nackte Liebende, Resignierte mit hängenden Schultern, eine monumentale Figur mit einer Gitarre, eine andere mit einem Vogel auf der Hand. Sie alle stehen da, regungslos – und warten in der Nacht. Bäume und Pflanzen überwuchern Zapfsäulen. Neon-Schimmer: willkommen im Surrealismus dieser Tage. "Fun de siècle". So heißt die Farblithografie von Daniel Richter aus dem Jahr 2003.

Seit einigen Jahren begegnen sie uns wieder vermehrt. Künstlerische Bilder, die surrealistische Strategien aufnehmen, die einen Faden spannen – in die Avantgardekunst des frühen 20sten Jahrhunderts. Das Dunkle, das Unheimliche, das Surreale, Träumerische, Abgründige und Phantastische: Die Ausstellung „Am Abgrund“ vereinigt solche Werke: Die Welt ist nicht so, wie sie scheint. Sie ist viel doppelbödiger – davon erzählt diese Schau.

In vielen Fällen aber hat die Hinwendung zu surrealen Strategien in der zeitgenössischen Kunst einen faden Beigeschmack. Die Abstraktion scheint müde, die Figuration sowieso. Wir werden in dieser Ausstellung Bilder zeigen, die nicht ermüden, sondern, im Gegenteil, eine Fackel entzünden. Deren Virtuosität nicht Selbstzweck ist. Mit Künstlern wie Sabine Dehnel, Alexander Gehring, Eckart Hahn, Axel Hoedt, Jochen Klein, Sebastian Meschenmoser, Juan Miguel Pozo Cruz, Jan Schmelcher und Marco Wagner versammelt die Ausstellung Arbeiten um ebenjenes kleine Werk von Daniel Richter aus der Sammlung von Erhard Witzel.

Zwei Fotoarbeiten von Sabine Dehnel zeigen Frauenfiguren. Die eine scheint – mit Lockenwicklern im Haar – über den Wolken zu schweben, die andere liegt auf einer Landstraße. Die Irritation ist hier schon medial begründet: Dehnel setzt ihre Protagonisten in selbstgebaute Kulissen, schminkt sie, inszeniert sie aufwändig: eine Mischung aus Fotografie, Malerei und Bühnenbild, die uns ungläubig die Augen reiben lässt. So auch Alexander Gehring, dessen fotografische Bildfolge "Messages From The Darkroom" hier in Auszügen zu sehen ist. Abseitig, spiritistisch, unheimlich ist diese Serie. Sie macht Geister und Phantome sichtbar – mittels des fotografischen Mediums. Sind diese Geister freundlich? Wir wissen es nicht. In jedem Fall lassen sie sich fotografieren.

Auch drei Arbeiten von Eckart Hahn können wir in der Ausstellung präsentieren: Auch seine Bilder sind geheimnisvoll. In ihnen stecken Geheimnisse. Es sind "unbehagliche Welten", in die uns Hahn entführt. Metaphern der Gegenwart, die der Künstler "Bilder auf die Kippe" stellen nennt. Axel Hoedts Fotoserie "Einmal im Jahr" zeigt die Fastnacht im Südwesten Deutschlands als unheimliches Fest vor karger Winterlandschaft. Tödlich dagegen die "Deadly Mountains" von Jochen Klein. Aus Alltagsmaterialien stellte Klein die dreizehn gefährlichsten Berge der Welt nach – jene Berge, auf denen die meisten Bergsteiger ihr Leben ließen. Eine "Eroberung des Nutzlosen", die der Künstler auch mit der Kunstproduktion selbst in Verbindung bringt. Seine Bilder pendeln zwischen "Illusion und Desillusion", wie auch jene Mischwesen des Malers Sebastian Meschenmoser. Eine Sehnsucht nach fremden Welten treibt ihn an. Phantastische Szenarien entwickelt er, die er mit sonderbaren Wesen bevölkert – halb Mensch, halb Affe.

Ähnlich abgründig ist auch die Malerei von Juan Miguel Pozo Cruz. Surreale, tropische Bildwelten und Mythologien begegnen uns hier, voller Melancholie. Auch Jan Schmelchers Kunst zeigt Surreales in exotischem Gewand. Wie etwa sein skurriler "Ambassador" – oder die kristallin-psychedelische Bilderwelt von "Fine Settimana". Und dann schließlich die Werke des Illustrators und Malers Marco Wagner. Auch seine Kunst ist voller Abgründe, seine wenig farbintensiven Porträts, seine bäuerlichen Szenen: Erinnerungen an die eigene Kindheit in einem fränkischen Dorf, vertraut, doch auch bedrohlich. "Am Abgrund" steht auch Marco Wagner. Blickt nach unten, stellt Fragen über Religion, Natur und Tradition.

Was ihn mit allen anderen Künstlern der Schau verbindet: An die Stelle der Idylle setzt er den Abgrund. Es gibt viele Verbindungslinien in dieser Schau – etwa von Marco Wagner zu den Fastnachts-Fotografien von Axel Hoedt. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, solche geistigen Fäden zwischen den Werken zu finden. Nachts an der Tankstelle. Was vereint jene, die da stehen? Die da warten? Mit hängenden Schultern? Antworten gibt es keine. Nur wieder so viele schillernde Fragen. Marc Peschke


Ansichten XIX - Am Abgrund
25. Mai bis 3. August 2014

Alexander Gehring
Eckart Hahn
Jochen Klein
Jan Schmelcher