Pinakothek der Moderne

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Marokkanische Teppiche und die Kunst der Moderne

Sep 14, 2013 bis Jan 5, 2014

tn Verschiedene Inspirationsquellen der modernen Kunst sind bisher in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt: etwa japanische Farbholzschnitte und Katagami, ostasiatische Keramiken und Möbel, afrikanische Skulpturen und das Phänomen des sogenannten "Primitivismus". Die marokkanischen Teppiche – eine Kunst von Frauen – warten noch auf ihre Entdeckung mit ihren Wechselwirkungen oder Analogien zur europäischen und amerikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts.

Marokkanische Nomadenteppiche lassen uns heute an Mark Rothko, Cy Twombly, Josef Albers, Paul Klee oder Kasimir Malevich denken. Im frühen 20. Jahrhundert faszinierten sie Künstler wie Wassily Kandinsky, Le Corbusier und Frank Lloyd Wright. Die Auseinandersetzung mit der islamisch geprägten Kultur Nordafrikas und den Teppichen aus Marokko führt somit zu den Wurzeln für die Kunst der europäischen Avantgarde. Die islamische Bilderfeindlichkeit inspirierte die Berber im Maghreb zu radikaler Abstraktion und einem völlig freien, in unseren Augen modern anmutenden Umgang mit Farben und Formen. In der Ausstellung und im begleitenden umfangreichen Buch stellt sich daher ganz allgemein auch die Frage nach den Grundbedingungen von Kunst, nach ihren Ursprüngen und nach dem Weg zur Abstraktion.

In Zeiten der Globalisierung mit zunehmender Dominanz rein westlicher Vorstellungen einerseits und der Radikalisierung des Islam andererseits besitzt es hohe Aktualität, anhand dieses Themas den Blick auf die geistigen Zusammenhänge und den kulturellen Austausch an einer Schnittstelle zwischen Orient und Okzident zu richten – auch, um in Dialog treten und Perspektiven für die Zukunft entwickeln zu können. Die Ausstellung der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich – konzentriert sich auf die reichhaltige Sammlung marokkanischer Teppiche aus Besitz des Münchner Architekten Professor Jürgen Adam. Im Lauf von Jahrzehnten hat er während seiner Forschungsarbeit zu den Lehmbauten in Marokko eine der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen zu diesem Thema zusammengetragen.

Die Ausstellung wird in der Pinakothek der Moderne, München, stattfinden, denn dort können besonders eindrücklich auch die inneren Zusammenhänge zwischen den Kunstgattungen beleuchtet werden, die die Basis für die Konzeption dieses weltweit einzigartigen, Disziplinen übergreifenden Hauses bilden.

Die umfangreiche Publikation ist als maßstabsetzendes Standardwerk angelegt und legt erstmals die Zusammenhänge dar. Das Buch – zweisprachig deutsch und englisch – wird in Kooperation mit Arnoldsche Art Publishers realisiert. Mit aussagestarken Bildtafeln, Vergleichsbeispielen aus dem Bereich der modernen Kunst und einführenden Texten wendet es sich bewusst auch an Nicht-Fachleute, an eine Öffentlichkeit, die sich für moderne Kunst und ihre Ursprünge interessiert, für die Kultur Nordafrikas oder eines "anderen" Islam und – für die "magiciennes de la laine", wie man die Berber-Künstlerinnen nennen könnte.


Marokkanische Teppiche und die Kunst der Moderne
14. September 2013 bis 5. Januar 2014

Knüpfteppich, 2. Viertel 20. Jahrhundert. 267 x 160 cm, Beni M`Guild, Marokko; Sammlung Adam, München
Knüpfteppich, 3. Drittel 20. Jahrhundert. 200 x 127 cm, Boujad (Marktort), Mittlerer Atlas, Marokko; Sammlung Adam, München
Knüpfteppich, 1950-1955. 244 x 166 cm, Boujad (Marktort), Mittlerer Atlas, Marokko; Sammlung Adam, München
Knüpfteppich, Mitte 20. Jahrhundert. 250 x 134 cm, Azilal (Marktort), Mittlerer Atlas, Marokko; Sammlung Adam, München