Gewerbemuseum Winterthur

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Bike I Design I City

Jan 29, 2017 bis Jul 30, 2017

tn Radfahren steht heute für urbanes Lebensgefühl und Jugendlichkeit schlechthin. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Bewusstseins für Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz sowie zunehmender Verkehrs- und Mobilitätsproblemen in den Städten avanciert das Fahrrad zum neuen Symbol für Flexibilität und Tempo. Die Entwicklungen im Bereich der Elektrobikes beschleunigen diesen Prozess zusätzlich, und auch Design und Ästhetik der Fahrradkultur inklusive Accessoires gewinnen an Vielfalt und Bedeutung. Jede moderne Grossstadt, die sich Innovation und Fortschritt verschrieben hat, beschäftigt sich heute gemeinsam mit Architekten, Designern und Städteplanern mit den Bedürfnissen von Radfahrern und den Mobilitätskonzepten des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

"Bike I Design I City" beleuchtet die vielfältigen Fahrradszenen von heute, das reiche Entwicklungspotenzial innerhalb der urbanen Mobilität und mögliche Zukunftsszenarien rund um das Radfahren. Präsentiert werden hervorragende Designprodukte, vom kultigen Rennrad zum topaktuellen Citybike, zu den neuesten Klapprädern und E-Bikes bis hin zu leistungsstarken Cargo-Bikes für Kuriere und Familien. Dass das Radfahren seit einigen Jahren ein Comeback feiert und sich vom Fortbewegungsvehikel der Unterschicht und der Ökofreaks zum trendigen Lifestyle-Nahverkehrs-mittel gemausert hat, hängt nicht zuletzt mit smartem Design und modischem Zubehör zusammen. Auf diesen neuen Status reagiert auch der Markt und kurbelt die Produktion entsprechend an. Junge Städterinnen und Städter investieren in individualisierte, qualitativ hochwertige Räder, gleichzeitig werden Retroräder gehegt und gepflegt, wie man es sonst nur von automobilen Oldtimern her kennt.

Zahlreiche kleinere Manufakturen haben den Markt der Sehnsucht nach Qualität und Unverwechselbarkeit innerhalb des Fahrraddesigns entdeckt. Während beispielsweise viele der grossen Radhersteller auf vergleichsweise kostengünstige Materialien und Produktionsstandorte setzen, verfolgen diese Kleinproduzenten ganz andere Konzepte und produzieren mit alternativen Materialien wie hochwertigem, handverarbeitetem Stahl oder Carbon, aber auch Holz und Bambus – oder ganz neu mit 3D-gedruckten Kunststoffen – erstklassige und stylishe Räder mit individuellem Ausdruck und komfortablen Antriebssystemen für städtische Radfahrer. Aber auch die grossen Unternehmen haben die Trend-wende realisiert und lenken seit der Jahrtausendwende den Blick vermehrt auf das Fahrrad. So wandten sich selbst Designer aus der Automobilbranche von den Vierrädern ab und beschäftigen sich neuerdings mit Zweirädern, und ausgewählte Unternehmen arbeiten bewusst nicht nur mit bewährten Fahrraddesignern zusammen in der Annahme, dass diese zu stark in Konventionen verhaftet wären.

Gleichzeitig hat bei den E-Bikes die Entwicklung hinsichtlich Technik und auch Design in den letzten Jahren einen Quantensprung gemacht, sodass es kaum verwunderlich ist, dass immer mehr Leute die Vorzüge von Elektrofahrrädern entdecken. Dafür sprechen auch die Verkaufszahlen, die rasant in die Höhe schnellen: Die E-Bikes sind in der Schweiz die am schnellsten wachsende Verkehrsgruppe überhaupt. Begründet wird diese ungebrochene Popularität nicht nur mit dem aussergewöhnlichen Fahrgefühl, sondern ebenso mit den verstopften Innenstädten sowie den überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln, was Pendler auf sinnvolle Alternativen ausweichen lässt. Angesichts dieser Zahlen erstaunt es hingegen, dass bis heute noch keine klaren Ver-kehrsregeln für diese neue Gruppe von Verkehrsteilnehmern ausgearbeitet wurden. E-Bikes changieren je nach Typus irgendwo zwischen Mofa und Fahrrad.

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, wie die Renaissance des Velos in einigen europäischen Städten noch immer weit-gehend ignoriert wird, in andern hingegen einfallsreich gefördert. Kopenhagen, Amsterdam, Berlin oder London begegnen der Herausforderung mit unterschiedlichen Verkehrskonzepten mit zum Teil hohen Investitionen und ehrgeizigen Zielsetzungen. "Bike I Design I City" nimmt diese gebauten oder in Planung befindlichen städtebaulichen Umwälzungen in den Fokus und präsentiert gleichzeitig Utopien und Visionen, die vielleicht dereinst unsere Städte neu prägen werden. Denn trotz hoher Investitionen in neue Verkehrsinfrastrukturen für Zweiräder befindet sich der Kosten-Nutzen-Vergleich zwischen Automobil und Fahrrad in Schieflage. Radfahrer bescheren einer Stadt nicht nur tiefere Gesundheitskosten, auch jeder gefahrene Kilometer kostet sie viel weniger.


Bike I Design I City
29. Januar bis 30. Juli 2017

Radbrücke Hovenring in Eindhoven, Niederlande. © Copyright: ipv Delft (Design); Foto: Henk Snaterse
Radbrücke Hovenring in Eindhoven, Niederlande. © Copyright: ipv Delft (Design); Foto: Henk Snaterse
Cykelslangen in Kopenhagen. © Copyright: Dissing+Weitling Architecture; Foto: Rasmus Hjortshoj
Cykelslangen in Kopenhagen. © Copyright: Dissing+Weitling Architecture; Foto: Rasmus Hjortshoj
Bike aus Holz, Keim Cycles, Savonnières/FR. © Copyright: Keim Cycles
Sandwichbike in Box. Do-it-yourself-Bausatz, Holz-Bike. © Copyright: Pedalfactory BV, Niederlande