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Anna O. lernt denglisch in den Energieferien

Jun 19, 2013 bis Okt 6, 2013

tn Wie ein subtiler Kommentar zu Formaten der angewandten Kunst liest sich Verena Denglers MAK-Ausstellung "Sichwechsel #4: Verena Dengler - Anna O. lernt denglisch in den Energieferien". Mit der ihr eigenen Faszination für absurde Überhöhungen und paradoxe Interpretationen führt die 1981 in Wien geborene Künstlerin nach thematischen Schwerpunkten ausgewählte Objekte der MAK-Sammlung mit privaten Sammlungsgegenständen und eigenen Arbeiten, darunter Stickereien, Fotos, Malereien, Collagen und Fototapeten, zu einer dichten, narrativen Installation zusammen.

In eigens für die MAK-Ausstellung geschaffenen, skulpturalen Inszenierungen kon-textualisiert sie Kunstobjekte aus der "Mustersammlung" des MAK mit Verweisen auf Kunsthandwerk, ihre private Mode- und Textilsammlung, aber auch Lokalkultur. Die von der Künstlerin modifizierten Gegenstände thematisieren nicht nur das Verhältnis von Kunst und Handwerk, sondern auch Fragen nach subjektiven Sammelleidenschaften. Porzellanfiguren der MAK-Sammlung Asien setzt sie hier als fiktive Protagonisten ein.

Mit dem Ausstellungstitel "Anna O." lernt denglisch in den Energieferien stellt Dengler eine explizite Referenz zu Bertha Pappenheim (1859–1936) her, die als "Anna O." in die Geschichte der Psychoanalyse eingegangen ist. Sie war der oft zitierte erste "Fall" einer psychoanalytischen Gesprächstherapie, die Sigmund Freud und Josef Breuer entwickelten. Die bedeutende, aus Wien stammende jüdische Frauenrechtlerin ist aber auch als großzügige Kunstsammlerin bekannt. Auf zahlreichen Reisen durch Europa erwarb sie eine umfangreiche Sammlung von Spitzen und Eisenkunstguss, die sie dem Museum für Kunst und Industrie, heute MAK, im Jahr 1935 im Gedenken an ihre Eltern widmete.

Die Geschichte der Bertha Pappenheim verstrickt Dengler, selbst leidenschaftliche Sammlerin, in völlig unerwartete Kontexte, wie etwa das gegenwärtig inflationäre Thema des Energiesparens, das sie wiederum in Bezug zu den Energieferien, eine politische Sparmaßnahme während der Ölkrise, setzt. Skulptural inszeniert sie die Thematik mit der Kombination von zwei Leuchtern der MAK-Sammlung Metall mit gängigen Energiesparlampen.

Verena Denglers Vorliebe für textile und skurrile Musterzeichnungen kommt in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Arts and Crafts Movement zum Tragen. Insbesondere stellt sie konkrete Bezüge zu Laura Ashley her, mit deren Tapeten sie Sockel tapeziert, die sie wiederum in Kombination mit einem englischen Tapetenstoff der MAK-Sammlung Textilien und Teppiche und ihren eigenen Arbeiten präsentiert.

Ein Blick auf Wiener Lokalkolorit und Phänomene der Jugendkultur komplettiert den komplexen inhaltlichen Anspruch ihrer zweiten institutionellen Einzelausstellung. Der sozialdemokratischen Wiener Bildungskultur spürt sie etwa in Plakaten der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung nach, die sie teils im Original, teils als Reproduktionen, in ihre skulpturalen Settings integriert.


Anna O. lernt denglisch in den Energieferien
19. Juni bis 6. Oktober 2013

Graues Stickbild nach Vorlage Olympia von Tapex-Vienna, 2009. Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien; © Patrick Anthofer
Porträt der Künstlerin, Café Tirolerhof, 2010; © Verena Dengler
Porträt der Künstlerin, 2013; © Patrick Anthofer