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Prinzhorns Schweizer

Dez 5, 2017 bis Mär 4, 2018

tn Mit der Ausstellung "Prinzhorns Schweizer" wird die Historie der berühmten Sammlung Prinzhorn zum ersten Mal als Teil der Schweizer Geschichte der Art Brut formuliert. Dabei ist sowohl auf die zeitliche Parallelität zwischen Hans Prinzhorns Publikation "Bildnerei der Geisteskranken" (1922) und die des Schweizer Psychiaters Walter Morgenthaler, "Ein Geisteskranker als Künstler – Adolf Wölfli" (1921), zu verweisen als auch auf die Wiederentdeckung der Sammlung Prinzhorn 1963 durch den Schweizer Kurator Harald Szeemann.

Dem Aufruf Hans Prinzhorns folgend, schicken psychiatrische Anstalten des gesamten deutschsprachigen Raumes zwischen 1919 und 1922 künstlerische Patientenarbeiten zu Hans Prinzhorn an die Heidelberger Psychiatrische Klinik für ein geplantes "Museum für pathologische Kunst". Auch aus den Schweizer Anstalten gelangen Werke nach Heidelberg. Manche der Schweizer "AnstaltskünstlerInnen" haben inzwischen internationale Berühmtheit erlangt und andere Künstler beeinflusst. Neben Adolf Wölfli ist Heinrich Anton Müller zu nennen, ohne dessen Maschinenträume in der Anstalt Münsingen die Maschinenkunst Jean Tinguelys nicht denkbar wäre. Auch Daniel Spoerri, durch den Tinguely Müller entdeckt hat, würdigt ihn, während sich Bernhard Luginbühl wiederum auf Wölfli bezieht. Von massiven Ängsten bedroht, hält sich der deutsche Maler Ernst Ludwig Kirchner 1917/18 im Privatsanatorium Bellevue in Kreuzlingen auf. Dort zeigt ihm der Psychiater Ludwig Binswanger Gemälde der Patientin Else Blankenhorn. Für Kirchner sind sie "Kunstwerke höchster Art", die ihn neu inspirieren.

Von allen 22 KünstlerInnen aus Schweizer Anstalten sind Werke ausgestellt. Sie kommen aus Herisau, Kreuzlingen, Münsingen, Münsterlingen, Neuchâtel, der Rheinau, Schaffhausen, der Waldau bei Bern, Wil und Zürich – quer durch die ganze Schweiz. Darunter lassen sich auch noch unbekannte Werke entdecken. Es fällt auf, dass insbesondere die psychiatrischen Einrichtungen der Ostschweiz rege dem Ruf aus Heidelberg gefolgt sind und viele Arbeiten geschickt haben. Mit sieben KünstlerInnen sticht die Kantonale Psychiatrische Klinik Herisau AR hier stark hervor.

Eine besondere Würdigung erhält der Plastiker vom Bodensee, Karl Maximilian Würtenberger (1872–1933) aus Emmishofen TG. Noch nie wurde sein keramisches Werk seinen Zeichnungen gegenübergestellt, die in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern entstanden und heute ebenfalls in der Sammlung Prinzhorn aufbewahrt sind. Sie belegen, dass der für die Öffentlichkeit "lebendig Begrabene" auch in der Anstalt durchgehend künstlerisch gearbeitet hat – nicht nur zeichnerisch, sondern auch keramisch. Tatsächlich ist zu vermuten, dass bis heute nicht verortete Arbeiten in der Illenau geschaffen wurden.

Parallel zeigt die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz eine Ausstellung des Malerbruders "Ernst Würtenberger – Ein deutscher Maler in der Schweiz" (2. Dezember 2017 bis 1. April 2018).


Prinzhorns Schweizer
5. Dezember 2017 bis 4. März 2018

Else Blankenhorn (1873-1920): Reiter, vor 1917. Öl auf Leinwand, 42 x 46,5 cm, Inv. Nr. 4219; © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg
Heinrich Anton Müller (1869-1930, Münsingen): «Un arbre vigne / Une petite fille morte / Un arbre Pantouffle Cendrillon», um 1919. Farbstift auf Zeichenpapier, 31,3 x 47,3 cm, Inv. Nr. 1636 recto; © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelber
Adolf Wölfli (1864-1930, Waldau): «Die heilige Einigkeit», 1917. Bleistift, Farbstift auf Papier, 50 x 38 cm, Inv. Nr. 4862; © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg