Zündstoff - Wachs in der Kunst

Okt 21, 2012 bis Feb 3, 2013

tn Seit dem Beginn der Moderne haben sich die Hierarchien und Grenzen der Kunstgattungen aufgelöst. Heute werden alle Bereiche der menschlichen Kreativität zu Spielfeldern der Kunst. Seit 2008 widmet sich das Museum Villa Rot in einer Ausstellungsreihe der zeitgenössischen Rezeption historischer Volkskünste und der Erneuerung traditioneller Techniken an der Schnittstelle zwischen angewandter und freier Kunst. Im Rahmen dieser Reihe befasst sich die Ausstellung "Zündstoff" mit dem Interesse an der freien künstlerischen Arbeit in und mit Wachs.

Wachs - eines der ersten Materialien plastischen Gestaltens - lässt sich manuell formen, schmelzen, gieflen, mischen, einfärben oder bemalen und immer wieder aufs Neue verändern. Seit der Antike wurde Wachs als ein edler, vielfältig einzusetzender Werkstoff verwendet. Auf seinem Weg in die Gegenwart wurde es jedoch zum randständigen Medium, das seit dem Klassizismus allein als Material für figürliche Modelle sowie im Bereich der Volkskunst und des Kunsthandwerks Anwendung fand.Nach einigen singulär gebliebenen Experimenten wenden sich vor allem seit dem Ende des 20. Jahrhunderts Künstler wieder vermehrt der Auseinandersetzung mit dem Wachs zu. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und zur Überwindung inhaltlicher und formaler Grenzen erproben sie seine verführerisch sensitiven Reize. Doch zugleich gebietet der Umgang mit Wachs Vorsicht, denn seine provisorische Qualität, seine unbeständigen physikalischen Eigenschaften und möglichen Zustandsveränderungen bedeuten latente Gefährdung: Wachs bricht leicht, schmilzt bei Hitze und zieht Staub an.

Die Ausstellung zeigt zeitgenössische Positionen, die als plastische Wandarbeiten, frei stehende Skulpturen und Rauminstallationen in Erscheinung treten, sowie einen Einblick in die historische Wachskunst. Sie thematisiert die vielfältigen Anwendungsbereiche und das kulturübergreifende Interesse am Werkstoff Wachs. Von der Enkaustik, die als eine der ältesten Maltechniken ihre Blütezeit in der griechisch-römische Antike erlebte, bis hin zur interaktiven Prozesskunst bietet die Ausstellungen einen vielseitigen Einblick in den künstlerischen Umgang mit dem Material, seiner Geschichte und seiner inhaltlichen Bedeutung.


Zündstoff - Wachs in der Kunst
21. Oktober 2012 bis 3. Februar 2013

Museum Villa Rot
Schlossweg 2
D 88483 Burgrieden - Rot
T 0049 (0)7392 8335
F 0049 (0)7392 17190

Öffnungszeiten:
Mi bis Sa 14 – 17 Uhr
So und Fe 11 – 17 Uhr

Pia Stadtbäumer: Bauch und Beine, 1996. Bienenwachs; Courtesy by the artist. VG Bildkunst Bonn 2012
Rebecca Stevenson: Kittibelle, 2009. Wachs und Polyesterharz; Courtesy by the artist
Gil Shachar: Ohne Titel, 2011. Wachs, Epoxydharz, Farbe; Courtesy by theartist, Photo Egbert Trogemann. VG Bildkunst Bonn 2012