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Good Vibrations - Kunst und Physik

Jan 30, 2013 bis Apr 7, 2013

tn Mechanik, Akustik, Optik, Wärmelehre – das sind Begriffe, die uns aus dem Physikunterricht erinnerlich sind. Doch was haben sie mit Kunst zu tun? Fängt nicht Kunst gerade dort an, wo die Wissenschaft aufhört? Diese Ansicht ist ein Relikt aus dem späten 19. Jahrhundert, als sich zwischen Wissenschaft und Kultur ein tiefer Graben auftat.

Heute finden Kunstausstellungen wie selbstverständlich im naturwissenschaftlichen Kontext statt. Physiker zeigen ihre Experimente und Projekte neben Kunstwerken, wie jüngst auf der documenta 13. Umgekehrt finden Kunstwerke Aufstellung in Wissenschaftsmuseen. In der zeitgenössischen Kunst erleben die Naturwissenschaften seit einiger Zeit einen erneuten Boom, sind sie doch in unserer Zeit mehr denn je allgegenwärtig.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. Die Kluft zwischen Kunst und Naturwissenschaft zuzuschütten haben sich viele Köpfe aus beiden Lagern zur Aufgabe gemacht. Antiakademische Künstler benutzten die Erkenntnisse der Physik, um ihrem Schaffen abseits eingetretener Pfade neue Möglichkeiten zu erschließen. Die Abstrakte Kunst ist ebenso in diesem Zusammenhang zu nennen wie Kubismus, Futurismus und Konstruktivismus. Marcel Duchamp dagegen konterkarierte die Wissenschaft auf humoristische Weise. Er war es auch, der mit seinem Bicyclette 1913 erstmals Bewegung in einer Plastik sichtbar machte. Über Naum Gabo, Lázló Moholy-Nagy und Alexander Calder führt der Weg direkt zu kinetischer Kunst und Op Art. Hier wird Bewegung zum Gestaltungsprinzip. Die ausgestellten Werke beruhen auf verschiedenen physikalischen Phänomenen, jedoch steht zumeist Bewegung in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen im Fokus. An ihnen wird die enge Beziehung der auf den ersten Blick so unterschiedlichen Bereiche Kunst und Physik anschaulich. Eine Werkgruppe lässt sich in Schwingung versetzen, die zweite fordert den Betrachter selbst zur Bewegung auf und die dritte verharrt in einem labilen Gleichgewicht.

Die Plastiken des studierten Physikers Martin Willing beispielsweise erwachen auf Berührung hin zum Leben und veranschaulichen so auf einfache Weise die hinter ihnen steckenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Dagegen fordert die Kleine Minimal Music Klangwand von Peter Vogel den Betrachter zur Bewegung auf. Nur so sind dem aus Draht, Kondensatoren, Dioden, Widerständen und Fotozellen aufgebauten Kunstwerk Töne zu entlocken. Von besonderer Faszination sind die Objekte von Ludwig Wilding. Der bedeutende Vertreter deutscher Op Art erzeugt mit minimalen Mitteln optische Phänomene, die unseren Wahrnehmungsapparat fordern. Wer sie betrachtet, wird förmlich in einen Scheinraum hineingezogen. Dagegen scheinen die optischen Wandobjekte von Leo Breuer und Jesus Raphael Soto zu vibrieren, wenn man an ihnen vorbeigeht. Werner Bauer und Marta Hoepffner experimentieren mit Licht und bringen den Betrachter mit überraschenden Effekten zum Staunen. Wolfgang Nestler, Eric Snell und Kenneth Snelson spielen in ihren Werken mit Gleichgewicht und Schwerkraft. Allen Werken gemein ist die überaus ästhetische Anmutung, die nicht zuletzt auf ihren physikalischen Grundlagen beruht. Selten war es so schön, etwas über Physik zu erfahren.

Begleitet wird die Ausstellung vom Pfalztheater Kaiserslautern, das in den Räumen des mpk das Theaterstück "Kopenhagen" von Michael Frayn aufführt. Es basiert auf einem in Kriegszeiten geführten Gespräch zwischen den Atomphysikern Werner Heisenberg und Niels Bohr 1941 und thematisiert Fragen nach der Verantwortung der Wissenschaft. Premiere ist am 31. Januar um 20 Uhr.


Good Vibrations - Kunst und Physik
30. Januar 2013 bis 7. April 2013

Werner Bauer: L36/91, 1991. Holz, Forex, Plexiglas, Leuchtstoffröhre, Acrylfolie, 127 x 110 x 15 cm. mpk, Foto: Andreas Kusch, Kaiserslautern; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Werner Bauer: L36/91 (Detail), 1991. Holz, Forex, Plexiglas, Leuchtstoffröhre, Acrylfolie, 127 x 110 x 15 cm. mpk, Foto: Andreas Kusch, Kaiserslautern; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Kenneth Snelson: Greene Street III, 1975/93. Rostfreier Stahl, 83,5 x 68 x 60 cm. mpk, Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern
Martin Willing: Doppelschwinger, Massen peripher, 1997. Duraluminium aus einem Block erodiert, 10 x 100 x 5 cm, Standplatte: 1,5 x 105,2 x 10 cm. mpk, Foto: Andreas Kusch, Kaiserslautern; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013