Museum für Kunst und Gewerbe

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Food Revolution 5.0 – Gestaltung für die Gesellschaft von morgen

Mai 19, 2017 bis Okt 8, 2017

tn Essen ist ein Sinnbild für das Leben, stiftet Identität, Heimat und kulturelle Regeln. Für den Ethnologen Claude Levi-Strauss markiert das Kochen von Nahrung die erste kulturelle Handlung des Menschen und damit den Beginn von Zivilisation und Handwerk. In der heutigen Überflussgesellschaft hat sich Essen allerdings zum kreativen Selbstdarstellungsmittel und zur Ersatzreligion entwickelt. Auf der anderen Seite machen explosionsartig steigende Bevölkerungszahlen, der Klimawandel, Ressourcenknappheit, Hunger und Überproduktion, wachsende Anforderungen an Gesundheit und Hygiene sowie geopolitische Krisen ein Umdenken bezüglich Produktion, Verpackung, Vertrieb, Konsum und Entsorgung zwingend notwendig.

In der Ausstellung "Food Revolution 5.0" beschäftigt sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) mit einer der dringlichsten Fragen des 21. Jahrhunderts: Wie sieht die Zukunft unserer Ernährung in einer durch schwindende Ressourcen geprägten Wachstumsgesellschaft aus? Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf die globale Nahrungsmittelindustrie und fragt, welche Visionen Gestalter, Architekten und Wissenschaftler für die dringend erforderlichen Veränderungen entwickeln. "Food Revolution 5.0" macht ihre Fragen und Forschungen für Besucher sicht- und erfahrbar und will dafür sensibilisieren, dass die Zukunft des Menschen entscheidend von der Zukunft der Ernährung abhängt.

Das MKG nähert sich dem komplexen Thema in vier Erzählsträngen, in denen die aktuellen Diskurse über Nahrung und Essen verhandelt werden: Farm, Markt, Küche, Tisch. Diese vier Denkräume verkörpern zugleich den Nahrungskreislauf von der Ressource über die Produktion und Verarbeitung bis hin zum Konsum. Die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts besteht in der Neuordnung des globalen Nahrungssystems in ein nachhaltiges, das es erlaubt, bei schwindenden Ressourcen eine immer größere Anzahl von Menschen zu ernähren, und dies im Einklang mit dem Ökosystem Erde. Die grundlegenden Fragen lauten: Wie kann und sollte die Zukunft des Essens und unserer Ernährung aussehen? Welche Konsequenzen ergeben sich für den Menschen und seine Ernährungsgewohnheiten? Welche Möglichkeiten und Kompetenzen besitzen Designer, um in diese komplexen Prozesse einzugreifen und sie in die richtige Richtung zu lenken?

Die Ausstellung begreift Ernährung und Essen als soziales Gesamtphänomen und damit als ein zentrales Gestaltungselement für eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft. Die gegenwärtige Nahrungsproduktion sowie die Agrarwirtschaft gehören zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Weltweit fordern Experten deshalb ein radikales Umdenken des gesamten Ernährungssystems. Auch die Konsumenten sind gefragt, ihr ambivalentes Verhältnis zu Kochen und Essen, Nahrung und Natur, Technik, Fortschritt und Lifestyle zu überdenken. Vor diesem Hintergrund führt die Ausstellung die Besucher durch vier Szenarien. Im Kapitel Farm steht die Ressource Nahrungsmittel im Zentrum. Die Ausstellung fragt nach Design-Ansätzen für alternative Anbaumethoden und Versorgungssysteme, nach den Zukunftsvisionen für eine regenerative Stadt sowie nach Optionen für alternative Nahrungsquellen.

Das Kapitel Supermarkt beschäftigt sich mit Food Design, der Verpackung und der Globalisierung der Nahrungsmittelindustrie. Welche funktionellen Anforderungen werden zukünftig an das Food Design gestellt in Bezug auf Gesundheit, Geschmack, Hygiene und Ästhetik? Welche Rolle spielt das Verpackungsdesign im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Branding? Wie muss die industrielle Produktion von Nahrung in Zukunft geregelt werden angesichts der Überproduktion und Vernichtung von Lebensmitteln auf der einen und steigenden Bevölkerungszahlen, Unterernährung und Hunger auf der anderen Seite.

Die Küche bildet den entscheidenden Schnittpunkt der Versorgung. Sie ist ein Spiegel sozio-ökonomischer Prägungen und Entwicklungen und bündelt die globale Welt auf wenigen Quadratmetern. In diesem Kapitel geht es um die Ideen der Designer für die Küche der Zukunft und die Konsequenzen, die sich daraus für unser Ernährungswissen, unseren Alltag und für die Wertschätzung von Nahrung ergeben. Im Kapitel Tisch erscheinen Speisen und Gerichte als Akteure im sozialen Akt des Essens. Hier stellt sich die Frage nach dem Eigenen und dem Fremden, das sich in den Ernährungsgewohnheiten und Tischsitten als kulturelle Kodierung niederschlägt.

Parallel zu den vier Denkräumen werden internationale Food-Designer, darunter Martí Guixé (ES), Marije Vogelzang (NL), Sonja Stummerer & Martin Hablesreiter (A) sowie Andrea Staudacher (CH), eingeladen, ein neues Projekt für die Ausstellung zu entwickeln. Neben weiteren Modellen, u.a. von Cloé Rutzerveldt (NL), Futurefarmers, Werner Aisslinger, Johanna Schmeer, Carolin Schulze (D) oder Paul Gong (TW) wird das Labor erweitert durch aktuelle Forschungsergebnisse aus internationalen Hochschulen und Forschungszentren, die für die Ausstellung in eine neue künstlerisch-ästhetische Ordnung übersetzt werden. Dazu gehören der Joint European Master Food Innovation and Product Design in Paris, das Food Non Food Department der Designakademie Eindhoven, das Design Department der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, die Fakultät Architektur der Leibniz-Universität Hannover sowie das Fraunhofer Institut "Umsicht".


Food Revolution 5.0 – Gestaltung
für die Gesellschaft von morgen

19. Mai bis 8. Oktober 2017
Eröffnung: 18. Mai 17, 19 Uhr

Johanna Schmeer: 'Bioplastic Fantastic'; © Johanna Schmeer
Faltazi: 'Ekokook'; © Faltazi
Chloé Rutzerveld: 'Edible Growth' 2014; © Chloé Rutzerveld
Andrea Staudacher: 'Andrea’s Future Food Lab'; © Foto: Simon Staehli