Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

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weitere Ausstellungen

Liang Shuo. Distant tantamount Mountain

Jul 22, 2017 bis Okt 15, 2017

tn "Fünf Wochen Zeit - fünf Tonnen Holz" - so lange hat Liang Shuo in Baden-Baden gearbeitet, und das ist sein Material zum Bergeversetzen. Tatsächlich hat der chinesische Künstler altes Holz aus Abrisshäusern und die gesamte Holzverkleidung einer Turnhallendecke verwendet, um eine monumentale Berg-Konstruktion mitten hinein in die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zu bauen. Das gesamte Material stammt aus der Kurstadt und Umgebung.

Liang Shuo hat es geschichtet, er hat gebohrt und geschraubt – nun steht "Distant tantamount Mountain", eine Plastik, die sich durch alle Ausstellungsräume zieht. So werden auch die Besucherinnen und Besucher, die die Kunsthalle kennen, gefordert: sie müssen sich im Raum neu verorten, wenn sie über Holzplanken steigen, wenn sie ihren Weg durch das lichte Labyrinth im Bergmassiv finden wollen.

Die Einladung Liang Shuos ist das Ergebnis einer längeren Forschungsreise von Johan Holten, dem Direktor der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, die ihn im Frühjahr 2016 nach China führte. Im Mittelpunkt standen zahlreiche Atelier- und Ausstellungsbesuche, über 50 Künstler und deren Werk konnte Holten intensiv studieren. Liang Shuo überzeugte ihn vom Fleck weg, vor allem sein poetischer Umgang mit dem "Format Ausstellung". Dass eine Einzelausstellung mit Liang Shuo ein Experiment bedeutet, macht den besonderen Reiz aus: Wenig ließ sich im Vorfeld planen. "Distant tantamount Mountain" war work in progress.

Liang Shuo hat in seiner langjährigen Ausstellungspraxis ein System entwickelt, das auf einem nicht abgeschlossenen Regelwerk beruht. Wie in der alten chinesischen Tuschmalerei, in der beispielsweise Berge und Bäume nach festen Regeln entstehen, also der Reihenfolge und Art und Weise der Pinselführung, werden auch Liangs Plastiken zu freien Zeichnungen im Raum. Der Künstler folgt keiner im Vorfeld festgelegten Form. Stattdessen entwickeln er und sein Team jeden Tag aufs Neue vielfältige Gebilde, um daraus ein endgültiges Display zu generieren. Dabei steht die entstandene Bergformation explizit für eine mögliche Hügellandschaft, die heute noch anstelle der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden stehen könnte.

Liangs frühe Werkserien bestehen aus zusammengetragenen, meist billigen, industriell hergestellten Plastikmaterialien, wie Folien, Duschköpfen, Klebeband. Teilweise sind es auch alte Möbel, die er in seinen Findungsprozessen zu neuen Plastiken zusammenfügt. Liang folgt stets seinen eigenen, präzisen Verfahrensregeln. Dabei steht das Prinzip der Formfindung im Vordergrund, nicht die Oberfläche der schlussendlich gefundenen Gestalt.

Liang Shuo (*1976 im nordchinesischen Tianjin) lebt und arbeitet in Peking. Sein Studium der klassischen Bildhauerei an der Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Peking beendete er im Jahr 2000. Neben einer Vielzahl von Einzelausstellungen in China waren seine Werke bereits international in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen.


Liang Shuo. Distant tantamount Mountain
22. Juli bis 15. Oktober 2017

Liang Shuo: Temple of Candour, 2015. Mixed media Installation, unterschiedliche Größen, Detail; © Liang Shuo & Beijing Commune
Liang Shuo: Aufbau in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Installationsansicht, Aufbau; Foto: Judit Fruzsina Jesse. © der Künstler
Liang Shuo: Fit No. 02, 2013. Found objects, 303 x 103 x 303 cm; © der Künstler
Portrait Liang Shuo, 2017. Foto: Judit Fruzsina Jesse; © der Künstler