Kunsthistorisches Museum

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Das Antlitz des Fremden

Dez 1, 2012 bis Mär 2, 2014

tn Das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums zeigt in Kooperation mit dem Bernischen Historischen Museum und der Collection Jean-Pierre Righetti (Schweiz) eine Sonderausstellung über die Münzprägung der "Iranischen Hunnen" und Westtürken in Zentralasien und Nordwest-Indien. Der chronologische Rahmen spannt sich dabei vom ausgehenden 4. Jahrhundert n. Chr. bis in islamische Zeit.

Unter "Hunnen" wurden im Laufe der Zeit verschiedene Gruppierungen verstanden, von den Völkern, zu deren Abwehr die chinesische Mauer erbaut wurde, bis zu jenen Verbänden, die unter der Herrschaft des sagenhaften Königs Attila († 453 n. Chr.) standen und Europa verheerten. Doch ist dies gesamthaft gesehen nur eine relativ kurze Episode. Wesentlich wirkungsstärker waren die Hunnen für Geschichte, Kultur und nicht zuletzt die Münzprägung in Zentralasien und Nordindien, wie diese Ausstellung zeigen soll.

Die große Wanderbewegung der Hunnen aus dem mittelasiatischen Altai-Gebirge nach Westen begann im Laufe des 4. Jahrhunderts. Um 375 n. Chr. hatte ein Teil der späteren Attila-Hunnen bereits die Wolga überschritten und stieß weiter nach Europa vor. Eine andere Gruppe wendete sich nach Süden, fiel in der Landschaft Sogdiana (im heutigen Usbekistan) ein, überschritt den Fluss Oxus (Amu Darya) und setzte sich in Baktrien (das heutige Nord-Afghanistan) fest. Von dort führte sie ihr Weg weiter über die Gebirgsketten des Hindu Kusch bis in die Regionen Gandhara, Uddiyana (Swat), den Punjab (im heutigen Pakistan) und nach Nordwest-Indien.

Während von den europäischen Hunnen keine eigene Münzprägung überliefert ist, entfalteten ihre iranischen Verwandten eine überaus reiche Prägetätigkeit, die ein einzigartiges Zeugnis für die Geschichte Zentralasiens und Nordwest-Indiens in der Spätantike darstellt. Sie bietet ungeahnte Einblicke in das Selbstverständnis der hunnischen Herren und zeigt, welch vielfältige politische, wirtschaftliche und kulturelle Einflüsse auf sie wirkten.

In den zeitgenössischen Quellen werden die Hunnen als hässliche, zweibeinige Bestien beschrieben, ihre Münzen führen uns jedoch Herrscherbildnisse vor Augen, die in ihrer fremdartigen Eleganz und künstlerischen Qualität ein ganz anderes Bild vermitteln. Der große Gegner der Hunnen in Zentralasien waren die persischen Sasaniden, die wie die Römer im Westen in ständiger Auseinandersetzung mit den verschiedenen Hunnenstämmen lebten. In Indien waren es die Gupta-Kaiser, die den hunnischen Vormarsch zu stoppen trachteten. Auch dafür stellen die Münzen ein einzigartiges historisches Zeugnis dar.

In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts tritt schließlich eine neue Nomadenmacht auf den Plan: Es sind dies die Westtürken, die um 560 n. Chr. gemeinsam mit den Sasaniden die hunnische Vormacht in Zentralasien beenden. Hundert Jahre später erlag das mächtige Reich der Sasaniden dem Ansturm der muslimischen Araber, die sich nach der Eroberung Irans anschickten, weiter nach Ostiran und Zentralasien vorzudringen. Bereits 665 wird Kabul erstmals von den Arabern geplündert, doch gelang es dem türkischen Kabul-Schah, rasch wieder die Oberhand zu gewinnen. Der Abwehrkampf gegen die Araber, an dessen Spitze die Könige von Kabul und Zabul standen, dauerte über 200 Jahre, und auch dafür stellen die Münzen ein lebendiges Zeugnis dar.

Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Bernischen Historischen Museum durchgeführt. Weitere Leihgaben werden von der Collection Jean-Pierre Righetti (Schweiz), dem Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank sowie dem Naturhistorischen Museum Wien zur Verfügung gestellt.


Das Antlitz des Fremden
Die Münzen der Hunnen und Westtürken in Zentralasien und Indien
1. Dezember 2012 bis 2. März 2014

Unbekannter Alchan-König; 1. H. 5. Jh.; Drachme (Silber). © Collection Jean-Pierre Righetti
Kidariten, Peroz, 4./5. Jh.; Drachme (Silber). © Bernisches Historisches Museum
Unbekannter Nezak-König, 1. H. 6. Jh.; Drachme (Silber). © Bernisches Historisches Museum
Turk-Schahi, 2. H. 7. Jh.; Drachme (Silber). © Collection Jean-Pierre Righetti
Chorasan Tegin Schah; Drachme (Silber). © Bernisches Historisches Museum