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Fragonard - Poesie und Leidenschaft

Nov 30, 2013 bis Feb 23, 2014

tn Leichtigkeit und Eleganz kennzeichnen das Werk des französischen Künstlers Jean-Honoré Fragonard (1732–1806) ebenso wie Ausdruckskraft und Leidenschaft. Mit 80 Werken aus renommierten europäischen Museen wird die Karlsruher Kunsthalle den Künstler erstmals in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Im Zentrum der Präsentation stehen die Arbeiten auf Papier, in denen die Innovationsfreude und gestalterische Kühnheit Fragonards in besonderer Weise sichtbar wird. Ergänzt werden diese durch ausgewählte Ölstudien und Gemälde.

Der in Grasse geborene Künstler war zunächst Schüler von Jean-Siméon Chardin (1699–1779) bevor er in das Atelier von François Boucher (1703–1770) eintrat. 1752 gewann Fragonard den begehrten "Prix de Rome" und konnte dank dieses Stipendiums eine mehrjährige Italienreise (1756–1761) antreten, die mit dem Studium der Meister des Barock sowie der Landschaft in und um Rom prägend für sein weiteres Schaffen wurde. Trotz eines ersten großen Erfolgs in der Pariser Salonausstellung 1765 schlug er eine von privaten Gönnern und Mäzenen geförderte Laufbahn jenseits der Akademie ein und bewahrte sich damit seine künstlerische Freiheit.

Diese spiegelt sich in der thematischen und stilistischen Breite seines OEuvres, das die wesentlichen Themen seines Jahrhunderts umfasst: Landschaften und gesellig-heitere Szenen stehen neben intimen Darstellungen von großer Sinnlichkeit sowie literarischen und erzählerischen Sujets. Fragonards Hinwendung zur Zeichnung folgt der zunehmend großen Wertschätzung, die diese Gattung im 18. Jahrhundert erfuhr. Gemäldegleich gerahmt und in den Salons der Öffentlichkeit präsentiert, galt sie nicht mehr nur als Skizze oder werkvorbereitende Studie, sondern fand als autonomes Kunstwerk Anerkennung.

In Fragonards OEuvre kommt dem Arbeiten auf Papier zeitlebens eine wichtige Bedeutung zu. Im virtuosen Umgang mit Kreide und Pinsel entwickelte er Kompositionen von sprühender Fantasie und eindrucksvoller Gestaltungskraft. Thematisch und stilistisch im 18. Jahrhundert verwurzelt und der Tradition des 17. Jahrhunderts eng verbunden, entfaltete er jenseits schnelllebiger Moden ein Werk von großer künstlerischer Eigenständigkeit, das sich bereits bei seine Zeitgenossen überaus großer Beliebtheit erfreute.

Seit seiner ersten Italienreise zeichnete Fragonard im Freien. Eine Vielfalt an Motiven fand er vor allem in den verwilderten Gärten der Villa d’Este in Tivoli sowie in deren Umgebung. Diese Studien bilden die Grundlage für die Darstellung frei imaginierter lichtdurchfluteter Parkanlagen, die mit eleganten Spaziergängern bevölkert sind. Dabei gewinnen Fragonards Landschaften ihren Reiz aus dem Gegensatz zwischen überbordender, geheimnisvoll-wilder und gezügelter, vom Menschen gestalteter Natur.

Fragonard beschäftigte sich sowohl mit genrehaften als auch religiösen Themen. Seinen Darstellungen ist ein tiefes Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte eigen, das in Blicken und Haltungen anschaulich wird. Auch interessierte sich der Künstler vielfach für die das Wechselspiel von Innen und Außen, von Verbergen und Sichtbar machen. Entscheidend werden dieses Aspekte gerade in den erotischen Motiven, in denen sich dem Betrachter Einblicke in intime Situationen bieten.

Inspiration fand Fragonard nicht allein in den Werken der Alten Meister oder in seinen Studien menschlichen Verhaltens, sondern auch in der Literatur. Dies veranschaulicht eine Auswahl aus den 179 meisterhaften Zeichnungen zu Ariosts "Rasendem Roland". In den dramatischen oder auch burlesken Szenen zeigt sich die Lust des Künstlers am Fabulieren, die ihn mit dem Autor des Versepos verbindet. In freien, meist lavierten Kreidezeichnungen entwickelt Fragonard eine innovative Bildsprache, die sich zwischen Beobachtung und flüchtiger Imagination bewegt.


Katalog zur Ausstellung: "Fragonard. Poesie und Leidenschaft." Mit Beiträgen von Juliane Betz, Marie-Anne Dupuy-Vachey, Alexander Eiling, Christine Ekelhart, Norbert Miller, Astrid Reuter, Dorit Schäfer, Martin Schieder. Ca. 248 Seiten mit 230 farbigen Abbildungen, Deutscher Kunstverlag Berlin / München. Erscheint im November 2013

Fragonard - Poesie und Leidenschaft
30. November 2013 bis 23. Februar 2014

Der Kuss, um 1775. Albertina, Wien. © Albertina, Wien
Der Kampf Minervas gegen Mars, um 1771. Collection du Musée des Beaux-Arts de Quimper; © Musée des Beaux-Arts de Quimper, France
Roger beobachtet den Kampf zwischen einem Riesen und einem Ritter, um 1780 – 85. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Die Liebesinsel, um 1770. Museu Calouste Gulbenkian; © Calouste Gulbenkian Foundation, Lisbon. Foto: Catarina Gomes Ferreira