Städel Museum

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weitere Ausstellungen

Der Lieblingsmaler des deutschen Volkes

Jul 3, 2013 bis Sep 29, 2013

tn Vom 3. Juli bis 29. September 2013 zeigt das Städel Museum die Überblicksausstellung "Hans Thoma. Lieblingsmaler des deutschen Volkes", die sich dem Lebenswerk des um 1900 in Deutschland gefeierten Malers und Grafikers zuwendet. Die Präsentation spürt der Frage nach, warum der einst von Publikum und Kunstkritik als "größter deutscher Meister" bezeichnete Hans Thoma (1839–1924) um die Jahrhundertwende enorme Popularität erlangte, und sucht nach Erklärungen dafür, dass Thoma nach 1945 zunehmend anders bewertet wurde.

Anhand von über 100 Werken zeigt die erste museale Überblicksausstellung zu Hans Thoma in Deutschland seit über 20 Jahren, dass Thoma weit mehr war als nur der Maler pittoresker Schwarzwald-Landschaften, mit denen er heute vielfach verbunden wird. Die Strenge und Präzision in Thomas Werken irritieren. Seine Malerei verbindet realistische und symbolistische Tendenzen und nimmt wichtige Elemente des Jugendstils sowie der Neuen Sachlichkeit vorweg. Diese künstlerische Vielfalt und Thomas Rolle als Schlüsselfigur einer "deutschen Kunst" um 1900 – eine Deutung, die sich als Instrumentalisierung bis in den Nationalsozialismus fortsetzte – machen ihn zu einem Phänomen, das eine Neubewertung erfordert. In der Ausstellung bieten sowohl das motivisch und medial vielfältige Werk Thomas als auch eine ungewöhnliche zeitgenössische Inszenierung zahlreiche Überraschungen für die Besucher.

Das Städel Museum besitzt neben der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe mit über 80 Gemälden und mehreren Hundert Arbeiten auf Papier die umfangreichste Thoma-Sammlung weltweit. Die letzte monografische Thoma-Präsentation im Städel Museum fand 1934 statt. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden die Werke aus der städeleigenen Thoma-Sammlung nur vereinzelt gezeigt. Die kritische Annäherung an Thomas Kunst und deren Rezeptionsgeschichte, die ein ebenso spannendes wie bedeutsames Kapitel der deutschen Kulturgeschichte darstellen, ist ein zentrales
Anliegen der Ausstellung.

Im Zentrum des Interesses steht die Aufarbeitung der eigenen Thoma-Sammlung. Bewusst verzichtet die Ausstellung daher auf Leihgaben und konzentriert sich ganz auf die eigenen Bestände. Die Präsentation will das komplexe Werk des Künstlers differenziert beleuchten und zeigt ein wohl für viele Betrachter unerwartet facettenreiches OEuvre. Es umfasst Gemälde und Druckgrafiken ebenso wie Wanddekorationen, Kalender, Postkartenbücher oder Kinderfibeln. Thoma schuf religiöse und mythologische Szenen, setzte Motive aus den Opern Richard Wagners um. Mit ganz unterschiedlichen Bildgattungen und Themen bediente er ein Publikum, das in der Kunst Werte und Inhalte zur Stiftung einer nationalen Identität zu finden hoffte.

Dabei nimmt das Städel Museum auch seine eigene Sammlungsgeschichte genauer in den Blick. So erfuhr Hans Thoma insbesondere von Henry Thode, der das Institut von 1889 bis 1891 leitete, enorme Unterstützung und Förderung. Auch die Ankaufspolitik des Städel Museums während der 1930er-Jahre wird näher beleuchtet, zumal ein Großteil des Thoma-Bestandes 1939 ins Haus kam.

Der 1839 in Bernau im Schwarzwald geborene Thoma malte schon früh Porträts und Landschaftsszenen aus seiner Heimat. 1859 erhielt er ein Stipendium des Großherzogs Friedrich I. von Baden für den Besuch der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe. Zu seinen Lehrern zählten Johann Wilhelm Schirmer, Ludwig des Coudres und Hans Canon. Thoma schloss sein Studium 1866 ab und versuchte anschließend in Basel vergeblich, eine Anstellung als Zeichenlehrer zu finden. 1867 zog er nach Düsseldorf, wo er mit dem Frankfurter Maler Otto Scholderer Freundschaft schloss. Gemeinsam reisten sie 1868 nach Paris und besuchten eine Ausstellung Gustave Courbets, dessen Malerei Thoma sehr beeindruckte.

Zwei Jahre später siedelte Thoma nach München um und bewegte sich in der Folgezeit im Umkreis von Wilhelm Leibl. Das Zusammentreffen mit Arnold Böcklin inspirierte Thoma zur Auseinandersetzung mit allegorisch-mythologischen Themen und zur Beschäftigung mit Italien. Er reiste insgesamt fünf Mal dorthin und machte während dieser Auslandsaufenthalte die Bekanntschaft von Adolf von Hildebrand und Hans von Marées. 1875 lernte Thoma in München seine spätere Frau Bonicella "Cella" Berteneder kennen. Sie wurde seine Schülerin und wiederholt zu seinem Modell. Zwischen 1877 und 1899 lebte Thoma in Frankfurt, zunächst in der Lersnerstraße, später in der Wolfsgangstraße. In der Mainzer Landstraße teilte er sich anfangs ein Atelier mit Wilhelm Steinhausen, mit dem er in Karlsruhe studiert hatte.

In Frankfurt fand Thoma einen Kreis von Unterstützern und konnte erste Erfolge mit seiner Kunst verbuchen. Er verließ die Stadt aufgrund seiner Berufung zum Direktor der Großherzoglichen Gemäldegalerie Karlsruhe (heute Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) und zum Professor der Großherzoglich-Badischen Akademie der Bildenden Künste. Zu seinem 70. Geburtstag eröffnete ein Anbau der Gemäldegalerie mit dem Hans-Thoma-Museum und der vom Künstler selbst ausgestatteten Hans-Thoma-Kapelle, die noch heute dort zu besichtigen ist. Hans Thoma starb am 7. November 1924 in Karlsruhe.


Katalog: Felix Krämer, Max Hollein (Hg.): Hans Thoma. "Lieblingsmaler des deutschen Volkes". Mit Beiträgen von Felix Krämer, Felicity Grobien, Nerina Santorius, Paula Schwerdtfeger, Simona Hurst, Brigitte Sahler und Maureen Ogrocki. Wienand Verlag, Köln, deutsche Ausgabe, ca. 160 Seiten, ISBN 978-3-941399-28-0, 24,90 Euro.

Hans Thoma. Lieblingsmaler des deutschen Volkes
3. Juli bis 29. September 2013

Drei Meerweiber, 1879. Öl auf Leinwand; Städel Museum, Frankfurt am Main. Foto: Städel Museum – ARTOTHEK
Siegfried, Kriegskarte, 1914. Städel Museum, Frankfurt am Main; Foto: Städel Museum
Zug der Götter nach Walhalla, 1880. Städel Museum, Frankfurt am Main; Foto: U. Edelmann - Städel Museum – ARTOTHEK
Wotan und Brünhilde, 1876. Städel Museum, Frankfurt am Main; Foto: U. Edelmann - Städel Museum – ARTOTHEK
Hans Thoma - Selbstbildnis vor Birkenwald, 1899. Öl auf Leinwand; Städel Museum, Frankfurt am Main. Foto: Edelmann - Städel Museum – ARTOTHEK