Oberes Belvedere

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Die Formalisierung der Landschaft

Mai 28, 2013 bis Sep 8, 2013

tn Mit der Ausstellung "Formalisierung der Landschaft - Hölzel, Mediz, Moll u. a." widmet sich das Belvedere in der Reihe Meisterwerke im Fokus erstmals nicht dem Schaffen eines einzelnen in der Sammlung vertretenen Künstlers, sondern thematisiert ein Phänomen in der Landschaftsdarstellung des späten 19. Jahrhunderts, das sinnbildhaft die Schwelle zur Flächenkunst des Jugendstils markiert: die Reduktion und Formalisierung landschaftlicher Motive.

Diese neue Auffassung wies um 1900 einen Weg zur Entwicklung aus dem Impressionismus heraus. Sie lässt sich insbesondere im Werk von Adolf Hölzel sowie in jenen seiner Freunde und Schüler, wie Carl Moll, Karl Mediz, Emilie Mediz-Pelikan oder Theodor von Hörmann, nachvollziehen. Inspiriert von der Umgebung, fand Hölzel in Dachau zu jener neuen Landschaftsauffassung, aus der er die Konsequenz eines gewandelten Kunstverständnisses zog.


Das Dachauer Moor bei München wurde um 1850 zum Ziel zahlreicher Landschaftsmaler, die überzeugt davon waren, dass die reine, unberührte Natur ihre beste Lehrmeisterin sei, und sich nach und nach im Umland niederließen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Region zu einem weithin bekannten Zentrum der Freilichtmalerei – vor allem dank dreier Künstler, die als Neu-Dachauer ihren Platz in der Kunstgeschichte fanden: Adolf Hölzel, Ludwig Dill und Arthur Langhammer. Die in dieser Künstlerkolonie übliche Malerei unter freiem Himmel stellte den damals verbindlichen Kunstbegriff infrage; das Skizzieren in der Natur war zwar üblich, normalerweise blieb es aber bei Studien, die erst im Atelier auf die Leinwand übertragen wurden.

Mit seinem Umzug von München nach Dachau änderte Adolf Hölzel, dessen Geburtstag sich heuer im Mai zum 160. Mal jährt, seine Malweise trotz anfänglicher Empörung vieler Kollegen grundlegend. Für ihn wurde Malerei zur Forschung an den künstlerischen Mitteln. Hölzel richtete seinen Fokus auf den elementaren Aufbau der Bildkomposition, weg von der Abbildhaftigkeit eines Landschaftsausschnittes. Die mehrmalige Wiedergabe des Baummotivs wandelte sich von der illusionistischen Valeurmalerei durch eine Kontrastierung von hellen und dunklen Flächen zur ornamental anmutenden Reduktion der Formen.

Aus dieser neuen Landschaftsauffassung zog Hölzel die Konsequenz eines gewandelten Kunstverständnisses, das er 1901 in seiner Schrift Über Formen und Massenvertheilung im Bilde festhielt, die erstmals in der viel rezipierten, äußerst einflussreichen Zeitschrift der Wiener Secession, Ver Sacrum, veröffentlicht wurde. In seiner Abhandlung manifestierte Hölzel die Betrachtung von ornamentalisierter Natur als Wiedergabe in der Fläche sowie die damit verknüpften formalen und strukturellen Anforderungen an den Bildaufbau. Landschaft sollte die Ausgangslage für etwas dauerhaft Gültiges, universal Anwendbares in seiner Kunst werden. Bald reichte Hölzels Ruf weit über Dachau hinaus, und viele Künstler besuchten die von ihm begründete Malschule.

In Malerei, Grafik und Fotografie kam es damals trotz individueller künstlerischer Unterschiede zu vergleichbaren Ergebnissen, die ein gemeinsames Ziel verfolgten – die Entfernung von der Abbildhaftigkeit eines Landschaftsausschnitts zugunsten eines methodischen, konzeptuellen Aufbaus der Bildkomposition. Die Ausstellung Formalisierung der Landschaft - Hölzel, Mediz, Moll u. a. zeigt erstmals auf, welch zentrale Rolle die ornamentale Form in der Landschaftsmalerei um 1900 einnahm. Zudem werden jene Einflüsse erkennbar, die aus Dachau in die Wiener Kulturszene hineinwirkten, sowie die Reaktionen und Impulse, die in der Folge vor allem von der Wiener Secession ausgingen.

Fast alle in der Schau vertretenen Künstler suchten das Dachauer Moor auf oder lebten einige Zeit in der Region. Vor allem anhand des Motivs markanter Bäume bzw. Baumgruppen lässt sich die Entwicklung von der anfänglich illusionistischen Wiedergabe der Landschaft zu einer Konzentration auf ornamental anmutende Formen nachvollziehen. Es wird deutlich, wie sich das Landschaftsbild letztlich zu einem rhythmischen Wechsel von Hell- und Dunkelflächen wandelte.


Formalisierung der Landschaft
Hölzel, Mediz, Moll u. a
28. Mai bis 8. September 2013

Adolf Hölzel: Silberpappeln, 1900. Öl auf Leinwand, 68 x 84,4 cm; © Belvedere, Wien
Karl Mediz: Einsamkeit, um 1902-03. Öl auf Leinwand, 132 x 184 cm; © Belvedere, Wien
Carl Moll: Heldenplatz mit Flieder, um 1900-05. Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm; © Belvedere, Wien