Museen Haus Lange und Haus Esters

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weitere Ausstellungen

Less is still more

Apr 28, 2013 bis Sep 1, 2013

tn Michael Craig-Martin, 1941 in Dublin geboren, wuchs in den Vereinigten Staaten auf. Von 1961 bis 1966 studierte er an der Yale University, New Haven, Connecticut; danach ließ er sich in Großbritannien nieder. Seit 1968 lebt er in London, wo er während seiner Lehrtätigkeit am Goldsmiths College of Art, University of London (1971–2000) den Werdegang zahlreicher jüngerer Künstler – unter ihnen Angela Bulloch, Thomas Demand, Liam Gillick, Damien Hirst, Gary Hume, Sarah Lucas, Julian Opie – begleitet hat. Seit den 1970er Jahren gehört Craig-Martin zu den führenden Vertretern der britischen Konzeptkunst.

Nachdem Craig-Martin in London einige Jahre mit realen Objekten gearbeitet hatte, begann er 1977, ein visuelles Vokabular alltäglicher Dingen zu erstellen – und diese Arbeit hält bis heute an. Das Vokabular besteht aus Umrisszeichnungen von Gegenständen nach eigenen Fotografien; der Künstler nennt sie "pictorial readymades". "Die Gegenstände, die zu zeichnen ich mich entschied", so Craig-Martin, "waren alle sehr alltäglich, gut wiedererkennbar, künstlich hergestellt, reproduzierbar und maschinell gefertigt. Ich wählte sie aus, weil sie für mich eine wirklich universelle Sprache in der modernen Welt konstituierten." 1978 übertrug er die Zeichnungen großformatig auf Wände; dabei setzte er zum ersten Mal multiple, sich überlagernde Motive ein. Dieses Konzept widmete sich der grundlegenden Fragestellung, inwieweit die Darstellung eines Gegenstandes den Gegenstand repräsentiert – anknüpfend an die bildkritischen Untersuchungen des belgischen Künstlers René Magritte.

Einen entscheidenden Schritt machte Craig-Martin 1993, als er seine Zeichnungen zum ersten Mal farbig fasste. Im Unterschied zu der weitgehend neutralen und restriktiven Handhabung der Umrisszeichnungen, bei denen er nur den Maßstab veränderte, erlaubte er sich im Hinblick auf die Farbgestaltung alle nur denkbaren Freiheiten. Seither hat er eine Fülle von temporären und permanenten Wandmalereien geschaffen, bei denen die Wände eines gegebenen Raumes wie betretbare Gemälde funktionieren. Daneben hat er seit den späten 1980er Jahren ein eigenständiges OEuvre von Tafelbildern entwickelt, und dies kommt bei seiner Arbeit für das Museum Haus Esters zum Tragen.

Die Ausstellung besteht aus einer Serie von 16 Gemälden ganz unterschiedlichen Formats, die eigens für Haus Esters konzipiert und gemalt wurden. Sie zeigen allesamt Alltagsgegenstände, die einem häuslichen Kontext angehören – persönliche Gegenstände wie ein Herrenhemd, ein Damenschuh, ein Fahrradhelm, ein iPhone – ebenso wie Gegenstände, die zum allgemeinen Bestand eines Hauses gehören: Sitzgelegenheiten, eine Leuchte, ein Vorhängeschloss, eine Suppendose. So gesehen führt der Künstler das Museum auf seine ursprüngliche Funktion als Wohnhaus zurück. Mit der Präsentation der Gegenstände lässt er den Betrachter die Villa als etwas Lebendiges, Bewohntes imaginieren.

Und das geht sogar über das Innere des Hauses hinaus in den Garten, wo Craig-Martin zwei überlebensgroße, transparente Skulpturen – eine Forke und ein Gartentor – installiert hat. Insofern, als zum bildlichen Inventar der Ausstellung sowohl historische Gegenstände wie zwei Sessel von Mies van der Rohe, als auch aktuelle Gegenstände wie iPhone, Laptop oder Energiesparleuchte gehören, kreiert der Künstler zugleich einen ausgedehnten zeitlichen Horizont des Wohnens in der Villa. Entscheidend für die Anschauung des Ganzen ist allerdings, dass man beim Gang durch die Ausstellung ständig mit eklatanten Wendungen im Hinblick auf Maßstab, Farbigkeit und Bildraum konfrontiert wird. Dadurch interpretiert der Künstler die Räume auf ganz neue Weise und zugleich im Mies’schen Sinne (Less is still more) – und er verleiht dabei den gewöhnlichen Dingen ein Geheimnis, das allein in den Bildern aufbewahrt wird.


Michael Craig-Martin: Less is still more
Museum Haus Esters
28. April bis 1. September 2013

Untitled (briefcase blue), 2012. Acryl/ Aluminium, 200 x 310 cm; © M. Craig-Martin, courtesy Gagosian Gallery
Untitled (high heel), 2013. Acryl/ Aluminium, 60 x 60 cm; © M. Craig-Martin, courtesy Gagosian Gallery
Untitled (sofa), 2012. Acryl/ Aluminium, 122 x 122 cm; © M. Craig-Martin, courtesy Gagosian Gallery
Untitled (corkscrew), 2013. Acryl/ Aluminium, 122 x 122 cm; © M. Craig-Martin, courtesy Gagosian Gallery
Untitled (shirt), 2012. Acryl/ Aluminium, 122 x 122 cm; © M. Craig-Martin, courtesy Gagosian Gallery