Albertina

Albertinaplatz 1
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 534 83-555
F: 0043 (0)1 534 83-430

E: info@albertina.at
W: http://www.albertina.at/


weitere Ausstellungen

Wiener Albertina zeigt Egon Schiele

Feb 22, 2017 bis Jun 18, 2017

tn Sie sind leidenschaftlich und höchst subjektiv, schonungslos und zugleich allegorisch: die Meisterwerke Egon Schieles. Zum Auftakt des Gedenkens an seinen 100. Todestag leitet die Albertina schon 2017 den Reigen der großen Jubiläumsausstellungen zu Schiele ein: 180 seiner schönsten und bedeutendsten Gouachen & Zeichnungen führen in ein künstlerisches Werk ein, das sein großes Thema in der existenziellen Einsamkeit des Menschen findet.

Egon Schiele ist nicht nur Mitbegründer des Expressionismus und neben Klimt eine der beiden Schlüsselfiguren der Wiener Jahrhundertwende, er ist vor allem der größte Zeichner des 20. Jahrhunderts. Zwölf Jahre nach der letzten großen Schiele-Ausstellung zeigt die Albertina das grafische Werk des Künstlers, das in seinem Schaffen als autonome Gattung einen spezifisch hohen Rang einnimmt.

Unmittelbar nach seinem Studium an der Akademie, bei dem er vor allem Studien nach den strengen Vorschriften des dortigen Lehrbetriebs anfertigt, wendet sich der junge Schiele zunächst dem Jugendstil zu, wobei er vor allem in Klimt sein Vorbild findet. Doch im Gegensatz zu Klimt, dessen Zeichnungen als Ideen, Entwürfe oder Skizzen für seine Gemälde dienen, betrachtet Egon Schiele seine Arbeiten auf Papier bald als eigenständige, als autonome Kunstwerke. Um 1910 findet er als kaum Zwanzigjähriger zu einem ganz unverwechselbaren, eigenem Stil – dies vor allem in seiner Zeichenkunst.

Mit sicherer, kräftiger Linienführung umschreibt er seinen Bildgegenstand, der meist der menschliche Körper ist. Einerseits charakterisiert er ihn durch treffsichere Konturierung, andererseits verfremdet er ihn durch gewagte Perspektiven, durch überspitzte Gestik und Mimik und durch dessen Fragmentierung. Gerade in seinen präzise kalkulierten Zeichnungen erschließt er in Bezug auf Ikonographie und Farbgebung neues Terrain. Nicht zufällig wird das zeichnerische OEuvre des Künstlers als seiner Malerei mindestens ebenbürtig geschätzt - der Zeichner Schiele ist dem Maler Schiele sogar weit überlegen.

Obwohl Schiele die internationalen Kunstströmungen seiner Zeit interessiert verfolgt und auch Werke der Kubisten wie Pablo Picasso, der Futuristen, der Expressionisten und der frühen Abstrakten kennt, bleibt er doch immer der Gegenständlichkeit verpflichtet und schlägt nie den Weg zur Abstraktion ein. Nicht zuletzt aufgrund der expressiven Qualitäten seiner Arbeiten auf Papier wird er neben Oskar Kokoschka als der bedeutendste österreichische "Expressionist" betrachtet.

Im Gegensatz zu den deutschen Expressionisten, die den Schwerpunkt auf die Eigenständigkeit der Formen legen und folgerichtig auch zur Abstraktion gelangen, kann und will Schiele den Gegenstand nicht verlassen, denn ihm geht es letztlich immer um eine konkrete, inhaltliche Aussage, eine Botschaft, die in der Abstraktion verloren gehen würde. Vielleicht ist es aber gerade dieser leidenschaftliche Versuch des Künstlers, etwas über unsere Welt und über die existentielle Befindlichkeit des Menschen mitzuteilen, die uns noch heute so direkt anspricht, und uns so in den Bann zieht.

Trotz seiner kurzen Lebensspanne (1890–1918) und einer kaum mehr als zehn Jahre währenden Phase künstlerischen Schaffens hinterließ Egon Schiele ein umfangreiches Werk. Es umfasst, seine Skizzenbücher nicht mitgerechnet, über 330 Gemälde und über 2500 Zeichnungen. Die Albertina besitzt mit 180 Arbeiten Werke aus jeder Phase des so kurzen Schaffens des jung verstorbenen Genies: Die Sammlung beinhaltet 160 Zeichnungen sowie 13 Skizzenbücher und darüber hinaus viele wertvolle Dokumente und Erinnerungen an sein Leben.

Die Ausstellung in der Albertina veranschaulicht nicht nur die Dynamik der wechselnden Perspektiven – die Nähe und Ferne zu den Porträtierten, zum Aktmodell oder zum Landschaftsmotiv – in Schieles Zeichenprozess. Vielmehr wird der Versuch unternommen, die vielfältigen Inspirationsquellen des Künstlers aufzuzeigen, um einen neuen Zugang zur Entschlüsselung seines oft so rätselhaft-allegorischen Werks zu bekommen. Aus dieser Perspektive erweist sich Schiele nicht nur als Künstler von größtmöglicher Freiheit und ästhetischer Autonomie, sondern zugleich auch als ein Verfechter hoher Ethik und leidenschaftlicher Spiritualität.

Die umfangreiche Kollektion der Albertina bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung, die um einzelne, bedeutende Leihgaben aus nationalen und internationalen Sammlungen und Museen ergänzt wird. So richtet die Schau einen einzigartigen Blick auf die künstlerische Entwicklung Schieles, die sein plötzlicher Tod im Alter von nur 28 Jahren so jäh beenden sollte.


Egon Schiele
22. Februar bis 18. Juni 2017

Weibliches Liebespaar, 1915. © Albertina, Wien
Alte Häuser in Krumau, 1914. © Albertina, Wien
Schwarzhaariger Mädchenakt, 1910. © Albertina, Wien
Felderlandschaft (Kreuzberg bei Krumau), 1910. © Albertina, Wien
Sitzende Frau mit hochgeschobenem Kleid, 1914. © Albertina, Wien
Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt, 1917. © Albertina, Wien
Selbstbildnis mit Pfauenweste, 1911. © Ernst Ploil, Wien