Kunstmuseum Heidenheim

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weitere Ausstellungen

Tauromaquia

Feb 8, 2014 bis Apr 27, 2014

tn Im Zentrum der Ausstellung "Tauromaquia" stehen die beiden bedeutendsten Graphikzyklen zur Kunst des Stierkampfs von Francisco de Goya und Pablo Picasso. Goya, der seine Radierungsfolge 1816 vollendet, will mit ihr "eine Vorstellung von den Anfängen, dem Fortschritt und dem jetzigen Zustand dieser Feste in Spanien" (Goya) dieses spezifisch spanischen Rituals vermitteln.

Durch asymmetrische Kompositionen und gekonnte Lichtinszenierungen gelingt es ihm überzeugend, den Kampf zwischen Mensch und Stier zugleich als Kampf zwischen Kultur und Natur im überzeitlichen Sinne zu interpretieren. Picassos Version der "Tauromaquia" von 1957 weist dagegen einen ausgesprochen erzählerischen Charakter auf, in dem er – entgegen seiner sonstigen Gewohnheit – den Ablauf eines Stierkampfs in der korrekten Reihenfolge wiedergibt. Alle 26 Aquatinten malt mit dem Pinsel an einem Nachmittag direkt auf die Kupferplatten. In ihrem spannungsvoll wechselnden Duktus stellen seine Pinselzeichnungen dabei weniger die Grausamkeit des Stierkampfs als vielmehr dessen rituellen, künstlichen Charakter dar. Sie erzählen von der Choreographie des Geschehens, von dessen Eleganz und Nähe zum Tanz.

Hubertus Hierl, ein Fotograf aus Landshut, ist am 7. August 1966 in Frèjus, als der hoch betagte Picasso letztmals eine Corrida besucht. Der junge Fotograf nutzt die Gunst der Stunde und kann sowohl den Stierkampf, bei dem ein Torero schwer verletzt wird, als auch Picassos Reaktionen im Bild festhalten. Seine Fotoserie dokumentiert Picassos Gefühle und zeigt zugleich in realistischen Aufnahmen, wie ein Stierkampf tatsächlich abläuft. Dies macht seine Bildserie zu einer hervorragenden Vergleichsfolie für die künstlerischen Darstellungen von Picasso und Goya.

Zugleich schlägt seine schwarzweiße Fotoserie eine Brücke zu den Torero-Portraits von Rineke Dijkstra aus dem Jahr 1994. Frontal, aus ihrem Umfeld isoliert und vor neutralem Hintergrund fotografiert Rineke Dijkstra portugiesische Stierkämpfer unmittelbar nach dem Verlassen der Arena. Mit ihren großformatigen Aufnahmen untersucht die niederländische Fotografin, wie sich existentielle Grenzerfahrungen und sich widersprechende Emotionen in einem Gesicht widerspiegeln. So verdichtet sie das von den anderen Künstlern seriell ausgebreitete Geschehen zu einem einzigen eindrücklichen Bild.


Tauromaquia - Die Kunst des Stierkampfs
Goya, Picasso, Hubertus Hierl und Rineke Dijksta
8. Februar bis 27. April 2014

Francisco de Goya: Tauromaquia, 1816. Aquatinta, Radierung und Kaltnadel; Blatt 20, Leichtfüßigkeit und Wagemut von Juanito Apiñani in der (Arena) von Madrid
Francisco de Goya: Tauromaquia, 1816. Aquatinta, Radierung und Kaltnadel; Blatt 21, Unglückliche Ereignisse in der Sperrsitzabteilung der Arena von Madrid
Pablo Picasso: José Delgado alias Pepe Illo: La Tauromaquia o arte de torear, 1959. Aquatinta im Zuckeraussprengverfahren; Blatt 15, Die Banderillas, im Sitzen. © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Pablo Picasso: José Delgado alias Pepe Illo: La Tauromaquia o arte de torear, 1959. Aquatinta im Zuckeraussprengverfahren; Blatt 8, Sprung mit der Garrocha. © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Hubertus Hierl: Picasso beim Stierkampf, Fréjus 7. August 1966. SW-Fotografie auf Baryt-Papier; © Hubertus Hierl 2014. Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2013