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Andreas Magdanz - Stuttgart Stammheim

Nov 17, 2012 bis Mär 24, 2013

tn Die Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim ist kein Gefängnis wie jedes andere. Im Namen "Stammheim" verdichtet sich bis heute der Mythos um die Rote Armee Fraktion, deren führende Köpfe – Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe – in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 im siebten Stock des Hochsicherheitsgefängnisses Selbstmord begingen. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich Ulrike Meinhof am Fensterkreuz der Zelle 719 erhängt.

In Kürze soll der 1963 erbaute Bau, in dem der so genannte Deutsche Herbst ein dramatisches Ende fand, abgerissen werden. Deswegen startete der Fotograf Andreas Magdanz vor zwei Jahren das fotokünstlerische Projekt "Stuttgart Stammheim": Fünf Monate lang wohnte er in unmittelbarer Nachbarschaft der JVA und dokumentierte in Hunderten von Fotografien diesen historisch aufgeladenen Ort. Rund dreißig der dabei entstandenen digitalen Großformatfotografien sind jetzt, gefördert von der Baden Württemberg-Stiftung, im Erdgeschoss des Kunstmuseum Stuttgart zu sehen.

Die heutigen nüchtern-sachlichen Außen- und Innenaufnahmen des Mehrzweckbaus und seiner Zellenräume bilden einen bewussten Kontrast zu den schockierenden Tatortaufnahmen von damals. Wie schon bei seinen früheren Projekten "Dienststelle Marienthal " (2000), "BND-Standort Pullach" (2005) und "Vogelsang" (2008) beschäftigt Andreas Magdanz die Frage, inwieweit diese sichtbaren Orte kollektives Gedächtnis und gesellschaftliche Praxis in sich tragen. "Die Möglichkeit zu haben, so dicht an der Geschichte zu arbeiten und 33 Jahre später diesen Ort besuchen zu können, war für mich eine einmalige Gelegenheit zu untersuchen, wie unser System funktioniert und was es mit uns gemacht hat und wie sich dadurch die Gesellschaft verändert," erklärte der 49-jährige Fotograf vor Kurzem in einem Fernsehinterview.

"Der Deutsche Herbst ist sicherlich hier verortet", so Magdanz, der sich während der monatelangen Arbeit dem Stammheimer Gebäudekomplex aus unterschiedlichen Perspektiven und Distanzen bis hin zu Luftaufnahmen genähert hat. Im Zentrum steht dabei die Architektur des abweisend wirkenden Mehrzweckbaus: "Darin sind deutsche Baumeister ganz großartig, solche Funktionsräume vollkommen emotionslos umzusetzen", beschreibt Magdanz den Gerichtssaal, "ich glaube, kälter kann man Architektur kaum noch erzählen". Seine Aufnahmen dieses geschichtsträchtigen Ortes sollen die heute nur noch in historisch-politisch interessierten Kreisen geführte Debatte um die damaligen Ereignisse erneut anstoßen und vor allem einer jüngeren Generation nahe bringen.

Parallel zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag ein 240 Seiten starkes Fotobuch mit Texten von Michael Sontheimer, Andreas Magdanz und anderen. Unter dem Label MagBooks folgt ein e-Book mit sphärischen Fotos sowie Film- und Dokumentationsmaterial. Der Band stellt für Magdanz den Kern des umfangreichen Fotoprojektes dar, das nach eigenen Worten sein "letztes deutsches Projekt" ist. Darüber hinaus startet im Januar 2013 ein umfangreiches Begleitprogramm zur Sonderschau, darunter ein Fotoworkshop und ein Künstlergespräch mit Andreas Magdanz sowie eine Gesprächsreihe mit verschiedenen Zeitzeugen.


Andreas Magdanz - Stuttgart Stammheim
17. November 2012 bis 24. März 2013