Städel Museum

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Piero Manzoni. Als Körper Kunst wurden

Jun 26, 2013 bis Sep 22, 2013

tn Der früh, im Alter von 29 Jahren, verstorbene Piero Manzoni (1933‒1963) gilt trotz seines kurzen Lebens als folgenreichster Künstler der italienischen Nachkriegskunst. Am 13. Juli 2013 wäre er 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass – und zugleich exakt fünf Jahrzehnte nach seinem Tod – ehrt das Frankfurter Städel Museum diesen zentralen Künstler der europäischen Nachkriegsavantgarde mit einer umfassenden Überblicksschau. "Piero Manzoni. Als Körper Kunst wurden" ist die erste Manzoni-Retrospektive im deutschsprachigen Raum überhaupt.

Die Schau zeigt vom 26. Juni bis 22. September 2013 die Radikalität seiner facettenreichen künstlerischen Position, die das Duchamp’sche Readymade einer folgenreichen Revision unterzieht, zentrale Diskurse der Moderne, wie die Monochromie, zu Ende denkt und die Malerei in die Bereiche des Alltags und der Warenästhetik öffnet. Mit Arbeiten wie der "Merda d’artista" – (angeblich) 30 Gramm Künstlerscheiße in streng limitierter Auflage – oder dem "Socle du monde" (Sockel der Welt, 1961) – einem Sockel, der die Welt zum Kunstwerk erhebt – schuf Manzoni Ikonen der jüngeren Kunstgeschichte.

Über 100 Werke aus allen Schaffensperioden ermöglichen in der Ausstellung einen komplexen Einblick in ein bis heute virulentes Werk zwischen Informel und dem Aufkommen eines neuen Kunstbegriffs, zwischen klassischer Moderne und Neoavantgarde, zwischen Kunst und Alltag. Manzonis nach wie vor ungebrochener Einfluss auf die zeitgenössische Kunstproduktion wird in der Ausstellung durch Arbeiten der Künstler Erwin Wurm (*1954), Leni Hoffmann (*1962) und Bernard Bazile (*1952) verdeutlicht, die – im Sinne eines essayistischen Einstiegs in die Ausstellung – zentrale Aspekte von Manzonis Werk auf ihre Relevanz für die Gegenwart befragen.

Piero Manzoni wurde am 13. Juli 1933 in Soncino (Lombardei) als Sohn von Valeria Meroni und Egisto Manzoni, Graf von Chiosca und Poggiolo, geboren. 1951 nahm er ein Jurastudium auf, 1955 ein Studium der Philosophie. Im gleichen Jahr richtete er seine erste Einzelausstellung in Soncino aus. In dieser Zeit lernte er Künstler der Gruppe CoBrA, der "Spatialisten" um Lucio Fontana und schließlich der Gruppe Arte Nucleare kennen, denen er sich 1957 anschloss. In Rotterdam fand 1958 seine erste Einzelausstellung im Ausland statt. Gemeinsam mit Enrico Castellani gründete Manzoni ein Jahr später die Mailänder Galleria Azimut. In Frankfurt waren seine Arbeiten erstmals 1961 in der Galerie dato zu sehen. Am 6. Februar 1963 starb Piero Manzoni 29-jährig in seinem Mailänder Atelier an einem Herzinfarkt.


Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag ein umfangreicher, von Martin Engler herausgegebener Katalog mit Beiträgen von Germano Celant, Martin Engler, Massimiliano Gioni, Dominique Laporte, Franziska Leuthäußer sowie Francesca Pola. Deutsche Ausgabe: 264 Seiten, ca. 20 x 24 cm, Hardcover, ISBN 978-3-941399-29-7, 34,90 Euro. Englische Ausgabe: 264 Seiten, ca. 20 x 24 cm, Hardcover, ISBN 978-3-941399-33-4, 34,90 Euro. Eine Ausstellung des Städel Museums, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit der Fondazione Piero Manzoni, Mailand

Piero Manzoni. Als Körper Kunst wurden
26. Juni bis 22. September 2013

Merda d’artista N.° 038 (Künstlerscheiße N. 038), 1961. Künstlerscheiße, bedrucktes Papier, Konservendose, 4.8 x Ø 6 cm; Privatsammlung. © Fondazione Piero Manzoni, Milano, by VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Fiato d'artista (Atem des Künstlers), 1960. Gummiballon, Schnur, Bleiplomben, Messing, Holz, 18 x 18 cm; Fondazione Piero Manzoni, Mailand, in Kooperation mit Gagosian Gallery. © Fondazione Piero Manzoni, Milano, by VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Socle du monde, 1961. Eisen, Bronze, 82 x 100 x 100 cm; HEART - Herning Museum of Contemporary Art. © Fondazione Piero Manzoni, Milano, by VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Piero Manzoni unterschreibt auf einem Model während eines Kurzfilmdrehs für Filmgiornale SEDI, Mailand, 1961. © Courtesy Fondazione Piero Manzoni, Mailand